Da war doch schon was: Die Senioren-DM 2009 und im Mehrkampf 1993

Kolumne

Moment mal

(Vaterstetten/Krefeld, 19. August 2020)
Werfen wir noch einen kühnen Blick auf die (theoretischen) Senioren/innen von morgen und übermorgen, so sie denn ein solch langes Durchhaltevermögen haben sollten. Der verbleibende karge Bodensatz wird von Jahr zu Jahr ohnehin geringer. Sei’s drum, ist eh ferne Zukunftsmusik. Jedenfalls halten parallel zur Mehrkampf-DM der Ü35-Generation in Zella-Mehlis auch die sogenannten „Könige/Königinnen der Athleten/innen“ bei den Deutschen Meisterschaften im Zehn- und Siebenkampf vom 21. bis 23. August 2020 in Vaterstetten Hof. Ja, genau, jener relativ beschauliche oberbayerische Ort in der Nähe von München, den der inzwischen abgedankte Allesrenner und Dauerbrenner Guido Müller (*1938) als sprintender Werbebotschafter zu einem gewissen Bekanntheitsgrad verhalf.

Bereits Schauplatz der Senioren-DM 2009 und Mehrkampf-DM 1993

Übrigens war diese Gemeinde auch Schauplatz der Senioren-DM 2009 und eine Etage höher am Sommeranfang 1993 schon besagter nationaler Vielseitigkeitselite von anno dazumal. Jeweils war ich live dabei: 2009 als Titelgewinner im Kugelstoßen der M65 mit 14,33m und 16 Jahre zuvor vom Urlaub aus Latsch in Südtirol kommend als Berichterstatter für die Rheinische Post Krefeld. Aus gutem Grund. Denn für den durch eine noch in der einstigen DDR verabreichten „versauten“ Spritze und lange daran laborierenden Torsten Voss, zugleich mein damaliger Klubkamerad vom FC Bayer 05 Uerdingen, ging es um nicht weniger als das Ticket für die Leichtathletik-Weltmeisterschaften 1993 in Stuttgart. Der seinerzeit 26-jährige Weltmeister von 1987 im Rom und Schützling der im Vorjahr 80-jährig verstorbenen Trainer-Legende Norbert Pixken erkämpfte es für sich als Zweiter hinter Christian Schenk (USC Mainz), 1988 Olympiasieger für die DDR, und damit für mich eine Zwei-Tage-Akkreditierung in der Schwabenmetropole, deren objektives, begeisterungsfähiges Publikum später den Fair-Play-Preis erhalten sollte.

Haarriss im Sprungfuß verhindert WM-Start von Torsten Voss

Die Freude sollte allerdings nicht sonderlich lange anhalten. Dauer-Pechvogel Voss erlitt ziemlich kurz vor der WM einen Haarriss im Sprungfuß und musste sie als aktiver Teilnehmer sausen lassen. Für ihn rückte Michael Kohnle aus Göppingen nach. Ich war trotzdem da, erlebte auf der Pressetribüne neben all dem schmückenden Beiwerk anderer Wettbewerbe den Sieg von Titelverteidiger Dan O’Brien (USA) mit Meisterschaftsrekord von 8.817 Punkten vor Eduard Hämäläinen (8.724) aus Weißrussland sowie den bis zum abschließenden 1.500-m-Lauf spannenden internen deutschen Duell um Bronze zwischen Norbert Meier (8.548) und Christian Schenk (8.500). Sei noch erwähnt, dass der quasi aus dem Urlaub geholte Kohnle sich grandios schlug und als Neunter (8.075) noch vor dem 1999 den Weltrekord auf 8.994 Punkte verbessernden und dabei den Durchbruch der 9.000-Punkte-Schallmauer verschenkenden Tomáš Dvořák (8.032) aus Tschechien einkam. Das gelang dann zwei Jahre danach seinem Landsmann Roman Seberle 2001 beim weltweit berühmtesten Mehrkampf-Meeting im österreichischen Götzis mit 9.026 Punkten.

Verhindertes Zugpferd Niklas Kaul lediglich als Co-Kommentator dabei

Soviel zu ein bisschen Historie von mir als Fan geliebten Zehnkampf, den ich als normaler Zuschauer auch bei der nicht minder sagenumwobenen WM 2009 im Olympiastadion von Berlin zusammen mit meiner seinerzeit 42-jährigen Tochter Vera gesehen habe. Der Zufall wollte es, dass Torsten Voss als Experte von EUROSPORT gemeinsam mit den Reportern Siggi Heinrich und Dirk Thiele im selben Hotel logierte, wir uns bereits beim Einchecken getroffen haben und wie aus einem Munde sagten: „Du auch hier“.
Doch zurück nach Vaterstetten, wo zwangsläufig dermaßen viel Glanz und Glamour nicht zu erwarten ist, obwohl der veranstaltende DLV gerne marktschreierisch Leuchtturmprojekte mit weltweiter Strahlkraft ausruft. Sowieso maß- und schamlos übertrieben, scheitert dies schon allein daran, dass der amtierende (Überraschungs-)Weltmeister und Deutschlands Sportler des Jahres Niklas Kaul (im Bild) vom USC Mainz nicht starten wird, eine Ellenbogen-Operation auskuriert und als Co-Kommentator des ZDF fungiert. Alles Weitere unter diesem Link.