Ein runder Geburtstag unter denkbar ungünstigen Voraussetzungen

(Ahlen/Krefeld, 14. November 2020) Ja, zugegeben, jetzt sitze ich erst mal rätselnd vor der Tastatur meines Notebooks. Was eher selten vorkommt. Doch wie würdige ich angemessen den runden Geburtstag einer außergewöhnlichen Persönlichkeit aus der (Senioren-)Leichtathletik, die ich dazu sehr schätze, der ich jedoch schon zwei großformatige Laudationen zu vorher selbigen Anlässen mit den Zahlen 70 und 75 (siehe Link) gewidmet und so manch andere Geschichte in den vergangenen bald elf Jahren über ihn geschrieben habe? Schließlich kann ich, ohne Verfälschungen an der unumstößlichen Vita vorzunehmen, nichts tiefschürfend Neues beitragen. Und eine Blaupause mit lauter Doubletten würde weder Dieter Massin (*14.11.1940) zur heutigen Vollendung seines 80.Lebensjahres gerecht, noch meinem eigenen Anspruch von Informationen im unterhaltsamem Lesestil als unverändert engagiertem Sportjournalisten.

Istzustand dieser Zeit verhindert große Feier

Also nähere ich mich dem diesen außerordentlichen Zeiten begründet auf andere Weise. Ohne den einschränkenden Istzustand in allen möglichen Lebensbereichen wäre es wahrscheinlich eine riesige Geburtstagsfeier an seinem den Kriegswirren geschuldeten Wohnsitz in Ahlen geworden, an dem er aufgrund seiner früheren Tätigkeit als Lehrer und Konrektor einer Schule sowie seiner vielen Ehrenämter wie weiterer Aktivitäten bekannter, prominenter ist als der Bürgermeister der 53.400-Einwohnerstadt im westfälischen Münsterland.
Allein mit dem engsten Familienkreis des Jubilars, seiner zwölf Jahre jüngeren Ehefrau Mechthild, ihren dem Wort Nachwuchsarbeit Rechnung tragend fünf Kindern (drei Töchter, zwei Söhne; übrigens in dieser Reihenfolge) zwischen 33 und 43 Jahren, fünf Schwiegerkindern, sieben Enkeln und weiteren fünf nahen Anverwandten wäre eine 24-köpfige Geburtstagsgesellschaft zusammen gekommen. Die Betonung liegt auf dem Konjunktiv „wäre“. Momentan steht dem die verschärfte Corona-Schutzverordnung entgegen, wonach lediglich fünf Personen aus zwei Haushalten zulässig sind. Das Ehrenfest wird notgedrungen in einem genau getakteten Zeitplan bis in den Sonntag hinein teelöffelweise oder in Appetithäppchen im eigenen Haus gefeiert, in dem auch der
Ahlener Kulturkeller" beheimatet ist (siehe Flurfunk).

Ein schwerer Schicksalsschlag macht ihm immer noch zu schaffen

Dies ist nicht der erste böse Streich, den diese neue Geißel der Menschheit dem profilierten, charismatischen, wort- und redegewandten Mann mit den mittlerweile schlohweißen Haaren spielt. Wobei es sogar noch härter geht. Sein von ihm verehrter etwas älterer Bruder Rolf (*27.08.1939; siehe Wikipedia), ein promovierter Philosoph und höchst angesehener Autor, ist am 30.März dieses Jahres in seiner Wahlheimat Narbonne in Südfrankreich an den Folgen von COVID-19 verstorben. Aufgrund der Einreisebeschränkungen konnte sich Dieter der Jüngere nicht von ihm „verabschieden“, auf dessen ultimativ finalen Gang begleiten und die letzte Ehre erweisen. Der Tod eines geliebten Menschen, eines Bruders, an sich ist nur äußerst schwer zu ertragen und zu verarbeiten. Doch das hatte nochmal eine ganz andere Dimension, hat ihn hart getroffen und macht ihm immer noch zu schaffen. Kürzlich war er regelreicht reif für die Insel, verbrachte mit seiner Ehefrau zehn Tage auf  Langeoog, ließ sich zum „klar-Schiff-machen“ zwischen den Ohren den Nordseewind um die Nase wehen.

Zum guten Schluss doch noch eine kleine Doublette

Ja, wieder eingeräumt, wäre es zum Achtzigsten fröhlicher und beschwingter weitaus schöner gewesen. Aber das ist leider die aktuelle traurige Realität, die zumindest ansatzweise Einblicke in das Seelenleben eines Menschen gibt, der alles andere als ein Griesgram ist und der sich garantiert liebend gerne hätte überschwänglich feiern lassen.
Nichtsdestotrotz oder gerade deswegen, lieber Dieter und Bruder im Geiste, auch von dieser Stelle herzlichen Glückwunsch zur in Summe achten Null mit einer Acht davor! Sicherlich auch stellvertretend für die LAMPIS-Leser, die Dich auf den multiplen Stationen in der Leichtathletik als nahbaren Amtsinhaber ein bisschen näher kennen lernen durften.
Und doch zum guten Schluss noch eine kleine Doublette aus dem eigenen Fundus: Wenn es Dich nicht schon geben würde, müsstest Du glatt erfunden oder geklont werden! Ehrlich! Denn Du weißt wie kaum ein anderer außer meiner
Chefin", dass ich zum Diplomaten nicht tauge und „frei Schnauze“ mein Herz auf der Zunge zu tragen pflege.