Einmal mehr hat der DLV eine Thematik nicht bis zu Ende gedacht

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Kolumne

Moment mal

(Darmstadt/Krefeld, 07. Juni 2020)
Machen wir noch einen Nachdreher zu unserem gestrigen Beitrag und leuchten die Hirngespinste des ach so innovativen DLV ein wenig näher aus. Dazu sei zum besseren Verständnis der Leitzsatz in seinem Konzeptpamphlet zur Organisation und Durchführung von Leichtathletik-Veranstaltungen vorausgeschickt: „
Die Laufdisziplinen auf der freien Bahn (Läufe ab 1.500 m einschließlich Hindernisläufe) und Staffelwettbewerbe, die das Risiko eines direkten Kontaktes der Athleten hervorrufen könnten, werden derzeit im Wettkampfprogramm nicht berücksichtigt.“ Soweit die Vorgabe.
Das macht auch in Zeiten wie diesen der längst noch nicht ausgestandenen Coronavirus-Apokalypse durchaus Sinn. Der verarmte, am Hungertuch nagende, permanent klamme Verband kann sich – anders als „König“ Fußball – schließlich nicht den Luxus erlauben, alle Meisterschaftsteilnehmer/innen für 120 Euro pro Nase (das darf beim erforderlichen Abstrich sogar wörtlich genommen werden) testen zu lassen. Vizepräsident Dr.Matthias Reick aus Achim bei Bremen wird es als Facharzt der Orthopädie nicht leisten können. Vermutlich auch nicht wollen.

Soll der Zehn- auf einen Neunkampf amputiert werden - oder was?
 
Abgesehen davon gibt es in seiner von ihm so geheißenen, sprachverunglimpfenden „Late Season“ neben den von uns bereits genannten Ungereimtheiten bei näherem Hinsehen eine gravierende weitere Unzulänglichkeit. Wie soll das mit dem von ihm nun für die fix terminierten Deutschen Mehrkampf-Meisterschaften fast aller Klassen vom 21. bis 23. August 2020 in Vaterstetten im Freistaat Bayern zusammengehen? Dürfen wir die (un-)verantwortlich handelnden Personen der „kopflosen“ Dachorganisation um den Chef-, Vor- und Querdenker Frank O.Hamm leise weinend daran erinnern, dass das Zwei-Tage-Werk der Zehnkämpfer üblicherweise mit dem 1.500-m-Lauf endet. Sollen die von den „Königen der Athleten“ etwa in jeweiliger Solodarbietung oder in Abständen von x Sekunden absolviert werden? Das kann dauern! Oder soll der Zehn- auf einen Neunkampf ohne den Marathon der Mehrkämpfer amputiert werden?
Dasselbe Problem würde sich auch bei den zunächst verschobenen und noch nicht neu festgelegten (soll bis 16.Juni entschieden werden) Mehrkampf-DM der Senioren in Zella-Mehlis darstellen. Auch da stehen die 1.500 Meter beim Internationalen Fünfkampf zum krönenden Abschluss auf dem Programm. Und hier reden wir gemessen am Vorjahr an selber Stelle in der Arena „Schöne Aussicht“ im Thüringer Wald von 101 Teilnehmern von M35 bis 90. Da können die dreidreiviertel Bahnrunden schon mal mehr als zehn Minuten in Anspruch nehmen.

Eine (Miss-)Geburt wochenlanger Sandkastenspiele
 
Das sind von der nicht zu handhabenden Organisation allerdings keine schönen Aussichten. Nicht das erste Mal, dass beim DLV eine bestimmte Thematik und Problematik nicht bis zu Ende gedacht worden ist. Und hierbei war es die (Miss-)Geburt von wochenlangen Sandkastenspielen und keineswegs ein Schnellschuss von bei den hauptamtlichen Mitarbeitern (wo Hamm nicht zugehört) hochbezahlten Direktoren.
Au weia, das tut weh!