DLV-Präsident Jürgen Kessing erneut als Oberbürgermeister gewählt

Kolumne

Moment mal

(Bietigheim-Bissingen/Darmstadt/Krefeld, 10. März 2020)
Manch einer bekommt den Hals nicht voll, hält sich für unersetzlich oder glaubt sein biologisches Verfallsdatum würde die Alters-/Pensionsgrenze bei Weitem sprengen. Irgendwas davon oder vielleicht sogar in Dreifaltigkeit trifft allem Anschein nach auf den schon vor seiner Wahl als Präsident des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV) wegen einer Alkolfahrt mit 1,1 Promille heftig umstrittenen Jürgen Kessing zu (wir berichteten). Es gab jedoch mangels eines weiteren Kandidaten im November 2017 keine Alternative. In seinem wenig sicht-, hör- und lesbarem Wirken des zuvor schon beschädigten Ehrenamtes hat er sich freilich bei seinen glücklicherweise seltenen Statements, wie es bedeutungsschwanger und staatsmännisch zu heißen pflegt, nicht gerade mit Ruhm bekleckert. Das ist noch nett formuliert.

Lediglich 38,35 Prozent Wahlbeteiligung oder 61,65 v.H. Nichtwähler

Das nur zur besseren Einordnung. Nun nehmen wir aber die Kurve in sein richtiges Berufsleben. Der mittlerweile 62-jährige SPD-Politiker (im Bild) wurde am Sonntag als Oberbürgermeister der 43.000-Seelen-Gemeinde Bietigheim-Bissingen im Kreis Ludwigsburg wiedergewählt, geht damit in seine dritte Amtszeit von prallen acht Jahren. So er sie bei hoffentlich voller körperlicher und geistiger Schaffenskraft zu Ende bringen sollte, wird er Siebzig sein und schon ein paar Jährchen neben seinem Salär im knapp fünfstelligen Bereich monatlich noch Rente oder Pension kassieren.
Besonders überzeugend war das Votum für Kessing indes nicht. Bei einer ziemlich schlappen Wahlbeteiligung von 38,35 Prozent enthielten sich im Umkehrschluss 61,65 v.H. ihrer Stimme, waren ihm ergo schnurzpiepegal. Der kleinere Rest des Stimmvolkes votierte knapp über der Mehrheit mit 55 Prozent für ihn. Im Gesamtkontext nicht gerade der überwältigende Vertrauensbeweis (siehe auch diesen SWR-Beitrag).

Ein solches (Ehren-)Amt ist nicht nebenbei ausfüllbar

Dies alles wird die große Leichtathletik-Familie aller Altersklassen freilich gleichermaßen kalt lassen wie die vielen Wahlverweigerer im beschaulichen Städtchen in Baden-Württemberg. Viel entscheidender ist die Frage, ob er denn sein verantwortungsvolles Ehrenamt für 799.205 Mitglieder (wovon ihm die rund 400.000 Senioren/innen eh wurscht sind) in der gebotenen Weise auszuüben, besser noch: auszufüllen vermag? Das beantworten wir mal in eigener Herrlichkeit aus voller, inbrünstiger Überzeugung mit einem glasklaren nein!

Es gehört ein geschäftsführender Vorsitzender an die Verbandsspitze

Der Herr sollte  mal ernsthaft darüber nachdenken, ob er als Präsident des DLV am richtigen Platz ist, so er über die Rolle des Frühstücksdirektors und Grußonkels hinauskommen möchte. Denn ein Oberbürgermeister hat über die eigentlichen Amtsgeschäfte hinaus dermaßen viele Termine wahrzunehmen, mithin reichlich vor der eigenen Haustüre zu kehren, dass eigentlich keine Zeit mehr für ein engagiert ausgeübtes hohes Ehrenamt bleibt. So muss es wahrhaftig niemanden verwundern, dass in „seinem“ Verband so vieles schief und gar aus dem Ruder läuft.
Insofern wiederholen wir gerne zum x-ten Male, dass an die Spitze einer Dachorganisation dieser Größenordnung mit dem selbst gestellten immens hohen Anspruch ein hauptamtlicher geschäftsführender Vorsitzender gehört. Selbstverständlich neben unerlässlichen betriebswirtschaftlichen Kenntnissen mit dem Anforderungsprofil der entsprechenden Sach- und Fachkenntnis ausgestattet.