WMA kürte die vermeintlich besten Masters des letzten Jahrzehnts

Kolumne

Moment mal

(Monte Carlo/Krefeld, 23. März 2021)
Nun ließe sich trefflich darüber streiten, welchen tieferen (Un-)Sinn in Zeiten wie diesen eine virtuelle Kürung von irgendwas mit profaner Zusendung irgendwelcher Insignien macht. Doch eine Diskussion erübrigt sich, da der Senioren-Weltverband World Masters Athletics (WMA) mit Feudalsitz in Monte Carlo im Fürstentum Monaco sich dazu entschieden hat. Eingedenk der ausgefallenen vorjährigen Weltmeisterschaften der Ü35-Generation im kanadischen Toronto fiel zugleich der inzwischen übliche, stark verwässernde Auszeichnungstsunami der Weltbesten in gefühlt je 15 Kategorien männlich und weiblich weg. An dessen Stelle rückte nunmehr der/die vermeintlich beste Senior/in des letzten Jahrzehnts von 2010 – 2019.

Eine plumpe und einfältige Machart

Die Machart darf getrost – noch wohlwollend formuliert – als ausgesprochen plump und einfältig bezeichnet werden. Statt in einem dramaturgischen Spannungsbogen zunächst die je sechs Nominierten zu nennen, erfolgte das in einem Abwasch (siehe Link; Übersetzung mit www.deepl.com empfohlen) mit den letztlich beiden Gekürten: Werfer-Urgestein Arild Busterud (M70; im Bild) aus Norwegen und Sprinterin Karla Del Grande (W65) aus Kanada. Ein Blick auf die zwölf „zuvor“ Auserwählten lehrt uns, dass sich unter ihnen mit Zehnkämpfer Rolf Geese (M75) von der LG Göttingen lediglich ein Germane befunden hat. Das hat er fraglos bei der Erfüllung der verlangten und genannten Kriterien verdient.

Wolfgang Ritte wurde schmählich „übersehen“

Aber: Äußerst verwundern muss bei nüchterner, unvoreingenommener objektiver Betrachtung durch die keineswegs rosarote heimische Brille, dass sich Stabhochspringer Wolfgang Ritte (*1953/M65) vom SC Bayer 05 Uerdingen nicht darunter befand. Der damals einzige und wahre „Best Master of the Year 2008“, gekürt von den Stabhochsprung-Legenden Jelena Isinbajewa und Sergej Bubka (im Bild)  bei der Welt-Leichtathletik-Gala vor 700 geladenen Gästen (der Autor als Reporter für die Rheinische Post mittendrin) im „Salle de Etoiles“ (übersetzt Sternensaal) des alt-ehrwürdigen Sporting Club in Monte Carlo, hat in dem fraglichen Zeitraum in den drei verschiedenen Altersklassen von M55 bis 65 mehrere Weltmeister-Titel eingeheimst sowie x-fach die Hallen- und Freiluft-Weltrekorde im Stabhochsprung verbessert (mittlerweile insgesamt 47 mal). Dazu steigerte der vielseitige Athlet als absolutes Sahnehäubchen Ende Mai 2014 den Zehnkampf-Weltrekord der M60 auf 8.123 Punkte, den bis dahin jener Rolf Geese mit 8.107 Zählern gehalten hatte.
Mehr geht einfach nicht. Dennoch wurde der auch ansonsten untadelige, trotz häufigen Abhebens bodenständig gebliebene und ausgesprochen beliebte Grandseigneur der Szene schmählich „übersehen“. Das sollte die deutsche WMA-Präsidentin Margit Jungmann bei passender Gelegenheit mal erklären. Nationale Befangenheit war hier vollkommen fehl am Platze. Bei Geese spielte sie ja auch keine Rolle...