Der Sportirrtum: Spazierengehen hätte keine gesundheitliche Wirkung

(Köln/Krefeld, 08. Dezember 2020) Es kursieren eine Menge Sportirrtümer, die so lange kolportiert und transportiert werden, dass sie irgendwann Mythenstatus erlangen, also für bare Münze genommen werden. Der Sport- und Ernährungswissenschaftler Prof.Dr. Ingo Froböse (im Bild) von der Deutschen Sporthochschule Köln, früherer Klasse-Sprinter beim einstmals ruhmreichen ASV Köln, nimmt sich derartiger Vorurteile im WDR2-Hörfunk und ARD-Morgenmagazin unter der Rubrik „Sportsch(l)au“ und anderen Publikationsmedien sowie seinem eigenen Internet-Portal an. Mit seiner freundlichen Genehmigung haben wir nahezu über ein Jahrzehnt hinweg in loser Folge bislang 107 Kapitel zu diesem Themenkomplex veröffentlicht. Kein Reservoir ist auf Dauer unerschöpflich, selbst wenn hin und wieder etwas Neues hinzukommt. Deshalb werden wir gelegentlich frühere, allgemeinverbindliche und zeitlose Beiträge zu Erinnerung oder aber für im Laufe der Zeit hinzugekommene LAMPIS-Leser wiederbeleben. Dieser gehört dazu und ist bei weithin eingeschränkten Trainingsmöglichkeiten aktueller denn je. A.H.

Sportliche Anstrengung ist nicht allein seligmachend

Wenn Frauen schnatternd durch den Stadtwald walken, so werden sie zumindest von ambitionierten Läufern gern belächelt. Denn nur wer sich beim Sport auch anstrengt, hat langfristig etwas davon. Spazierengehen wird dagegen vielmehr als Bewegungsform für Rentner und Bewegungsmuffel angesehen, da es keine gesundheitlich relevanten Stoffwechsel- und Herz-Kreislauf-Reaktionen in Gang setzen würde. Und warum, in Gottes Namen, verankern immer mehr Krankenkassen Alltagsbelastungen in ihren Präventionskonzepten sowie Gesundheitskongressen und stehen Schrittzähler-Studien hoch im Kurs?

Niederschwellige Bewegungsformen stehen hoch im Kurs

Betrachtet man also die international anerkannten Richtlinien zur körperlichen Aktivität, so wird innerhalb der letzten Jahrzehnte eine fast „evolutionäre Entwicklung“ erkennbar. Der Trend vollzieht sich eindeutig zu den so genannten niederschwelligen Bewegungsformen wie dem Gehen oder Spazierengehen, Radfahren im Alltag und Ähnlichem. In einer groß angelegten wissenschaftlichen Studie zeigte sich, dass „strammes“ Spazierengehen mit einem Tempo von 4,5 bis 6 Stundenkilometern die gleichen positiven Effekte wie das Joggen in sich vereint. Ausschlaggebend ist die regelmäßige Ausführung der körperlichen Aktivität und dass eine Summe von mindestens 30 Minuten am Tag nicht unterschritten wird. Pro Einheit sollte darauf geachtet werden, eine Mindestbelastung von sechs bis zehn Minuten einzuhalten. Eine höhere Dosis an Bewegung ist jedoch ganz klar überlegen, was die gesundheitliche Wirkung angeht. Hier gilt also: Mehr ist besser als wenig!
Fazit: Das Gute daran ist: Beim Spazierengehen entstehen keine zusätzlichen Kosten für spezielle Ausrüstungen und Material. Dazu besteht die Möglichkeit nahezu an jedem Ort zu jeder Zeit aktiv zu sein.