Mehrkampf-DM: Deutsche Rekorde durch Schilling und Gähling

(Zella-Mehlis/Krefeld, 24. August 2020) „Ladies first“, oder Ehre, wem Ehre gebührt. Und das sind  bei den Deutschen Mehrkampf-Meisterschaften der Ü35-Generation mit dem Anhängsel Gewichtwurf an den letzten drei Tagen in Zella-Mehlis (Thüringen) zwei Vertreterinnen des angeblich schwachen, dafür jedoch schönen Geschlechts. Wenngleich es sich nur um die deutsche Machart des Fünfkampfes handelte (100m flach statt 100 oder 80 m Hürden) wurden von zwei ausgewiesenen Mehrkämpferinnen absolute Weltklasse-Leistungen geboten. Die noch nicht 50-jährige Tatjana Schilling (*05.10.1970) vom TSV Korbach durfte nach national unsinniger Regelung den vier Jahre alten deutschen Rekord (4.114 Punkte) der W50 kurzerhand auf 4.644 Zähler verbessern. Eine Altersetage höher setzte Barbara Gähling (*20.01.1965) als echte 55-jährige noch einen drauf, steigerte die nationale Bestmarke (4.158) der W55 aus 2013 auf 4.745 Punkte. Obwohl das jetzt ein Vergleich von Äpfel mit Birnen ist, liegt das 10 Zähler über dem Weltrekord, bei dem eben auf der gleich langen Sprintdistanz noch die Hürden im Weg stehen.

MK-Elterrunde: Was soll das sein, ihr Strategen von SELTEC?
 
Der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV) kocht nach dem Motto „Am deutschen Wesen soll die Welt genesen“ halt gern mal seine eigenes versalzenes Süppchen. Und sein österreichischer Software-Dienstleister SELTEC tut sein Übriges. In der Gesamtübersicht der Mehrkämpfe Männer und Frauen heißt es unter jeder Altersklasse jeweils „MK-Elterrunde“. Das war mir in 54 Jahren Leichtathletik-Berichterstattung noch nie vorgekommen, muss sich meines Erachtens um einen landsmannschaftlichen Begriff aus der Alpenrepublik handeln. Der Duden bezeichnet jedenfalls unter „Elter“ die Einzahl von Eltern. 

Kontrastprogram am Schlusstag der „Notopfer-DM“ im Gewichtwurf

Kontrastprogramm am gestrigen Schlusstag der „Notopfer-DM“ im Gewichtwurf. Sören Triebel (*1970) vom LAC Erdgas Chemnitz erzielte als Titelträger der M50 mit 19,76m die klassenübergreifend größte Weite. Als „einsamer Wolf“ in der M45 entschied  – wir müssen den Namen jetzt leider nennen, zumal er in der Ergebnisliste verewigt ist – Jörg Morbitzer (*1972) von der LAV Dietzhölztal mit 8,55m zwangsläufig die M45 für sich. Wenn es keinen Medaillenstandard geben sollte, was aus der Ausschreibung nicht hervorgeht, dürfte er sich tatsächlich Deutscher Meister nennen und das auf seinen Briefkopf schreiben. Kaum zu glauben, aber womöglich wahr.
Nicht nur, aber auch gerade das wirft die ganze Fragwürdigkeit dieser angehängten Titelkämpfe auf.