Feinstes Amtsdeutsch hinterlässt die "Klarheit der Unklarheit"

(Düsseldorf/Duisburg/Kaiserau/Krefeld, 12. Mai 2020) Nichts Genaues weiß man nicht. Das dafür allerdings ganz genau. Der für Phoenix Mutterstadt startende Wurf-Allrounder Torsten Lange aus Bonn, ehedem Bundestagsabgeordneter, nennt es die „Klarheit der Unklarheit!“. Allein schon die Formulierungen der Coronaschutzverordnung (CoronaSchVo) in feinstem, unverfälschten Amtsdeutsch hinterlässt in weiten Teilen Ratlosigkeit. Auf den Sport bezogen heißt es in § 9 (1): „Untersagt sind der nicht kontaktfreie Sport- und Trainingsbetrieb sowie jeder Wettkampfbetrieb.“ Wat nu? Das ist von hinten durch die Brust ins Auge und interpretierungsfähig mit ungewissem Ausgang. Gilt das nun im Zusammenhang, also nur Wettkämpfe bei kontaktfreiem Sport, oder ist der jeweilige Halbsatz isoliert zu betrachten? Verstanden?

Kategorisches Wettkampfverbot des LVN womöglich nicht haltbar

Aber nicht zuletzt davon hängt es ab, ob sich der Leichtathletik-Verband Nordrhein (LVN) mit seinem kategorischen Verbot des Wettkampfbetriebs bis zum 31.August 2020 (wir berichteten gestern) nicht ein wenig zu weit aus seinem Fenster in der Duisburger Geschäftsstelle gelegt hat. Die westfälische Schwester in Kaiserau beruft sich hingegen auf die pauschale Verlautbarung der NRW-Landesregierung, dass ab 30.Mai 2020 Wettkämpfe im Kinder-, Jugend- und Amateurbereich zulässig seien (siehe Link). Der FLVW verweist dazu auf die ausufernden vierseitigen Empfehlungen des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV) zu den zehn „Leitplanken“ des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB). Die sind im DLV-Konzeptpapier auf Seite 3 unter Punkt 3
Wiederaufnahme des Sportbetriebs" näher beschrieben. Ein expliziter Zeitpunkt wird logischerweise nicht genannt, da die Politik den Takt vorgibt. Und dann kommen noch die örtlichen Behörden und Betreiber von Sportanlagen ins Spiel. Die Ausführungsbestimmungen erzeugen nur weitere Probleme", drückt es ein Funktionträger stellvertretend für viele treffend aus.
Drehen wir uns also weiter munter im Kreis. Festzuhalten bleibt indes, dass der LVN zunächst (!) einmal in seiner Vorgehensweise autonom und autark zu sein pflegt. Denn er genehmigt letztlich auf Antrag der Vereine die Veranstaltungen in seinem Hoheitsgebiet oder eben nicht. Ob das möglicherweise zivilrechtlich anfechtbar erscheint, so es sich um einen Willkürakt handeln sollte, ist wieder eine andere Sache. Doch wo kein Kläger, da kein Richter.
Hinweis auf einen neuen Beitrag im Fenser Flurfunk.