DLV hat geradezu schier unrealisierbare Hausaufgaben vor sich

Kommentar

Nebenbei bemerkt

(Torun/Krefeld, 08. März 2021)
Stammbesuchern unserer Internett-Plattform ist hinlänglich bekannt, dass wir die Huldigung von Medaillenspiegeln bei internationalen Meisterschaften für ausgemachten Humbug halten und uns daran nicht beteiligen. Obschon beides Obst, ist das fürs Phrasenschwein nämlich der sich in aller Regel verbietende Vergleich von Äpfeln und Birnen, die sich allenfalls zum Kompott oder Fruchtsaft eignen. Soll heißen: Alle Nationen von sehr unterschiedlichen Größen und Teilnehmerzahlen in einen Topf zu werfen, ist unangemessen und hinterlässt objektiv gesehen zwangsläufig ein Zerrbild. Ausgemachter Unsinn ist zudem, dass bei einer Nation mit lediglich einer Goldmedaille die Platzierung schwerer wiegt als bei einem anderen Land fünf Silberne und sieben in Bronze. Das sei indes lediglich als Randbemerkung dahingestellt.

Germany im Medaillenspiegel auf Rang 16

Aber: Da der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV) sich bei den Senioren/innen, die er ansonsten wie „Rotz am Ärmel“ behandelt, gerne mit dem sinnfreien Erbsenzählen der großen Ausbeute von Edelmetall in aller vielfältigen Couleur „seiner“ 632 Teilnehmer/innen brüstet, halten wir ihm aus purer Gemeinheit und zur Besinnung auf die knallharte, unbestechliche Realität den Medaillenspiegel der gestern zu Ende gegangenen Hallen-Europameisterschaften der Männer/Frauen im polnischen Torun vor.
Obwohl der federführende und nominierende DLV mit 48 Aktiven eine der quantitativ größten Teams an den Start brachte, belegte Germany (hier ist die internationale Bezeichnung geboten) in der Gesamtwertung den 16. Rang. In Worten: Sechzehn. Hinter einem „Zwergenstaat“ wie die Schweiz (Siebte), doch derweil immerhin denkbar knapp vor einem „Giganten“ wie Aserbaidschan (18.).

Frauenstaffel rannte den Niederlanden gnadenlos hinterdrein

Und unsere westlichen Nachbarn aus den Niederlanden (Erste) und Belgien (Vierte) steckten unsere Vertreter/innen derartig in den Sack. Das teilweise auch im direkten Aufeinandertreffen bei Männlein und Weiblein. Die deutsche 4x400m-Staffel der Frauen lief im abschließenden Wettbewerb der viertägigen Titelkämpfe den erfolgreichen „Meisjes“ aus dem vergleichsweise kleinen Königreich (17,28 zu 83,02 Millionen Einwohner) als Letztplatzierte um geschlagene vier Sekunden oder rund 30 Meter hinterdrein. Das sind gewissermaßen Lichtjahre in der Leichtathletik. Beschämend!

Schönfärbende „Statements“ in Rosa und Prosa

Das gilt auch für die handelsüblichen staatstragenden Stellungnahmen, sie nennen es Statements, der verantwortlichen Personen im Dachverband. Selbstverständlich ist es legitim, dass sie sich schützend vor ihre Athleten/innen stellen und die nicht öffentlicher Kritik aussetzen. Schon aus lauter Eigennutz, da sie von ihnen schlussendlich allzu großzügig nominiert worden sind. Aber mitunter wäre es besser den Mund zu halten, als alles und jedes in schönfärbendes Rosa und Prosa zu tauchen. Gell, Frau Cheftrainerin Annett Stein (Achtung, Denglisch-Masch-Masch: „Die Mannschaft hat gut performt“) und Herr Sport-Generaldirektor Cheik-Idriss Gonschinska („International wertvolle Wettkampf-Kompetenz gesammelt“). So sieht er also aus, der Mantel der Barmherzigkeit, kann bei realistischer Bilanzierung allerdings auch als „Blinde Kuh spielen“ bezeichnet werden.
Jetzt fehlt nur noch der Sermon vom präsidialen Fettnäpfchentreter Jürgen Kessing, der es damals bei der heißen Freiluft-WM 2019 in Doha (Katar) in klimatisierten VIP-Räumen gar nicht so warm fand. Kunststück!  

Hofberichterstattung aus dem Bereich von Märchen und Sagen

Ja, es gab außer den sechs Medaillen mit noch elf weiteren Endkampf-Platzierungen einige Lichtblicke. Allerdings auch unübersehbare krachende sowie leise Enttäuschungen zu vieler EM-Touristen im Nationaltrikot und so gut, richtiger: schlecht, wie keine positiven Überraschungen mit über sich hinauswachsenden Talenten oder Arrivierten.

Wessen Brot ich esse, dessen Lied ich singe. Nach diesem Motto verfuhren in Anlehnung an ihre Chefs auch die Literaten der Dachorganisation bei ihrer Hofberichterstattung. Bei dem Beitrag über  die „versilberte“ amtierende Weitsprung-Weltmeisterin Malaiko Mihambo aus dem Bereich von Märchen und Sagen ihrer angeblich deutlich verbesserten Anlaufprobleme fiel mir im krassen Gegensatz zu meiner veröffentlichten Wahrnehmung beim pflichtgemäßen Lesen sinnbildlich der Kitt aus der Brille. Wenigstens Mihambo führte im unmittelbar anhängenden eigenen Fazit ihres Tuns diesen ausgewiesenen Nonsens ad absurdum. Und das ist gut so!  

Nicht mehr vorhandene Stellenwert einstmals ruhmreicher deutscher Leichtathletik
 
Abschließend zum nicht mehr vorhandenen Stellenwert der einstmals ruhmreichen deutschen Leichtathletik: Die angesehene und vielzitierte Rheinische Post, die früher auf diesem Sektor immer mit eigenen Redakteuren groß einstieg, berichtet heute mit einem von DPA übernommenen Beitrag auf der vierten und letzte Sportseite weiter unten in einem dürren Zweispalter ohne Foto mit der Überschrift „Mihambo fehlten vier Zentimeter zu EM-Gold“.
Dann machen sie mal mit Blick auf den Sommer fleißig und unermüdlich die versprochenen Hausaufgaben, Frau Stein, die nun denselben der Weisen suchen muss! Da wird allerdings ein mittelprächtiges Wunder vonnöten sein, den zu finden. Das ist eine wahre Herkules-Aufgabe. Schön, wenn sie für alle verbliebenen unverbesserlichen optimistischen Patrioten gelingen würde. Freilich höchst unwahrscheinlich bis unmöglich.