Live-Übertragung vom Indoor-Meeting war eine arge Zumutung

Die Fernsehkritik

(Düsseldorf/Krefeld, 05. Februar 2020)
Ein Live-Erlebnis ist durch eine noch so gute Fernseh-Übertragung nun einmal nicht zu ersetzen. Ganz abgesehen vom Fassungsvermögen ist Ersteres aus vielerlei Gründen nicht mal eingefleischten Anhängern beschieden, und die Ersatzlösung gestern Abend auf EUROSPORT vom 15.PSD Bank Indoor Meeting im Arena-Sportpark in Düsseldorf ging für Sehleute vom Fach tendenziell stark in Richtung unzumutbar. Chef-Kommentator Sigi Heinrich und sein Co Markus Röhrig sabbelten im Wechsel in einer Tour. Dazu häufig an den bewegten Bildern vorbei oder darüber hinaus, um möglichst ihr Pseudo-Wissen von irgendwelchen Nebensächlichkeiten an den Mann und die Frau zu bringen. Ferner hat Röhrig immer noch keinen Mikrofon-spezifischen Sprechunterricht genommen, kommt weiterhin und im Verlauf zunehmend mit (s)einer monotonen Sprachmelodie und den Betonungen an der falschen Stelle daher.

Eine besonders prächtige Stilblüte vom Co-Kommentator
 
Darüber hinaus ist er stets für eine besonders prächtige Stilblüte gut. Diesmal verstieg er sich beim 1.500-m-Lauf der Männer zu der Aussage „In der Halle spielt der Gegenwind keine so große Rolle.“ Ach was, wer hätte das gedacht? Wobei ich bislang der offenbar fälschlichen Meinung war, dass er überhaupt nicht von Belang sei. Und was der Siegfried, genannt Sigi, neben so manch anderen Verfehlungen in Bezug auf das Kugelstoßen der Männer vom Stapel ließ, klang hinterher wie der blanke Hohn, dass wir trotz der erst danach begonnenen Übertragung „bei uns nichts verpassen werden“. Die notgedrungene Konserve bestand gerade mal aus je einem Versuch der drei Erstplatzierten (siehe Ergebnisse). Da war sie mal wieder, die in Stein gemeißelte eherne Regel aller Bild-Regisseure dieser Welt „Lauf vor Sprung und Wurf“. Ein zusätzliches Ärgernis die Naselang eingeschobenen Werbeunterbrechungen bisweilen zur Unzeit und in
freilich belangloser Wortabschneidung der Sprecher.

Enttäuscht zur ARD zum DFB-Pokalspiel gewechselt

Obschon bei etwaigen Überschneidungen meine Prämisse Leichtathletik vor allem anderen lautet, bin ich höchstwahrscheinlich mit vielen Leidensgenossen um 20.15 Uhr als leidlicher Fußball-Anhänger zur ARD zum DFB-Pokalspiel Werder Bremen – Borussia Dortmund (beide nicht mein Fall, Dortmund in meiner persönlichen Beliebtheitsrangliste gar auf einem Abstiegsplatz) gewechselt. Das erfreute insofern mein Sportlerherz gleich doppelt, als der kleine David den Riesen Goliath mit 3:2 geschlagen hat.
Also so gesehen wenigstens noch ein versöhnlicher Abend vor dem Pantoffelkino.