"Engel" Malaika Mihambo flog mit 7,30m zur Weitsprung-Goldmedaille

(Doha/Krefeld, 7. Oktober 2019) Engel flieg ist die übersetzte Bedeutung der von einem tansanischen Vater abstammenden und in Heidelberg geborenen schokoladenbraunen, bildhübschen Malaika Mihambo (im nicht sehr vorteilhaften Porträtbild der IAAF) von der LG Kurzpfalz. Und wie sie flog. Mal gleich am gestrigen Schlusstag der Leichtathletik-Weltmeisterschaften in Doha mit einem Riesensatz von 7,30 Meter zum erhofften Titel im Weitsprung. Bereits die zweitplatzierte Ukrainerin Maryna Bekh-Romanchuk hatte einen Rückstand von 38 Zentimetern. Das sind Welten in dieser Disziplin, in der bei hochkarätig besetzten internationalen Konkurrenzen meist Winzigkeiten den Ausschlag zu geben pflegen. Noch ein paar Superlative gefällig? Bitte schön!

Eine mit Superlativen nur so gespickte Bilanz

Die bereits zuvor mit 7,16m die Weltjahresbestenliste anführende 25-Jährige blieb in allen ihren elf Wettbewerben 2019 (die Qualifikation eingeschlossen) ungeschlagen, dabei stand siebenmal eine sieben vor dem Komma in der Ergebnisliste (dazu noch mehrfach innerhalb der Serie), bei einer Weltmeisterschaft sprang lediglich die Siebenkampf-Weltmeisterin Jackie Joyner-Kersee (USA) zuletzt 1991 in Tokio mit 7,32m zwei Zentimeter weiter, Mihambo ist 16 Jahre nach der deutschen Rekordlerin Heike Drechsler (7,48m) mit 7,11m 1993 in Stuttgart erst die zweite Weitsprung-Weltmeisterin im schwarz-rot-goldenen Trikot (Drechsler gewann 1983 bei der ersten WM im finnischen Helsinki den Titel noch für die ehemalige DDR) und sie ist die überlegenster Sieger der WM-Geschichte im Weitsprung der Frauen.

Zwischendurch hing der Erfolg am seidenen Faden
 
Soweit die auf Hochglanz polierte Bilanz der jungen Dame aus Oftersheim im Rhein-Neckar-Kreis. Doch die später am Abend an einem festen Band umgehängte Goldmedaille hing in der Dramaturgie des Wettkampfes zwischenzeitlich am seidenen Faden. Der erste Versuch war zwar vom Abheben bis zur Landung etwa 7,20m weit. Aber da sprang sie bei ihren bekannten Anlaufschwierigkeiten rund 45 Zentimeter vor dem Balken ab, gemessen wurden 6,52m. Beim zweiten Durchgang landete sie ganz in der Nähe der Weltrekord-Markierung von 7,52m. Der war jedoch elf Zentimeter übertreten. Nun waren also ihren Nerven so dick wie Schiffstrosse gefragt, musste es der dritte Versuch richten. Da traf sie endlich richtig das Brett und flog auf jene 7,30m. Pflicht und Kür mit einem Sprung abgehakt. Sei noch angemerkt, dass 6,56m für ein Weiterkommen in die finalen drei weiteren Versuche der bis dahin besten Acht nötig waren, die 6,52m folglich nicht gereicht hätten.

Beim Finale der Top-Acht wurde die Anlaufbahn zum Laufsteg
 
Der Rest war für den Schützling von Trainer Ralf Weber ein Schaulaufen, wurde die Anlaufbahn zum Laufsteg für die neue Weitsprung-Königin aus Baden-Württemberg. Den vierten Versuch ließ sie aus, um sich mental und körperlich zu sammeln. Ungeachtet des unwillkürlich eintretenden Spannungsverlustes legte sie in den beiden letzten Durchgängen noch 7,09 und 7,16 Meter nach. Gigantisch, galaktisch, Tusch, Applaus und Chapeau!!!!!
Und was es sonst noch gab im von ZDF-Experte, Livestream-Kommentator und Ex-Zehnkämpfer Michael Schrader allzu kühn prognostizierten zwei Goldenen zum WM-Kehraus im vermeintlich Goldenen Oktober? Hürdensprinterin Cindy Roleder vom SV Halle schied zunächst als Gesamt-Elfte im ersten von drei Drittelfinals über 100m Hürden als Vierte in 12,86 Sekunden aus. Wenn’s denn ein Trost ist – auch ihre bessere Zeit im Vorlauf (12,76) und ein perfektes Rennen ohne die erste Hürde zu tuschieren hätten wohl nicht für den Finaleinzug gereicht. Dafür waren 12,65 Sekunden nötig.

Titelverteidiger Johannes Vetter muss Bronze wie Blech vorgekommen sein

Die „Seuche“ setzte sich auch bei den zwei übrig gebliebenen von ursprünglich vier deutschen Speerwerfern im Finale fast ungebremst fort. Dabei erwies es sich schon wie bei den Frauen als höchst trügerisch die Top-Weite in der Qualifikation erzielt zu haben. Das war als männliches Pendant Titelverteidiger Johannes Vetter von der LG Offenburg mit 89,35. Daran und seinen überragenden Möglichkeiten orientiert mühte sich der mit drei grottenschlechten, ungültig gemachten Würfen beinahe vergeblich ab, muss ihm die mit 85,37m gewonnene Bronzemedaille wie Blech vorgekommen sein. Den Titel gewann der krasse Außenseiter Anderson Peters von der beschaulichen Karibik-Insel Grenada mit 86,69m vor dem im fünften Versuch verletzt ausgeschiedenen Esten Magnus Kirt (er war mit 88,36m Zweitbester der „Quali“) mit 86,21m. Julian Weber vom USC Mainz blieb als Sechser mit 81,26m ebenfalls deutlich unter seiner Weite von 84,20m aus der Pflicht. – Alles Weitere unter www.iaaf.org.