Nachrufe: Wer sich Regeln auferlegt, sollte sich auch daran halten!

Kolumne

Das Wort am Sonntag

(Krefeld, 25. Oktober 2020)
Als wären diese lausigen Zeiten der Corona-Geißel und Geiselhaft mit täglich neuen Horror-Meldungen nicht schon trübsinnig genug, noch verstärkt durch den sehr bald drohenden, gefürchteten November-Blues, greifen wir zu allem Überdruss aus gegebenen Anlässen ein Tabu-Thema auf. Da dieser kontinentale Senioren-Dachverband ja sonst ziemlich wenig zu berichten weiß, nicht hätte, aufgemacht an einem aktuellen traurigen Beispiel der European Masters-Athletics (EMA). Dort wurde vorgestern ein arg verspäteter Nachruf eines bereits am 21.September 2020 im Alter von 80 Jahren verstorbenen schwedischen Amtsinhabers veröffentlicht. Wenngleich er selber nichts mehr davon hat, ist es natürlich schön seiner zu gedenken und an ihn zu erinnern.

Wo bei 51 Mitgliedsverbänden anfangen und aufhören?

Doch für eine Sportorganisation, der 51 nationale Mitgliedsverbände angeschlossen sind, gleicht ein solches Vorgehen dem Tanz auf dem Hochseil ohne Netz und doppelten Boden. Wo anfangen und wo aufhören, wenn mal wieder ein bekannter Offizieller oder Aktiver für immer gegangen ist? Es liegt nun mal bereits allein in der Natur der Sache, dass Menschen aus dem Masters-Bereich irgendwann rein biologisch bedingt das Zeitliche segnen. Und wer will beim Leser den allgemeinen Bekanntheitsgrad bestimmen und ihm mit Nachrufen in Dauerschleife buchstäblich die eigene Endlichkeit ständig vor Augen führen? Noch weniger von Personen, die er zu einem verschwindend geringen Prozentsatz gekannt hat. Die letzte Seite der Tageszeitungen mit Sterbeanzeigen muss sich auch niemand antun, wird einem jedenfalls nicht aufoktroiert.

Traurigste aller Chronistenpflichten will genau überlegt sein

Ja, stimmt, auf LAMPIS werden als traurigste aller Chronistenpflichten auch gelegentlich Nachrufe veröffentlicht. Erst unlängst über Harald Koken. Doch wird sehr genau von uns abgewogen, ob daran ein öffentliches Interesse besteht oder zumindest bestehen könnte. Natürlich spielt dabei nahezu zwangsläufig auch die subjektive Wahrnehmung des Verfassers der mehr oder weniger großen persönlichen Betroffenheit eine Rolle. Das lässt sich nun mal nicht beliebig ausblenden.

Ein Schlag ins Gesicht der hinterblieben Angehörigen
 
Einen klaren, durchaus vernünftigen Standpunkt vertritt ausnahmsweise der „Deutsche Leuchtturm-Verband“ (DLV) mit weltweiter Strahlkraft von eigenen Gnaden. Bei entsprechenden Ansinnen wurde ausdrücklich entschieden, bei verstorbenen Senioren-Leichtathleten*innen aus grundsätzlichen Erwägungen (siehe oben) keine Nachrufe auf der Verbandsnetzseite einzustellen. Wenn er sich denn „nur“ mit demselben kategorischen Imperativ daran halten würde. Bei dem von ihm so benannten „Flash-News-des Tages“ vom 21.Oktober 2020 wurde unter Vermischtes bei der sechsten und letzten Nachricht dann doch der allzu frühe Tod eines Sprinters- und Viertelmeilers der M50 vermeldet. Übrigens nicht die einzige Ausnahme von der selber auferlegten hehren, quasi in Stein gemeißelten Regel. Außerordentlich fragwürdig auch die Platzierung. Gleich darunter befindet sich der Hinweis auf eine Schnitzeljagd. Das ist alles in allem despektierlich und pietätlos, muss den hinterbliebenen Angehörigen wie ein Schlag ins Gesicht vorgekommen sein.

Erheiterndes Bonmot verkneifen wir uns

Eigentlich wollten wir an dieser Stelle mit einem erheiternden Bonmot aus Volkes Mund schließen. Doch dann würden wir uns justament dem aussetzen, was wir gerade erst beanstandet haben. Belassen wir es also beim Standard-Schlusswort dieser Kolumne. In diesem Sinne einen schönen Sonntag und eine hoffentlich entspannte 44.Kalenerwoche! Bleibt alle miteinander vorsichtig, gesund munter und zuversichtlich!