Hermann Albrecht feiert seinen 80ten unter besonderen Vorzeichen

(Satteldorf/Krefeld, 06. April 2020) Irgendeine eine höhere Macht fügt es, dass an seinem Geburtstag mitunter besondere Begleitumstände vorherrschen. Dieses Mal ist der Rahmen mit der Cornavirus-Krise leider negativ gefasst und lässt eine rauschende Feier im anderenfalls sicherlich großen Gratulanten-Kreis nicht zu. Stattdessen begeht Werfer-Urgestein Hermann Albrecht (*06.04.1940; im Bild) die Vollendung seines 80.Lebensjahres unter „Hausarrest“ schiedlich-friedlich daheim in Satteldorf im Nordosten von Baden-Württemberg mit seiner angetrauten Herzdame Teodora. Das mag im Überlebenskampf mit dieser mistigen, heimtückischen Seuche eine Randnotiz sein. Aber sie wird ihm im ersten Jahr der internationalen Zugehörigkeit zur neuen Altersklasse MRG 80 (RG steht dieser Zeit angemessen für Risikogruppe) auch sportlich so manchen Strich durch die geplante Rechnung machen.

Ein exquisites Osterei zum Geburtstag an Karfreitag 2012

Doch kommen wir zum positiven Gegenentwurf, der zuvor und danach bei ihm seinesgleichen sucht, indes nicht findet. Hermann sollte an Ostern 2012 bei den Hallen- und Winterwurf-Weltmeisterschaften der Ü35-Generation im noch verschneiten mittelfinnischen Jyväskylä, eingerahmt durch seinen Geburtstag an Karfreitag, im scheinbar ungleichen (Wett-)Kampf David gegen Goliath als Ed-Burke-Bezwinger in die Leichtathletik-Geschichte der „ewigen Talente“ eingehen. Der schmückende Beiname „Herminator“ (in Anlehnung an Österreichs Ski-As Hermann Maier und dem Original mit Terminator beim einstigen Mr. Universum Arnold Schwarzenegger, ein gebürtiger Österreicher) war geboren. Verdientermaßen, sei angefügt. Denn der körperlich eher kleine, drahtige und filigrane Wahl-Württemberger, alles andere als der Prototyp eines Werfers, schlug den physisch und von den Meriten her turmhoch überlegenen fortgeschritten US-Boy. Dabei entschied in einem denkwürdigen Hammerwurf-Duell der M70 nahe dem Gefrierpunkt ein winziger Zentimeter mit 51,25 zu 51,24m über Sekt oder Selters. Als Zeit- und Augenzeuge des kugelstoßenden Sportjournalisten bekam ich vom Sekt auch ein wenig ab.

Auch beim Gewichtwurf dem Giganten ein tollen Kampf geliefert

Doch für die jüngere Generation zur Verdeutlichung der Tragweite des unerwarteten, geradezu sensationellen Triumphes des kleinen Mannes mit dem großen Kämpferherzen. Der knapp ältere Edmund Andrew „Ed“ Burke (*04.03.1940; im Bild) startete bei den Olympischen Spielen 1964 in Tokio (Siebter) und 1968 in Mexiko City (Zwölfter). Seine Lebensbestleistung mit dem 7,26 Kilogramm schweren Gerät stellte dieser Dauerbrenner 42-jährig mit 74,36m am 06.August 1982 bei uns zu Lande am Sitz des DLV in Darmstadt auf. Zufälle gibt’s… Und im schon fast betagten Alter von 44 Jahren für einen Hochleistungssportler trat Ed Burke noch unter den Olympischen Ringen bei seinem „Heimspiel“ 1984 in Los Angeles an, überstand allerdings nicht die Qualifikation. Und, nicht zu vergessen, hielt der Amerikaner damals in Finnland mit 59,04m den Weltrekord der M70. Als Gütesiegel hat der übrigens weiterhin Bestand. Noch Fragen? Eine beantworten wir trotzdem: Beim noch mehr Körperlichkeit verlangenden Gewichtwurf unter dem Hallen- beziehungsweise Zeltdach unterlag Hermann dem äußerst sympathischen Giganten bei 19,25 zu 19,48m lediglich um 23 Zentimeter.

Große Vielseitigkeit bis hin zum Hochsprung

Wer zählt die Titel und Medaillen, die der „Herminator“ während seiner langen Laufbahn, national wie international, gewonnen und er an Rekorden aufgestellt hat? Dabei reduziert er sich dank seiner Vielseitigkeit nicht auf Hammer- und Gewichtwurf, ist ein herausragender Wurf-Fünfkämpfer und war sogar in verschiedenen Altersklassen deutscher Senioren-Meister im Hochsprung. Nach einigen gesundheitlichen Problemen (Verletzungen) war er wieder auf einem sehr guten Weg und schon in prächtiger Frühform. Bei seinem schon nationalen Einstand in der M80 anlässlich der DM 2020 in Erfurt steigerte er mit 47,90m auf Anhieb den deutschen Rekord (wir berichteten). Die Verbesserung des Weltrekordes vom Spanier Jose Sanza Agrede von 49,53m wäre höchstwahrscheinlich nur eine Frage der Zeit gewesen, die ihm jedoch vermutlich in dieser Saison aus bekannten Gründen nicht mehr gegeben wird.

Wohl das erfolgreichstes Werfer-Ehepaar Welt

Noch ein kleines bisschen Privates. Seine Teodora und er teilen nicht allein das Wichtigste, nämlich die Liebe zueinander, sondern auch zum Wurf. Es dürfte das wohl erfolgreichste Werfer-Ehepaar auf diesem momentan sehr schnöden Globus sein. Heute werden sie zum Jubelfeste bei Kaffee und Kuchen einsam gemeinsam sein. Trotzdem oder gerade deswegen einen schönen Geburtstag, und auch von dieser Stelle Herzlichen Glückwunsch!