Beim DLV sind die Totengräber der Senioren-Leichtathletik am Werk

Kommentar

Nebenbei bemerkt

(Baunatal/Darmstadt/Krefeld, 07. September 2021)
Wo Dilettanten am unseligen Werk sind, die zudem eine ausgeprägte, mithin pathologische Phobie gegen die Senioren-Leichtathletik (SeLa) haben, da kann zwangsläufig nichts Gescheites für den wörtlich zu nehmenden betroffenen Personenkreis bei herauskommen. Die mehrfach überarbeiteten, nachgebesserten (richtiger: verschlimmbesserten), durch einen selbst gestrickten Fragen-/Antwortkatalog angereicherten umfangreichen Ausschreibungsbestimmungen für die Deutschen Senioren-Meisterschaften vom 10.bis 12.September 2021 im Parkstadion von Baunatal in Hessen strotzt nur so vor Unzulänglichkeiten, Ungereimtheiten und Ungleichbehandlungen. Das haben wir in den letzten Wochen in verschiedenen Beiträgen nach Art des Wanderpredigers immer wieder thematisiert, wollen es schon allein wegen des ausufernden Umfangs nicht alles rekapitulieren. Freilich unsere Stammbesucher auch nicht mit Aufgewärmtem langweilen.

Man merkt die Absicht und ist verstimmt!
 
Bringen wir es also auf den Punkt, zitieren mit Johann Wolfgang von Goethe einen großen deutschen Dichter und Denker: „Man merkt die Absicht und ist verstimmt!“ Und das in Vervielfältigung von 1.033 Gemeldeten. Hinter allem steckt bei den Totengräbern der SeLa in Darmstadt eiskaltes, arg- und hinterlistiges Kalkül, den Läufern, Springern und Werfern der Ü35-Generation die Lust am Wettkampfsport auf höchster nationaler Etage zu vergällen. Da mutet es geradezu wie Hohn an, dass DLV-Veranstaltungsdirektor Marco Buxmann in einer E-Mail an Dieter Krumm vom LAC Quelle Fürth schlankweg behauptet: „Trotz einiger Rückfragen der Senioren zu Regularien und Auflagen zur Teilnahme an den Deutschen Seniorenmeisterschaften, ist der größte Teil der Aktiven trotz gewisser Einschränkungen sehr dankbar, dass überhaupt eine Deutsche Meisterschaft für diese Altersklasse angeboten werden kann.“ Ach, wie gnädig. Und: Woher will er das so genau wissen? Da liegen uns als Interessenvertretung mit öffentlich gemachter Außenwirkung völlig andere Erkenntnisse vor. Da ist große Verärgerung allenthalben und allerorten spürbar. 

Freier Eintrit für freie Bürger bei Senioren-DM Fehlanzeige

Aber  auch darin liegt Berechnung vom DLV. Getreu dem Motto „Wo kein Kläger, da kein Richter“: a) sind die arg gebeutelten Talente von gestern und vorgestern in Mehrheit viel zu brav, schlucken willfährig jede Kröte, die ihnen zum Fraße vorgeworfen wird und b) ist diesem Sportverband, der schließlich kein Wirtschaftsunternehmen ist, rechtlich unheimlich schwer beizukommen. Neben all dem Bockmist in der Ausschreibung ist ein großer Zankapfel, die bei dieser Senioren-DM willkürliche Nichtzulassung von Zuschauern. Eine Ungleichbehandlung in höchster Potenz. Bei der DM Männer/Frauen in Braunschweig durften täglich 2.500 Schaulustige kommen, bei der U16-DM am vergangenen Wochenende in Hannover gab es überhaupt keine diesbezüglichen Auflagen, auch parallel bei den „Hessischen“ der U20 und 18 in Gelnhausen nicht. Freier Eintritt, für freie Bürger.

Corona-Schutzverordnung ließe 1.500 Zuschauer zu

Die Paragraphen 16 und 20 der Corona-Schutzverordnung des Landes Hessen gestatten bei Veranstaltungen unter freiem Himmel 1.500 Zuschauer. Genesene und Geimpfte werden dabei nicht mitgerechnet. Selbst bei einer solchen Zahl würden sich im Parkstadion mit großer Tribüne und einem Gesamtfassungsvermögen von 7.578 Plätzen im weiten Rund die Schaulustigen unter Missachtung der Abstandsregeln nicht gegenseitig auf die Füße treten. Dazu geht es nicht um ein wirklich externes Publikum, das eine solche Meisterschaft aufsucht, sondern um Familien-Angehörige, Freunde und Bekannte. Ohne es genau beziffern zu können, handelt es sich zur gleichen, da eingeschränkten Zeit von zwei Stunden vor und 60 Minuten nach den Wettbewerben allenfalls um 200 Personen. Wo, bitte, soll darin ein die Gesundheit gefährdendes Problem liegen?
Rechtlich den Besuch mit einer Einstweiligen Verfügung erwirken zu wollen, ist leider ein hoffnungsloses Unterfangen, wie ich mich gestern bei der Fachanwältin für Sportrecht, Prof. Dr. Anne Jakob aus Karben, telefonisch sachkundig gemacht habe. Der verhinderte Zuschauer kann, stark vergröbert formuliert, nämlich keinen materiellen Schaden geltend machen. Ideellen hat der Gesetzgeber nicht vorgesehen. Wären wir wieder beim Kalkül der Vor- und (Ver-)Querdenker dieser Dachorganisation.

Ü35-Generation wird mit Stasi-Methoden überwacht

Wohl in ihrer Haut scheinen sich die (un-)verantwortlich Handelnden dennoch nicht zu fühlen. Sie haben einen zwölf Mann starken Sicherheitsdienst zur Überwachung und Einhaltung all der Vorschriften beauftragt sowie der Zähmung etwaig aufgebrachter Athleten (weibliche nehmen wir bewusst aus) beauftragt. Dafür nimmt der latent klamme Verband Geld in die Hand, lässt aber 5 Euro Eintritt pro Besucher sausen. Viel schlimmer ist jedoch die Gängelung mit Stasi-Methoden. Einziger Unterschied: Die Spitzel sind an der uniformen Kleidung zu erkennen. Und damit nicht womöglich alles aus dem Ruder läuft, wurde DLV-Seniorensprecher Heiko Wendorf (im Bild) für Samstag/Sonntag als Deeskalationsbeauftragter vom Verband eingeladen. Auf dass der 50-jährige Jurist als Streitschlichter nicht in Anspruch genommen werden muss! 
Letztere sinnvolle Maßnahme mal ausgenommen, läuft das geschnürte Gesamtpaket auf pure Schikane hinaus. Irgendwie muss die ungeliebte Senioren-Leichtathletik doch kaputt zu bekommen sein. Denn steter Tropfen höhlt bekanntlich den Stein.