Ein Hauch von olympischem Glanz bei Senioren-DM im Rasenkraftsport

(Dissen/Krefeld, 15. Oktober 2020) Unternehmen wir noch einen kleinen Ausflug zum artverwandten Rasenkraftsport. Obschon aufgrund der beschriebenen aktuellen persönlichen Situation entgegen unserer sonstigen Gepflogenheiten ein wenig verspätet. Anders als die Senioren-Leichtathleten hatten die Rasenkraftsportler am vergangenen Samstag/Sonntag im niedersächsischen Dissen in einer späten Saison ihre nationalen Titelkämpfe unter freiem Himmel im klassischen Dreikampf mit Hammer, Gewicht und Stein sowie den Einzelwertungen. Ein Blick in die Ergebnisliste durch die verschiedenen Alters- (ab 30 im „brutalen“ Zehn-Jahres-Takt) und Gewichtsklassen zeigt erwartungsgemäß, dass es viele zweigleisig agierende  Wanderer zwischen diesen beiden Welten gibt. Eben eine ganze Fülle von aus der Leichtathletik bekannten Namen am Start waren. Es würde zu weit führen, sie alle zu nennen. Das müssen wir dann schon dem Interesse der Statistik-Freunde überlassen.
Stellvertretend picken wir ein paar Protagonisten aus der doppelten Zunft heraus, die oftmals ein anderes Trikot tragen, da ihr Klub aus der Leichtathletik nicht dem Deutschen Rasenkraftsport- und Tauziehverband (DRTV) angehört. Wie bereits bei früheren Gelegenheiten erwähnt, werden dank eines Kooperationsvertrages mit dem DLV jegliche Rekorde wechselseitig anerkannt.  

Kirsten Münchow nun wieder unter ihrem Mädchennamen am Start

Nicht nur nach dem Motto „Ladies first“ lassen wir dem vermeintlich schwächeren Geschlecht den Vortritt. Eine leibhaftige Bronzemedaillen-Gewinnerin der Olympischen Spiele von 2000 in Sydney gab sich und den zweitägigen Titelkämpfen die Ehre. Diesmal wieder unter ihrem angestammten Mädchennamen Kirsten Münchow (*1977; im Bild). Um sie hatte es diesbezüglich das eine oder andere Verwirrspiel gegeben, da sie zwischenzeitlich unter wechselnden Ehenamen Klose und Hilbig antrat (wir berichteten). Die 43-Jährige vom VfR Evesen entschied gegen übersichtliche Konkurrenz bei den Seniorinnen 2 (40 – 49 Jahre) plus 73 kg Körpergewicht alle Wertungen für sich, warf in ihrer „Schokoladenübung“ 46,86m. Hier hält sie unter der Firmierung Hilbig seit 2017 mit 55,22m den deutschen Rekord in der W40.

Einstiger 21,35-m-Kugelstoßer Thomas Schmitt mit von der Partie

Bei den Männern können wir nicht mit olympischem Edelmetall dienen, aber einem, der im März 2015 für zumindest bundesweit großes Aufsehen sorgte, daran jedoch sportlich zerbrach wie dereinst Weitspringer Bob Beamon bei seinem „Segelflug“ auf 8,90m 1968 in der Höhenluft von Mexico City. Insider werden es bereits ahnen, wer gemeint ist. Ja, Thomas Schmitt (*1989), der damals bei sechs Grad und Nieselregen in Übach-Palenberg seine Bestleistung von19,07m auf märchenhafte 21,35m steigerte und von Lampis angestoßen für ein Rauschen durch den deutschen Blätterwald sorgte (siehe Link). Heutzutage betreibt der aus Kerpen stammende, in Ahaus im Münsterland lebende und tätige studierte Physiker Stoß und Wurf nur noch aus Spaß an der Freud‘, wirft alles weg, was ihm in die Finger kommt. So hat er es selber genannt. Erst am „Tag der Deutschen Einheit“ just in Übach-Palenberg beim „Peter Speckens Gedächtnis Sportfest“ (u.a. 16,02m Kugel und 49,68m Diskus) und jetzt zuletzt in Dissen. Der 167-Kilo-Koloss war im Dreikampf der Senioren 1 über 87kg  sowie mit Gewicht und Stein vorn.

Hermann Albrecht mit dem besten Dreikampf-Resultat

Sei allerdings noch ein wahrer Könner auch dieses Fachs genannt, der vom Körpergewicht (70,8 kg) nicht mal einen halben Schmitt auf die Waage brachte. Senioren-Weltrekordler Hermann Albrecht (*1940/Senioren 6) aus Satteldorf entschied im Dress des VfL Waiblingen die klassenübergreifende, inoffiziöse „All-Star-Wertung“ im Dreikampf (2.714 Punkte) für sich. Der Mann kann’s einfach. Egal, welches Steckenpferd er gerade sattelt.
In seinem Schlepp war Werfer-Urgestein Richard Rzehhak (*1929) als Alleinunterhalter bei den Senioren 7 mit nunmehr 91 Jahren (13.Oktober) der „Stubenälteste“ unter allen Teilnehmern*innen.

Ein Österreicher durfte auch Titel sammeln

Mit Heimo Viertbauer (*1943) aus Salzburg durfte auch ein Österreicher im Trikot des TSV Grafing bei München ganz normal bei den Senioren 5 plus 80kg in den friedlichen Wettstreit um Titel und Medaillen eingreifen. Der „Ösi“ räumte  dreimal ab. Außer bei ihm arg amputiert daherkommenden Steinstoßen, das Kugelstoßer Holger Knie (*1948) von der gastgebenden TSG Dissen vor dem einstigen Disziplin-Giganten Günther Fändrich (*1941) vom TV Heppenheim mit 10,43 zu 10,20m für sich buchte. Mit Günther habe ich als „Fremdgänger“ und siebenmaliger Deutscher Meister für den Leichlinger TV schon so manchen Strauß ausgefochten.
Bereits am kommenden Wochenende sind in Erfurt im Steinstoßen die Deutschen Hallen-Meisterschaften für alle Klassen, also auch der Senioren/innen. Jedenfalls gibt es bei der unübersichtlichen Corona-Gesamtgemengelage bislang keine anderslautenden Meldungen hinsichtlich einer etwaigen Absage.