Sportsch(l)au: Nutzen größer als Kosten durch Sportverletzungen

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(Köln/Krefeld, 11. September 2014) Es kursieren eine Menge Sportirrtümer, die so lange kolportiert und transportiert werden, dass sie irgendwann Mythenstatus erlangen, also für bare Münze genommen werden. Der Sportwissenschaftler Prof. Dr. Ingo Froböse (im Bild) von der Deutschen Sporthochschule Köln, früherer Klasse-Sprinter beim einstmals ruhmreichen ASV Köln, nimmt sich derartiger Vorurteile im WDR2-Hörfunk und ARD-Morgenmagazin unter der Rubrik „Sportsch(l)au“ an. Mit seiner freundlichen Genehmigung werden wir in loser Folge diese Beiträge veröffentlichen, wobei wir aus Platzgründen gelegentlich den Sinn wahrende Kürzungen vornehmen. Das ist nunmehr das 56. Kapitel zu diesem Themenkomplex. A.H.
Sport ist gesund? Von wegen! Das Vergnügen hat seine klare Kehrseite: die Sportverletzungen. In Deutschland ereignen sich jährlich 1,5 bis 2 Millionen Verletzungen im Breitensport. Davon verletzen sich 1,25 Millionen so schwer, dass sie sogar ärztlich versorgt werden müssen. Das sind mehr als fünf Prozent aller Sporttreibenden hier zu Lande. Dabei passieren 53 Prozent (cirka 665.000) der Unfälle beim Vereinssport und 47 Prozent (etwa 585.000) beim selbst organisierten Freizeit- und Fitness-Sport. Die Liste der meisten Verletzungen (ein Drittel) führt natürlich Fußball an, gefolgt von Skifahren und Inlineskaten. Aber auch bei vermeintlich harmlosen Ausdauersportarten wie beim Joggen und Walken kommt es zu Unfällen. Die häufigsten Verletzungen treten im Bereich der Sprunggelenke (27 Prozent), der Kniegelenke (18 Prozent) und am Kopf (13 Prozent) auf. Und dann will noch jemand sagen, Sport wäre gesund? Niemals!
Dennoch wird der gesundheitliche Nutzen von Sport längst nicht mehr in Frage gestellt. Besonders im Bereich der zunehmenden Herz-Kreislauf-Erkrankungen wird immer deutlicher, dass Sport eine wichtige Maßnahme ist, um derartigen Erkrankungen vorzubeugen. Bewegungsmuffel sind erwiesenermaßen viel stärker den so genannten Zivilisationserkrankungen ausgesetzt wie Diabetes Typ II, Adipositas (Fettleibigkeit), Arteriosklerose, Bluthochdruck und einige mehr. Die Risiken solcher Krankheitsbilder lassen sich durch regelmäßige Bewegung erheblich einschränken. Dazu bewirken Bewegung und Sport eine Verbesserung des Wohlbefindens. Sportlich aktive Menschen können, was das biologische Alter angeht, zehn bis 20 Jahre jünger sein als gleichaltrige Stubenhocker.
Fazit: Sport lässt durch seine Unfallbilanz Kosten von etwa 1,65 Milliarden Euro für das Gesundheitssystem entstehen. Das sind jedoch lediglich 0,8 Prozent der Gesamtkosten. Der Anteil der Einsparung durch Vermeidung von Erkrankungen jener über 94 Prozent unfallfreien Sportler ist wesentlich höher zu veranschlagen. Gleichwohl sollte alles erdenklich getan werden, um das Unfallrisiko zu minimieren.