Kaschke als Herr des Verfahrens und Sicherheitschef eine Nullnummer

Kolumne

Moment mal

(Funchal/Port Muniz/Krefeld, 07. November 2020)
Glory, Glory, Halleluja! Wer nicht gefeiert wird, der feiert sich halt selbst. Auf dem Beweihräucherungs- und Sterbeanzeigen-Portal des veranstaltenden Kontinentalverbandes European Masters Athletics (EMA) wird die Senioren-EM im Straßenlauf am vergangenen Wochenende elogengleich in den Himmel über Madeira gehoben. Da heißt es in der übersetzten Überschrift: Madeira Gastgeber einer hervorragenden Non-Stadia-Meisterschaft. Aus dem Text:  „Wir gratulieren und danken dem Organisationskomitee für seine Bemühungen und den Enthusiasmus der Ausrichtung in dieser schwierigen, beispiellosen Zeit.“

Massenhaft Regelverletzungen einfach totgeschwiegen

Schön und gut, das soll den Machern auch nicht abgesprochen werden. Aber es ist ganz mieser Stil, in solch einem verherrlichenden Beitrag nicht die Kehrseite der Medaille aufzuzeigen und kein Sterbenswörtchen von den massenhaften Verletzungen hinsichtlich Abstands- und Maskenpflicht (wir berichteten mehrfach in Worten und unbestechlichen Bildern!) zu verlieren. Diesbezüglich gaben nicht nur, aber eben auch die „Krauts from Germany“ ein buchstäblich ganz miserables Bild ab, vermittelten leider den schon tot geglaubten Verriss vom „hässlichen Deutschen“ im Ausland. „Ballermann 6“ auf Mallorca lässt auch ohne Suff und Puff (un-)schön grüßen!
Wiederholen wir es vorsorglich: Auf diesem zu Portugal gehörenden, fraglos zauberhaften Eiland gilt seit 01.August 2020 überall im Freien Maskenpflicht. Die galt/gilt bei den Wettbewerben sogar auf den ersten 300 Metern und sofort wieder im Zielbereich. Basta! Mit und ohne Pasta oder Bacalhau, dem portugiesischen Nationalgericht.

Ganz normale Wahnsinn geht ungebremst weiter

Und der ganz normale Wahnsinn geht seit gestern bis morgen bei der Berglauf-EM in Port Moniz ungebremst weiter. Obwohl das Lokale Organisationskomitee (LOC) an die Beteiligten als Aufmacher seiner Netzseite in dicken roten Lettern einer „Important Information“ (Wichtige Information) eindringlich appelliert, die Regeln hinsichtlich Masken- und Abstandspflicht strikt als Präventivmaßnahme einzuhalten, gab‘s bereits am gestrigen ersten Tag etliche Verletzungen. Versteht sich peripher auch im Germany-Trikot einer Läuferin der W65 (siehe Foto auf der EMA-Facebook-Seite und Ergebnisliste Platz 13).
Unterdessen schnürte der narzisstische, sich gerne wie ein aufgeplusteter Pfau zur Schau stellende Präsident Kurt Kaschke (*1955) wieder selber die Laufschuhe, wurde diesmal unter 47 Teilnehmern Drittletzter in 1:47,56 Stunden im 8,5-km-Berglauf, 35 Minuten hinter dem spanischen Klassenprimus der M65. Mithin entzog er sich erneut für eine elendig lange Zeit der Aufgabe als Herr des Verfahrens und oberster Hüter der allgemeinen Sicherheit. Und auch der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV) schaut aus nah und fern tatenlos staunend zu, was da so alles versaubeutelt wird.
Wem da bei der inzwischen noch dramatischeren Ernsthaftigkeit der Corona-Gemengelage mit halbwegs gesunden Menschenverstand nicht die Zornesröte ins Gesicht schießt, der muss mit dem Gleichmut einer 105-jährigen Riesenschildkröte ausgestattet sein.