Obacht: Ab heute ticken die Uhren wieder um eine Stunde anders

(Krefeld, die Republik und EU, 27. Oktober 2019) Reisen statt Rasen. Entschleunigung jedoch noch mal ganz anders. Wer diese Nacht mit der Deutschen Bundesbahn beispielsweise auf einer Fernreise von Oberstdorf nach List auf Sylt unterwegs war, der blieb um 3 Uhr irgendwo stehen (wobei ich nicht weiß, ob sie wenigstens bis zum nächsten Bahnhof weiterfahren). Da wurden nämlich die Uhren von der Mitteleuropäischen Sommerzeit (MESZ) auf die Winter- oder Normalzeit (!) um eine Stunde zurückgestellt. Und die galt es abzufeiern. Da frage ich mich, was auf einem Flug von meinetwegen New York nach Amsterdam geschieht, wenn der Airbus A380 um drei Uhr in den europäischen Luftraum eindringt? Für 60 Minuten hängenbleiben geht nun einmal nicht. Das soll aber auch nur unterstreichen, was das für ein honigblühender Blödsinn ist, der nach allen Erfahrungen nix gebracht, nur Kosten, bei sensiblen Menschen Krankheiten verursacht (erst recht bei Haus- und Nutztieren) und sonst noch ein heilloses Durcheinander veranstaltet hat.

"Zeitumstellung" sollte ursprünglich ab 2021 Vergangenheit sein

Auf diesen Trichter sind immerhin – man lese und staune – auch die hohen Damen und Herren bei der Europäischen Union (EU) im belgischen Brüssel gekommen. Nach einem Votum von 4,6 Millionen EU-Bürgern haben sich mit überwältigender Mehrheit von 84 Prozent für die Abschaffung der zweimaligen jährlichen „Zeitumstellung“ (die Zeit ist was sie ist, lässt sich nicht umstellen, allenfalls die Uhr) entschieden. Dem sollte mit einer letztmaligen Durchführung im März und Oktober 2020 Rechnung getragen werden. Denkste! Nun verzögert sie sich bis voraussichtlich 2021. Zweifel sind angebracht. Dazu in sinngemäßer Wiedergabe eine konfuse Verlautbarung vom zur EU weggelobten ehemaligen baden-württembergischen Ministerpräsidenten Günther Oettinger (CDU): Er habe seinerzeit den Vorschlag mitgetragen, wäre aber persönlich nicht traurig, wenn es mit der Abschaffung nicht klappt. Geht’s noch?
Was für ein Rumgeeiere. Hanebüchen! Der Mann ist allen Anschein nach weder Fisch noch Fleisch. Wie wär's mit einem Rentenantrag? Das Alter dazu hätte er, ist kürzlich 66 geworden. Über die Politik(er)-Verdrossenheit sollte sich nun wirklich niemand mehr wundern.