Ein ungebührliches Geschäftsgebaren der EMA nach Gutsherrenart

Kolumne

Moment mal


(Lausanne/Braga/Madeira/Darmstadt/Krefeld, 14. Juni 2020)
Nicht das heutzutage bei den Null-Prozent-Guthabenzinsen der Banken mit dem beharrlichen Aussitzen anderer Leute Geld Profit zu machen wäre. Umso verwunderlicher ist das hinhaltende Geschäftsgebaren von Präsident Kurt Kaschke (im Bild) und dem Präsidium der European Masters Athletics (EMA) mit Sitz in Lausanne/CH. Der 65-jährige Verbandsklassensprecher hatte nach der zunächst beabsichtigten und zuerst von Lampis als rechtswidrig angeprangerten Einbehaltung von 50 Prozent der nicht in Anspruch genommenen Meldegelder für die drei ausgefallenen Europameisterschaften 2020 kleinlaut einlenken müssen. Er sagte am 05.April 2020 in einer offiziellen Verlautbarung auf der Verbandsnetzseite – sinngemäß – zu, dass „alle ihr Startgeld und die nationale Gebühr in voller Höhe zurückerhalten, die ihre Anmeldung nicht aufrecht erhalten wollen“. Später wurde bekannt gemacht, dass die auf Januar 2021 verschoben Hallen-EM ohnehin erneut ausgeschrieben wird.

Mehr als drei Monate auf dem Geld Dritter gesessen

Allein dieser Vorgang (die Absage der Hallen-EM mit 3.150 Gemeldeten europaweit erfolgte bereits am 05.März 2020) ist inzwischen mehr als geschlagene zwei Monate her. Eine Rücküberweisung hat indes bislang nicht stattgefunden. Nunmehr ließ der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV) vorigen Dienstag die zwangsverhinderten deutschen Startwilligen via Rundmail wissen: „
Nachdem uns die EMA zugesagt hatte (nicht hat?, die Redaktion) die vereinnahmten Meldegebühren dem DLV zu überweisen, können wir Ihnen heute die erfreuliche Mitteilung machen, dass wir nun in den nächsten Tagen die von Ihnen für diese Veranstaltung bezahlte Meldegebühr einschließlich der vom DLV erhobenen Organisationsgebühr in voller Höhe an das von Ihnen bei der Anmeldung verwendete Bankkonto erstatten werden.“
Jetzt wird vermutlich erwartet, dass die Zahlungsempfänger in Lauerstellung obendrein in lauten Jubel ausbrechen. Halten wir jedoch fest, dass es sich um ein nicht vom DLV, sondern der EMA zu verantwortendes unsägliches, ungebührliches Geschäftsgebaren der Hinhaltepolitik handelt. Völlig egal ob mit oder ohne Zinsen. Gerade in Zeiten wie diesen der Corona-Krise hätte garantiert Sinnvolleres mit dem Geld angestellt werden können, als es unfreiwillig monatelang bei der EMA zu parken. Da wäre es noch viel weniger angebracht gewesen, nach Gutsherrenart zu agieren.
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