Beim DLV stehen Aufwand und Ertrag in krassem Missverhältnis

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Kommentar

Nebenbei bemerkt

(Tokio/Krefeld, 08. August 2021; 17:15 Uhr)
Vorab und wohlverstanden: Es geht in unserer Replik zum Abschneiden der deutschen Leichtathletik-Nationalmannschaft bei den heute zu Ende gegangenen Olympischen (Nachhol-, Geister- und Corona-)Spielen in Tokio nicht darum, irgendwem etwas missgönnt zu haben. Zudem hat sich schließlich keiner von eigenen Gnaden und nach Gutsherrenart selber entsendet. Allerdings darf es nicht das Sinnen und Trachten einer Dachorganisation sein, alle möglichen Krücken und Eselsbrücken zu nutzen, um möglichst vielen seiner Athleten*innen und Betreuer den hehren olympischen Gedanken vom „Dabei sein ist alles“ zu erfüllen. Ein gesundes Quantum an sportlichem Leistungsvermögen sollte die Minimalanforderung sein, um nach der so genannten Papierform im Konzert der Weltelite zumindest einigermaßen mithalten zu können. Denn so ganz „nebenbei“ geht es um erkleckliche Steuergelder, die das Bundesministerium des Innern (BMI) aus der durch Corona arg gebeutelten Schatztruhe der Nation zur Verfügung stellt.

Verschwendung von Steuergeldern

Der Bund der Steuerzahler pflegt in seinem alljährlichen „Schwarzbuch“, das eigentlich ein „Rotbuch“ sein müsste, zu rügen, wo eine Verschwendung unser aller Steuergelder stattgefunden hat. Ob sie über die Fachkenntnisse verfügen, das bei der Leichtathletik zu beurteilen, sei dahin gestellt. Aber eine kleine Hilfestellung können wir ja liefern, wenngleich nicht in Cent und Euro. Ohne hinterher den Schlauberger zu mimen, hatten wir bereits im Vorfeld jene letztlich durch den Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) nominierten 90 Aktiven (wie viele ihm tatsächlich vom DLV vorgeschlagen wurden, ist öffentlich nicht bekannt gemacht worden) als außerordentlich großzügig ausgewählt bezeichnet.

Eine Bilanz nach untrüglichen Fakten

Also ziehen wir unserseits in dem Bewusstsein Bilanz, dass Chef-Bundestrainerin Annett Stein, der geschäftsführende Vorstandsvorsitzende Cheik-Idriss Gonschinska sowie womöglich der präsidiale Frühstücksdirektor Jürgen Kessing bar jeglicher Selbstkritik nach übl(ich)er Machart des hohen Hauses in rosaroten Farben schönmalen werden, worauf Fachleute sich unvermittelt im falschen Film wähnen. Werfen wir jedoch zuvor einen Blick auf den internen, sportartspezifischen Medaillenspiegel. Die einstige Leichtathletik-Nation Deutschland positioniert sich hinter solchen „Giganten“ wie den Bahamas, Schweden, Norwegen und Uganda an 13. Stelle. Ganz zu schweigen von unserem kleinen westlichen Nachbarn Niederlande (Sechste) und Italien (Zweite). So schaut’s aus!

Prädikat olympisch

Das Prädikat olympisch verdienten sich vorneweg natürlich die drei Medaillengewinner Malaika Mihambo (Gold), Kristin Pudenz und Jonathan Hilbert (beide Silber) und insgesamt zehn Platzierte unter den besten Acht. Dazu mit der Überschrift „Ordentlich“ zu versehen jenes Septett, dass die Qualifikationen überstanden hat und sich nach dem Vorkampf der Finals zwischen Platz neun und Zwölf einreihte. Erfreulich auch die Auftritte der persönliche Bestzeit laufenden Langhürdler Luke Campbell und Carolina Krafzik sowie die Saisonbestzeit von Caterina Granz über 1.500m, die allesamt in die Triplefinals einzogen.

Rubrik enttäuschend

Dazu gab es noch die eine oder andere Leistung, die wenigstens etwa im Rahmen der eigenen Möglichkeiten lag. In die Rubrik „enttäuschend“, wiewohl jeweils Neuntplatziert, fallen zweifelsfrei die als große Medaillenhoffnungen im Speerwurf hoch gehandelten Johannes Vetter und Christin Hussong. Komplett mit leeren Händen dastehend und dem eigenen Anspruch mit mäßigen Leistungen teilweise klar hinterherhinkend Zehnkämpfer Kai Kazmirek, Max Heß, Kristin Gierisch (beide Dreisprung), Christina Schwanitz (Kugel) und David Wrobel (Diskus).

Sporttouristen im Nationaltrikot

Nicht über die Rolle der Sporttouristen im Nationaltrikot kamen Imke Onnen, Mateusz Przybylko (beide Hochsprung), Ricarda Lobe (100 m Hürden), Steven Müller (200m),  Marvin Schlegel (400m), Saskia Feige (20 km Gehen) und die 4x400m-Staffel der Männer hinaus. Alles im Detail nachzulesen in unserer ausführlichen Olympia-Berichterstattung mit insgesamt 18 Beiträgen. Dafür blieb einiges andere aus unserem originären Senioren-Bereich (vorerst) auf der Strecke. Aber aufgeschoben ist bekanntlich nicht aufgehoben

„Ein weiter so“ darf es beim DLV nicht geben

„Ein weiter so“ darf es keinesfalls beim DLV geben, der seit Mitte April 2021 mit einer runderneuerten Satzung und einer Strukturänderung unterwegs ist. Das allein wird es nicht richten. Da gehört einiges mehr auf den Prüfstand, ist Effizienz gefragt und kein überbordendes Personal-Karussell. Wenngleich schlussendlich die Hauptarbeit durch die Heimtrainer bewerkstelligt wird, leistet sich dieser Fachverband den verschwenderischen Luxus von 68 Bundes- und elf Stützpunkttrainern. Dazu kommt noch eine Geschäftsstelle mit über 50 hauptamtlichen Kräften, die sich vor allem selbst verwalten. Daher vermutlich auch der Name Selbstverwaltung. Späßle mit ernsthaftem Hintergrund g'macht!

Durchdachter Plan ist nicht erkennbar

Das habe ich schon einmal bei früherer Gelegenheit erwähnt und wiederhole es gerne: Durch dieses Gefüge müsste mal mit dem eisernen Besen einer angesehenen Unternehmensberatung gefegt werden. Ein frommer Wunsch, ich weiß. Aber irgendwer müsste mal genauer hinschauen. Es kann und darf nicht sein, dass ein Verband nach eigenem Gutdünken vor sich hin wurschtelt und dabei zu allem Überdruss ein Millionengrab produziert, wobei obendrein Aufwand und Ertrag in einem derart krassen Missverhältnis stehen. Selbst im nicht beliebig auf einem Reißbrett planbaren Sport. Dennoch bedarf es eines Planes. Der ist jedoch nicht erkennbar.