Ganz unterschiedliche Sichtweisen auf ein und dieselbe Platzierung

(Doha/Krefeld, 02. Oktober 2019) Gemessen am vierten Platz ist knapp daneben halt auch vorbei. Die so genannte Blech- oder Holzmedaille kann allerdings auch ein Erfolg sein. So hat es vollauf berechtigt der 20 Jahre junge Stabhochspringer Bo Kanda Lita Baehre vom TSV Bayer 04 Leverkusen empfunden. Fernab vom Kampf um die Medaillen belegte der Farbenstädter gestern bei den Weltmeisterschaften in Doha mit 5,70m unverhofft den vierten Rang. Noch vor seinem höher gehandelten ehemals weltmeisterlichen Landsmann Raphael Holzdeppe vom LAZ Zweibrücken als Sechstplatzierten, der sich bei derselben Höhe einen Fehlversuch leistete.

Ein schneller Abwurf allein richtet es nicht

Derweil war die Gemütslage von Speerwerferin Christin Hussong (ebenfalls Zweibrücken) nach getanem Handwerk beim kurzen Fernseh-Interview bei Claus Lufen von der ARD eine sichtbar andere. Die Pfälzerin hatte mit einer Medaille, wenn nicht gar dem Titel geliebäugelt, musste sich jedoch nach ordentlicher, aber eben nicht überragender Vorstellung mit 65,21m und just diesem ominösen vierten Platz begnügen, 28 Zentimeter hinter Bronze. Die 25-Jährige hatte nach der Qualifikation (65,29, SBL 66,59m) geäußert, da sei im Finale mehr drin. Ungeachtet der bei ihr höchsten Abwurfgeschwindigkeit knapp jenseits von 90km/h waren ihre Würfe meist zu flach angesetzt, fand sie nicht die Mittel, im Wettbewerb um zu justieren.

Absturz eines Hochsprung-Europameisters

Ein Waterloo erlebte und erlitt Hochsprung-Europameister Mateusz Przybylko vom TSV Bayer 04 Leverkusen. Nach dem Zwischenhoch mit 2,30m beim ISTAF in Berlin, der Stätte seines vorjährigen Triumphes, stürzte der bitter von sich enttäuschte „Sonnyboy“ mit 2,17m als 30. in der Qualifikation ab. Trotz des Trostes einiger Mitstreiter auf der Anlage benötigte er lange, die Fassung wiederzufinden und den Canossa-Gang durch die Mixed-Zone der wartenden Medienschaffenden anzutreten.

Tatjana Pinto zum saisonalen Höhepunkt nicht topfit
  
Bei Sprinterin Tatjana Pinto (LC Paderborn) kommt nicht nur der leise Verdacht auf, dass sie sich zum saisonalen Höhepunkt in den Keller trainiert hat. Der Münsteranerin fehlt neben der Wettkampf- und Tempohärte obendrein die nötige Lockerheit. Ohne von ihr Unmögliches erwarten zu wollen, war ihr Auftritt in den Drittelfinals über 200 Meter als Gesamt-Achtzehnte in 23,11 Sekunden (Vorlauf 22,63) indiskutabel. Prima hingegen, was Lisa-Marie Kwayie im Rahmen ihrer Möglichkeiten ablieferte. Die Berlinerin unterbot in  22,83 (13.) abermals ihre bis vorgestern alte Bestzeit (22,88, im VL 22,77). Als Positiv kann auch die Darbietung von Carolina Krafzik vom VfL Sindelfingen verbucht werden. Die Umsteigerin vom Hürdensprint qualifizierte sich in 55,93 sec. (19.) für das Drittelfinale über 400m Hürden.
Heute, ab 15.05 Uhr live im ZDF, mit teilweiser aussichtsreicher deutscher Beteiligung auf der Agenda der erste Tag des Zehnkampfes (mit Niklas Kaul, Kai Kazmirek, Tim Nowak), Kugelstoßen der Frauen (mit Christina Schwanitz, Alina Kenzel, Sara Gambetta) und Diskuswurf der Frauen (mit Nadine Müller, Kristin Pudenz, Claudia Vita).
Weitere Ergebnisse: Männer, 3.000m Hindernis (insgesamt 46 Teilnehmer): 24. Martin Grau (LAC Erfurt) 8:26,79 Minuten (Saisonbestzeit), 31. Karl Bebendorf (SC Dresden) 8:32,58.
Frauen, 200m-Drittelfinals: 21. Jessica-Bianca Wessolly (MTG Mannheim) 23,37. – Alle Resultate und noch viel mehr unter www.iaaf.org.