Angeblich frauenfeindliche Äußerung kostete Olympias LOC-Chef den Job

Glosse

Neben der Spur

(Tokio/Krefeld, 13. Feburar 2021)
Corona macht’s möglich. Allenthalben und allerorten werden die Menschen dünnhäutiger. Wer nicht schon genug Probleme an allen Ecken und Enden hat wie IOC-Präsident Thomas Bach (im Bild), dem werden sie halt von außen noch zusätzlich aufgestülpt. Der Chef des Lokalen Organisationskomitees der Olympischen (Nachhol-)Spiele in Tokio und ehemalige japanische Premierminister Yoshirō Mori, 83 Jahre, ist gestern von seinem Amt zurückgetreten. Aufgrund des Sturms der Entrüstung, einen - ausnahmsweise mal in Englisch - Shitstorm (zu gut Deutsch: Scheißsturm), den er im Land der untergehenden Sonne mit seiner angeblich frauenfeindlichen Äußerung entfachte, Frauen in Gremien diskutierten zu lange und hielten den Betrieb auf. Manche Medien bezeichneten dies gar als sexistisch. Geht’s noch oder interpretiere ich armer Tor trotz aller sprachlichen Geflissenheit dieses Wort falsch?

„Ein Mann ein Wort, eine Frau ein Wörterbuch“ gehört auf den Index

Egal! Wenn das schon anzüglich gewesen sein soll, gehört in Deutschland der Spruch aus Volkes Mund „Ein Mann ein Wort, eine Frau ein Wörterbuch“ schnurstracks auf den Index. Mittlerweile sind wir soweit, dass die vermeintliche Krone der Schöpfung dem schönen Geschlecht, außer es wäre die eigene Lebensabschnittsgefährtin, nicht mal mehr ein Kompliment machen darf. Der ein- für allemal als Schwerenöter gebrandmarkte und generalverdächtige Boris Becker (*1967) kann ein garstig‘ Lied davon singen. Der 1985 noch 17-jährig jüngste Wimbledon-Sieger der Tennishistorie hatte als Co-Kommentator von EUROSPORT bei den US-Open 2020 in New York City eine Stuhlschiedsrichterin als – sinngemäß – Hingucker bezeichnet. Hübsch hat er sie meiner Erinnerung nach genannt, kann auch ein „sehr“ davor gestanden haben.
Achtung: Satire: Wie  verwerflich, schlüpfrig, geradezu obszön ist das denn. Igittigitt und dreimal pfui Teufel! Diese verdammte Seuche für einen Moment mal ausgeklammert: In welcher Welt leben wir eigentlich gerade? Aber zum Kehraus noch eine leicht abgewandelte Plattitüde: Schlimmer geht irgendwie immer!
Ein bisschen mehr Gelassenheit in allen Lebenslagen (Liebeslagen verkneife ich mehr jetzt, könnte ja sexistisch sein) ist dringend geboten.