DLV schweigt sich zur Team-DM Senioren beschämt aus

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Kolumne

Das Wort am Sonntag

(Darmstadt/Ludweiler/Krefeld, 14. September 2014)
Zart besaitete Gemüter sowie die verbliebenen letzten drei Sympathisanten (einen haben wir im Ruhrgebiet ausgemacht) des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV) mit Sitz in Darmstadt, Ortsteil Schilda, bitte nicht weiter lesen! Wirklich prima, dass der DLV auf seiner Netzseite aktuell über die DSMM-/DJMM-Finals im westfälischen Lage berichtet. Aber wo, mit Verlaub, bleibt der Beitrag über die vergleichbare Team-DM Senioren, die eine Woche zuvor in Essen über die sportliche Bühne ging. Schlicht unter die Teppiche der vielen Helfershelfer des Bundesausschusses (BA) Senioren gekehrt. Einfach tot geschwiegen. Aus gutem Grund: Denn es hätte in einer schonungslosen und ehrlichen Abrechnung dieser Titelkämpfe jede Menge Selbstkritik, freilich nicht das Ding unserer Dachorganisation, zu den neuen Modi Cup-Wertung, „Telefon“-Joker ziehen, Streichergebnis und Vorabqualifikation auf den Tisch gehört. Doch nur nicht das eigene Nest der eigentlich unfehlbaren „Kuckucke“ beschmutzen. Da lassen wir das faule Ei lieber unberührt. Vielleicht merkt es ja keiner. Schon einmal was von Chronistenpflicht gehört? Die hört nicht bei der lächerlichen Glorifizierung des selten so belanglos gewesenen Medaillenspiegels von der EM in Izmir mit vielen geschenkten Plaketten mangels Teilnehmer auf. Sie ist auch angesagt, wenn es einmal etwas unangenehmer wird.

Neue Machart hausinterne Missgeburt

Gut, also gehen wir noch ein weiteres, zugleich letztes Mal in dieser Sache ans Eingemachte. Zu dem leidigen Thema erreichten uns viele Zuschriften mit einhelligem Tenor, dass es sich bei der Team-DM neuer Machart um eine hausinterne Missgeburt – mit vorheriger Ansage vieler Dritter - handelt. Die können wir natürlich nicht alle veröffentlichen. Doch die nachfolgende – den Sinn wahrend gekürzte – von Kugelstoßer und Diskuswerfer René Schwarz (*1973) vom TV Ludweiler in der Stg Saarmasters 40 kann sich DLV-„Chefdenker“ Frank O. „Napoleon“ Hamm ebenfalls hinter seinen Spiegel stecken. Sofern noch Platz sein sollte.
„N
ach alter Punktwertung wären wir Vizemeister statt Dritter geworden. Was auch noch gegen die neue Wertung spricht ist, dass zum Beispiel beim Hochsprung sich die Athleten schonen können für weitere Disziplinen, wenn sie bereits die möglichen Plätze innehaben. So mussten bei der M40 die Würzburger ,nur’ über 1,70 m, waren danach sicher, dass sie die beiden ersten Plätze belegen. Letztes Jahr sind sie 1,85 und 1,75m gesprungen. Des Weiteren führt das Streichergebnis dazu, dass die ausgeglichen besetzte Mannschaft bestraft wird. Wir hatten als schlechtestes Ergebnis 7,5 Punkte. Unsere Konkurrenten haben alle weniger Punkte durch das Streichergebnis verloren. Eine Mannschaft hatte sogar überhaupt keine Athleten über 3.000 Meter. Dadurch errangen sie gegenüber uns rechnerisch 7,5 Punkte, für die wir alles gegeben haben.

Staffel wurde die Würze entzogen

Nun zur Staffel: Als Erstes hat sie deutlich an Wert verloren. Früher war sie als abschließender Wettbewerb das Salz in der Suppe, so etwas wie die Jokerdisziplin mit doppelten Punkten. Nach dem neuen System kann man sich die Staffel sogar sparen. In unserem Fall war es so, dass wir vor dem Rennen noch die Chance auf den Sieg hatten. Dafür hätten wir gewinnen, Würzburg und Lübeck Vierter sowie Fünfter werden müssen. Dabei wären wir indes auf hundertprozentige Leistungen der Mannschaften von  Rhein-Sieg und der Pfalz angewiesen gewesen. Diese wiederum hatten keine Chance mehr auf eine bessere Platzierung als Vierter und Fünfter. Wir sind sehr froh, dass beide Mannschaften die Staffel gelaufen sind und alles gegeben haben. Aber was wäre gewesen, wenn sie gesagt hätten wir haben eh keine Chance mehr, warum sollen wir uns das noch antun? Damit wäre der Ausgang gar nicht mehr in unserer Hand gewesen, und es hätte sich um Wettbewerbsverfälschung gehandelt. Also alles in Allem: das neue Verfahren ist mehr als fragwürdig.“
Soweit René Schwarz aus dem Saarland, da wo auch die „Mutter der Kompanie“, die BA-Vorsitzende Margit Jungmann (Rehlingen) herkommt. So sie diese Kolumne nicht gelesen hat, sollte der für den Senioren-Drei-Länderkampf nominierte 41-Jährige ihr das mal von Landsmann zu Landsfrau bei einer Tasse Kaffee flüstern.
In diesem Sinne noch einen schönen Sonntag und einer erlebnisreiche neue Woche!