Geherin Saskia Feige erreichte gestern beste deutsche WM-Platzierung

(Doha/Krefeld, 30. September 2019) Übersichtlich – inklusive der gähnend leeren Ränge – ging es gestern bei den Weltmeisterschaften in Doha im Wüstenstaat Katar zu. Reduziert auf eine Abendveranstaltung gab es in Summe lediglich acht Wettbewerbe. Die mit deutscher Beteiligung wurde dann noch mal halbiert. Für einen halbwegs zählbaren Ertrag unter der ehedem gültigen DLV-Prämisse Endkampf-/Endlaufchance muss schon eine Anleihe beim Gehen genommen werden. Saskia Feige vom SC Potsdam belegte unter 45 Starterinnen, von denen 39 das Ziel erreichten, in 1:37,14 Stunden über 20 Kilometer einen beachtlichen elften Platz. Der Rest war weitestgehend Asche. Salopp formuliert.

Einen Versuch über 4,70m quasi hergeschenkt

Einmal Stabhochspringerin Lisa Ryzih ausgenommen, der bei einer Saisonbestleistung von 4,60m im mit 17 Teilnehmerinnen überbordenden Finalfeld eine brutale Steigerung der vorgegebenen Anfangshöhe von 4,50 auf 4,70m abverlangt wurde. Was blieb, war die Rote Laterne mit jenen 4,50m. Allerdings sollte die 31-Jährige ihr Vorbereitungsritual mit fahrigem, nervösem Herumfingern am Stabende mal überdenken. Dadurch hat sie bei der Zeitregel von 60 Sekunden quasi einen Versuch über 4,70m hergeschenkt. Noch ein bisschen Anschauungsunterricht, dass es meist andere sind, die über sich hinauswachsen. Und das obendrein mit einer irren Vorgeschichte.
Bei der Schwedin Angelica Bengtsson zerbarst beim dritten Versuch über 4,80m der Stab im unteren Bereich bei etwa einen Meter. Sie selber landete höchst unsanft im Einstichkasten, dass schon Schlimmeres befürchtet werden musste. Doch sie rappelte sich auf und suchte nach kurzer Diskussion mit dem Hauptkampfrichter in ihrem Reservoir einigermaßen verzweifelt, indes erfolglos nach geeignetem Ersatz. Die Französin Ninon Guillon-Romarin half schließlich mit ihrem Handwerkszeug aus. Und siehe da: Dieses hell strahlende, mit Adrenalin vollgepumpte Nordlicht überquerte mit geliehenem Stab die neue Landesrekordhöhe von 4,80 Meter. Da staunt der Laie, und selbst der Fachmann wundert sich.  

Allzu kühner Traum jäh geplatzt

Es war ein allzu kühner Traum, dass sich eine deutsche Sprinterin gegen die dunkelhäutige Women-Power einen Platz im 100-m-Finale ergattern könnte. Das blieb einem waschechten Meisje vorbehalten, dazu weißer Hautfarbe. Dafne Schippers aus den Niederlanden trat jedoch als zeitschnellste Dritte (11,07) aus den drei Drittelfinals (sie nennen Halbfinals) zum kürzesten Spektakel in der Leichtathletik wegen einer leichten Leistenzerrung mit Rücksicht auf die 200 Meter nicht an.
Ohne die Messlatte genauso hoch zu legen wie etliche Fantasten, war die Darbietung des deutschen Duos dennoch eine herbe Enttäuschung. Mit einer grottenschlechten Reaktionszeit, der miserabelsten überhaupt, von 0,209 Sekunden (Schippers 0,119) wurde Gina Lückenkemper (SBL 11,14) vom SCC Berlin in 11,30 sec. Letzte des ersten Drittelfinals. Wovon hat sie bloß geträumt? Dieser Mensch gewordene Sonnenschein beschäftigt sich womöglich mit zu vielen Nebenschauplätzen. Immerhin ist sie nie um eine Ausrede verlegen.

Die nach den Vorleistungen höher eingeschätzte Tatjana Pinto (SBL 11,09) vom LC Paderborn machte es per Saldo nur unwesentlich besser. Sie wurde im dritten Lauf Fünfte in 11,29 Sekunden. Für beide ein ziemlicher Rucksack für die Sprintstaffel, wobei Pinto vorher noch die 200 Meter läuft.

Martin Wierig heute im Diskuswurf-Finale

Auf dieser Strecke musste der nachnominierte deutsche Meister Steven Müller (SBL 20,42) von der LG Friedberg-Fauerbach reichlich Lehrgeld zahlen. Der 29-jährige Hesse wurde in der Gesamtwertung aller sieben Vorläufe (52 Teilnehmer) 34. in 20,69 Sekunden.
Heute ab 15.30 Uhr (das ZDF überträgt live ab 16.05 Uhr) wird auch wieder geworfen. Mit deutscher Beteiligung in der Qualifikation im Speerwurf der Frauen (Christin Hussong, Annika Marie Fuchs) und im Finale des Diskuswurfs der Männer (Martin Wierig). – Ganz viel mehr Details unter www.iaaf.org.