Vetter-Trainer Boris Obergföll sieht sich "Beschissen und betrogen"

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(Tokio//Bonn/Marl/Melsungen/Krefeld, 10. August 2021) Nun müssen wir doch nochmal einen Salto rückwärts zu Olympia drehen. Unsererseits haben wir während der noch laufenden Schlussfeier in Tokio einen Kommentar zum Abschneiden der deutschen Leichtathleten veröffentlicht, der eine große, zustimmende Resonanz auslöste. Da konnten wir noch nicht wissen, was sich ansonsten im analogen und digitalen Blätterwald abspielen würde. Und niemand wird wirklich alles dazu suchen, finden und lesen. Da schließe ich mich ein, der zudem mit LAMPIS reichlich zu tun hat(te). Aber es gibt stets genügend Kiebitze, die mir das eine oder andere zuspielen. Ganz starker Tobak ist, was Vetter-Trainer Boris Obergföll (geb. Henry) gegenüber der Deutschen Presse-Agentur (dpa) förmlich als miserabler Mit-Verlierer in einer Art Verschwörungstheorie mit den markigen Worten „Beschissen und betrogen“ in dem verlinkten Artikel rausgehauen hat. Echt zum Kopfschütteln, dass die Ohren noch Stunden später wackeln.  

Torsten Lange: „Eine Mixtur aus Gejammere und Herrenmenschentum!“

Als Gegenpol passt dazu, was Wurf-Allrounder und unser gelegentlicher Gastautor Torsten Lange (im Bild) aus Bonn kurz, bündig und treffend im Leserblog der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) äußerte: „
Der Boden, die Windverhältnisse, der Zeitpunkt, Corona... Eine Mixtur aus Gejammere und Herrenmenschentum! Im Klartext heißt das, was Obergföll da von sich gibt: Vetter war Favorit, also baue man eine Anlage um den Deutschen herum so auf, dass er seiner Rolle gerecht werden kann. Dass die Umstände für alle gleich waren, kommt diesen Jammerlappen (Sportler und Trainer) nicht in den Sinn. Hoffentlich wurde dem Sieger fair gratuliert. Zum Fremdschämen!“

Erfolgstrainerin Gertrud Schäfer attackiert bei Sport1 den DLV

In einer großen bebilderte Reportage auf dem Internet-Portal des Spartensenders Sport1 moniert die nie ein Blatt vor den Mund nehmende frühere olympische Kugelstoßerin (1968 in Mexiko City), Diplom-Sportlehrerin und  Erfolgstrainerin Gertrud Schäfer (beispielsweise von Siebenkämpferin Sabine Braun, Speerwerferin Beate Peters und Kugelstoßerin Stephanie Storp) unter anderem die Fußstellung von Vetter beim Abwurf. Da wir, beide vom Jahrgang 1944, uns seit Urzeiten kennen, habe ich gestern Abend mit  der in Marl wohnhaften Gertrud telefoniert und mit ihr munter auf Teufel komm raus gefachsimpelt. Ein Kernzitat daraus: „
Der DLV bevorzugt in der Präsenz eine umgekehrte Pyramide, statt die Basis stark zu machen. Man geht fälschlicherweise davon aus, dass das Wissen bei den Bundestrainern liegt.“

Alwin J. Wagner schlägt ebenfalls in diese Kerbe

Es rauscht in einer Art Nachbeben natürlich bis heute und womöglich länger in den bedruckten Gazetten und Online-Medien in Abrechnungen zum per Saldo blamablen Abschneiden der deutschen Sportler/innen im Allgemeinen und der Leichtathleten im Besonderen. In diesem Zusammenhang weisen wir auf einen späteren Beitrag des früheren Weltklasse-Diskuswerfers Alwin J. Wagner (*11.08.1950; im Bild) in dieser unserer Nachrichtenspalte hin. Für die jüngeren Generationen: Alwin war Olympia-Sechster 1984 in Los Angeles, mehrfacher Deutscher Meister, in vielen Länderkämpfen die es einmal gegeben hat Kapitän der Nationalmannschaft, ist ehemaliger Landestrainer in Hessen gewesen und versorgt weiterhin in seinem Heimatverein MT Melsungen talentierte Nachwuchsathleten*innen mit seinem profunden Fachwissen. Nachwuchsarbeit wurde bei ihm auch wörtlich genommen. Mit maßgeblicher Unterstützung seiner Frau Beate hat er vier inzwischen erwachsene Kinder. Im richtigen Leben war er bis zu seiner Pensionierung Polizeihauptkommissar. Als sei das nicht schon mehr als genug, verfügt er über veritable Alleinunterhalter-Qualitäten. Das durften acht Senioren-Werfer unter seiner Leitung während eines siebentägigen Trainingsaufenthaltes im April 2015 in Latsch/Südtirol zu ihrem großen Vergnügen erfahren.