EMA-Präsident Kurt Kaschke operiert mit drei Heimatadressen

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Kolumne

Moment mal

(Gütersloh/Freudenstadt/Lissabon/Krefeld, 15. November 2019)
Nehmen wir eine kleine Anleihe bei einem großen schwedischen Möbel-Hersteller von Fertigteilen zum Zusammenbauen daheim: „Wohnst du noch oder lebst du schon?“ Aber wo? Diese Frage stellt sich bei Kurt Kaschke, dem Präsidialherrn des kontinentalen Senioren-Dachverbandes European Masters Athletics (EMA) mit angegebenem Sitz im schweizerischen Lausanne am Genfer See. Der Mann ist nach seinem ausgeprägten Selbstverständnis und –bewusstsein ein Kosmopolit, ein Wanderer, richtiger: Flugreisender, zwischen den Welten.
Solch einer wie er hat natürlich nicht nur eine Heimatadresse wie wir ganz normalen Bundesbürger. Das Impressum der EMA-Netzseite weist ihn mit Wohnsitz in Freudenstadt im Schwarzwald aus, auf dem immer noch selben Internet-Portal des Fensters „About EMA“ hat er sein Domizil angeblich im westfälischen Gütersloh. Beides schön ordentlich mit verschiedenen Straßennamen, aber derselben Festnetz-Telefonnummer, was jedoch allein bei unterschiedlichen Ortsvorwahlen schlechterdings nicht sein kann (das haben wir selbstverständlich jeweils durch Ausdrucke dokumentiert).
Jetzt kommt jedoch spornstreichs die dritte Variante aufs Tablett. Sonnen- und Reisekönig Kurt „Kuddel“ Kaschke erklärte kürzlich in einem in englischer Sprache im estnischen Tallin geführten, auf dem Videokanal YouTube ausgestrahlten Interview: „I’m living in Lissabon“ und anschließend – schon übersetzt – er müsse noch fleißig portugiesisch lernen.

Wo hat er denn nun seinen Lebensmittelpunkt?

Ja, wat nu? Wo lebt oder wohnt er denn nun, der K.K. aus Freudenstadt, Gütersloh und Lissabon? Gut, er muss in Person nicht latent für Doping-Kontrollen zur Verfügung stehen. Da ist er bei seinen gelegentlichen sportlichen Auftritten mit seinen Leistungen ziemlich unverdächtig. Aber in seiner repräsentativen Position sollte er einigermaßen verlässlich für Behörden, Verbände, Vereine, Athleten/innen und nicht zuletzt den Fiskus erreichbar sein. Letztere interessieren sich sehr wohl dafür, wo jemand für die entsprechende Besteuerung seinen dauerhaften oder zumindest überwiegenden Lebensmittelpunkt hat.
Drum merke, ausnahmsweise aus dem Englischen: „Big brother is watching you!“ (Der große Bruder beobachtet dich!). Um möglichen Missverständnissen vorzubeugen: Das sind freilich nicht wir mit unserem
bescheidenen Nischenengagement und bis zu 1.500 Lesern täglich. Darunter können indes durchaus auch Finanzbeamte sein.