EM: Wehe wenn sie losgelassen... treiben sie mit Entsetzen Scherz...

Kommentar

Nebenbei bemerkt

(Funchal auf Madeira/Krefeld, 01. November 2020)
Nehmen wir eine kleine, leicht veränderte Anleihe beim großen deutschen Dichter und Denker Friedrich Schiller aus seinem Epos „Das Lied von der Glocke“: Wehe wenn sie losgelassen. Da werden – nicht nur – Weiber zu Hyänen und treiben mit Entsetzen Scherz. Zitat Ende!
Eine Etage tiefer geht es leider nicht. Nämlich so ähnlich im übertragenen Sinne geschehen und auf Bilddokumenten der Senioren-Europameisterschaften im Straßenlauf, Gehen und Crosslauf in Funchal auf Madeira zu sehen. Dass diese Titelkämpfe in der sich zuvor obendrein dramatisch verschlimmernden Corona-Apokalypse überhaupt stattgefunden haben, darf getrost als verantwortungsloses und leichtfertiges Spiel mit der Gesundheit der Teilnehmer/innen bezeichnet werden.

Über 1.000 Verweigerer zeigten Titelkämpfen die kalte Schulter

Klarer Fall, dass sie da freiwillig angetreten sind und sich letztlich nicht beklagen können, Schaden an Leib und schlimmstenfalls Leben zu nehmen. Aber die Kehrseite der vielzitierten Medaille ist, dass sie andere Leichtsinnige mit gefährden. Immerhin ist festzuhalten, dass viele Verweigerer bereits im Vorfeld die gebotene Vernunft haben walten lassen. Gegenüber 1.492 Gemeldeten vor zwei Jahren in Alicante (Spanien) waren es diesmal lediglich 428 (die womöglich nicht mal alle gestartet sind). Mit der sehr bescheidenen Zahl hätte sich bei einem vernünftigen Hygienekonzept die Veranstaltung vermutlich auch einigermaßen problemlos bis weitgehend gefährdungsfrei durchführen lassen. Wenn das Wörtchen wenn nicht wäre. Grundvoraussetzung wäre indes gewesen, dass sich auch restlos alle daran halten. Und das war beileibe nicht die eigentlich unumstößliche Regel.

Schirmherr „bot“ ein denkbar schlechtes Beispiel hinsichtlich Verantwortung

Ausgerechnet EMA-Präsident Kurt Kaschke (*im Bild) als Schirmherr dieser Titelkämpfe ging mit denkbar schlechtem Beispiel voran, zeigte sich Arm in Arm mit zwei Aktiven (wir berichteten von diesem skandalösen Vorgang). Und so ganz „nebenbei“ schnürte dieser hemmungslose Selbstdarsteller im 10-km-Straßenlauf dann auch noch selber die Schuhe bei der M65. Viele Kontakte hat er als 110ter und absolut Letzter (sein Standard-Ergebnis, wann immer er international aufschlägt) der Gesamtwertung in 1:04:34 Stunden glücklicherweise nicht gehabt. Das Schlusslicht bei den Frauen war noch rund 2,5 Minuten schneller, der Sieger der M65 gleich 22 Zeigerumdrehungen von 60 Sekunden. Jeder blamiert sich halt so gut er kann.

DLV-Seniorensprecher Heiko Wendorf ist empört

Davon abgesehen, ist es prima bis oberprima in DLV-Seniorensprecher Heiko Wendorf einen Bruder im Geiste zu haben: „Obwohl ich bekanntermaßen ein
hundertprozentiger Wettkampf-Unterstützer und /-Förderer bin, fehlen mir hier fast die Worte. Mit Sport hat das nichts mehr zu tun. Da steht der kommerzielle Aspekt im Vordergrund. Dabei hat die EMA, wie ich definitiv von Dominik Lewin, Andreas Deuschle und Timo Lassmann weiß, teilweise nicht mal die Erstattung der Startgelder von der abgesagten Hallen-EM im Januar 2020 in Braga rückabgewickelt. Und jetzt das! Rein menschlich ist eine Teilnahme für mich nachvollziehbar. Einige sind ja was Wettkämpfe in 2020 angeht praktisch ,unterzuckert‘. Trotzdem rechtfertigt es nicht den sorg-/achtlosen Umgang mit der eigenen und im schlimmsten Fall der Gesundheit Dritter. Diesbezüglich werde ich noch auf Kurt Kaschke zugehen. Das alles darf so nicht stehenbleiben!“

Verhalten des DLV löst ebenfalls Unverständnis aus

Unverständnis muss auch das Verhalten des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV) auslösen. Er hatte völlig zu Recht große Bedenken bei seinen Hinweisen geäußert, dass es nicht sicher einzuschätzen sei, ob die Vorsichtsmaßnahmen eingehalten werden können. Gleichwohl entsendet er den „Kachelmann für Arme“ und Wasserstandsmelder („Ihr müsst gaaanz vielen trinken!“) Karl-Heinz „Flunker“ Flucke (im Bild) aus dem noch existierenden Bundesausschuss Senioren zu diesen dreitägigen Titelkämpfen, winkt ihn wahrscheinlich bis zur nächsten EM-Auflage vom 06. bis 08.November an selber Stelle durch. Der Berliner Hobby-Schreiberling/-Knipser darf dann geradezu glorifizierend unreflektiert und kritiklos in Wort wie Bild (die er bei Interesse der Abgelichteten für 5 Euro das Stück als Digitalfoto verhökert) in der Senioren-Spielecke der Verbandsnetzseite berichten.
Selbstverständlich ist die Berichterstattung von einer EM legitim. Doch das wäre in Zeiten wie diesen bei immer klammer werdenden Kassen auch ein paar Nummern kleiner aus der Ferne anhand der Online-Ergebnisliste möglich gewesen. Zudem mit einem Risikoträger der Risikogruppe M70 vor Ort der bei allzu vielen Begebenheiten haarsträubenden Handlung weniger.