Ein für den DLV-Verbandsrat geradezu weiser, salomonischer Beschluss

(Leipzig/Erfurt/Krefeld, 25. Februar 2020)  „Unser Auftrag ist so geheim, wir wissen selber nicht, was wir tun“. Dieser flapsige Spruch könnte für den DLV-Verbandsrat kreiert worden sein, der allzu oft mit unausgegorenen Handlungen und Schnellschüssen aufgefallen ist. Diesmal ist ihm jedoch eine für ihn vergleichsweise durchdachte, geradezu salomonische Entscheidung zu attestieren. Auf seiner letzten Sitzung am vergangenen Freitag in Leipzig hat dieses beschlussfassende Gremium auf Vorschlag des Präsidiums eine Änderung mit sofortiger Wirkung des strittigen, mit einem Gerichtsverfahren anhängigen EU-Ausländer-Startrechts beschlossen. Der § 5 der Deutschen Leichtathletik-Ordnung (DLO) ist um den neuen Absatz 5.2.4 als Sonderbestimmung ergänzt worden: „Athleten der Seniorenklasse gem. §7.1 mit einer ausländischen Staatsbürgerschaft sind an Deutschen Meisterschaften teilnahmeberechtigt, wenn sie ein gültiges Startrecht gemäß §4 ausschließlich für einen deutschen Verein/LG besitzen sowie die WMA Anerkennung (WMA Regelung Nr. 8 WORLD MASTERS ATHLETICS CHAMPIONSHIP RULES) des Startrechtes für die Deutsche Nationalmannschaft der Senioren für Internationale Meisterschaften nachweisen können.“

Neuregelung gilt mit Nachmelderecht bereits für die kommende Senioren-DM

Dies gilt bereits für die Deutschen Senioren-Hallenmeisterschaften mit Winterwurf am nächsten Wochenende in Erfurt. Und zwar mit allen etwaigen Weihen bis hin zum Medaillen- und Titelgewinn. Es wird für die vermutlich wenigen infrage kommenden Athleten/innen noch eine Meldung ohne Nachmeldegebühr zugelassen. Ohne einen Anspruch auf Vollständigkeit erheben zu wollen, fallen mir da auf Anhieb lediglich der Deutsch-Ungar Laszlo Müller (*1956) vom LAC Quelle Fürth und die Ungarin Erika
Mészáros-Fändrich (*1961) vom TV Heppenheim ein (um sie gab es beim selben Anlass 2017 ein Schmierentheater; siehe Link). Und natürlich der den gemeinsam mit seinem Anwalt und Klubkameraden Gerald Kornisch Stein des Anstoßes ins Rollen bringende italienisch-stämmige Sprinter Daniele Biffi (*1972; im Bild) von TopFit Berlin. Der kann jedoch zunächst seinen Triumph aufgrund einer Erkrankung nicht auskosten.

Senioren-Spielecke schweigt den Vorgang bislang tot

Die ursprünglich für Ende Februar in der Sache anberaumte Urteilsverkündung des Amtsgerichts Darmstadt wird es nicht geben, da sich mit der Neuregelung ein großer Teil des Rechtstreits erledigt hat und hinfällig geworden ist. Nicht davon profitiert die weit überwiegende Zahl der Senioren/innen, die ihren Lebensmittelpunkt in Deutschland haben, für einen deutschen Verein an Wettkämpfen teilnehmen, aber für ihr Geburtsland international starten.
Geheime Kommandosache scheint der Vorgang für den Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV) zu sein. Obwohl Eile für den von uns nicht in Gänze bekannten begünstigten Personenkreis geboten ist, erfolgte bislang keine diesbezügliche Meldung in der Senioren-Spielecke auf der Verbandsnetzseite. Klar, es hat schlussendlich den Stallgeruch einer Niederlage. Die passt nun mal nicht in das übliche (unangebrachte) Schön-Wetter-Gebaren von Friede, Freude, Eierkuchen.
Aber es gibt ja Lampis.