Eine höchst ernüchternde deutsche Bilanz zum WM-Auftakt

(Doha/Krefeld, 28. September 2019) „DLV-Team startet optimal vorbereitet in die WM in Doha“, titelte vor zwei Tagen die Schön-Wetter-Netzseite des Verbandes. Da sind nach dem höchst ernüchternden, teilweise an einen Offenbarungseid grenzenden gestrigen Auftakt erheblich Zweifel angebracht. Die Ausfallquote der vier Männer im schwarz-rot-goldenen Trikot beträgt 75 Prozent. Es wird niemanden mehr ärgern, als sie selber. Wobei es beileibe nicht darum geht, hier irgendwelche Wunderdinge zu erwarten. Doch an ihren Saisonbestleistungen und ihrem eigenen Erwartungshorizont müssen sie sich schon messen lassen. Der Vierte im Bunde war als Glücksritter unterwegs. Obwohl Langhürdler Luke Campell (SBL 49,24 sec.) nur insgesamt 23. von 39 war, zog er mit 50,20 als Vierter des zweiten Vorlaufes über 400m Hürden in die nächste Runde ein.
Für Constantin Preis (SBL 49,23) kam in derselben Disziplin nach 50,93 (31. von 39) das Aus. Absolut unterirdisch der vorher sehr selbstbewusst auftretende Langstreckler Richard Ringer (SBL 13:14,43) mit indiskutablen 13:49,20 min. über 5.000 Meter (30. von 35). Seinem eingebürgerten Neu-Landsmann Sam Parsons (SBL 13:22,32) darf wenigstens bescheinigt werden, gekämpft und alles versucht zu haben. Im Endklassement beider Vorläufe sprang in 13:38,53 min. der 24. Rang heraus. Mehr an die Adresse von Ringer und zur Information unserer Leser: Für ein Weiterkommen waren 13:25,95 nötig.

Drei „Rohrkrepierer“…
        
Das Sextett der Damen brachte die Hälfte durch. Besonders erfreulich, dass sich die dafür nicht zwingend auf der Rechnung stehende 800-m-Läuferin Katharina Trost von der LG Stadtwerke München als Zweite ihres Vorlaufes in 2:01,45 min. direkt für das Halbfinale qualifizierte. Enttäuschend ihre höher eingeschätzte Klubkameradin Christina Hering als Vorlaufvierte und insgesamt 19. In 2:03,15 bei einer Saisonbestzeit von 1:59,48 Minuten. Restlos überfordert waren die nachnominierten Springerinnen. Katharina Bauer fabrizierte im Stabhochsprung über die Anfangshöhe von 4,20m einen so genannten „Salto nullo“ (drei ungültige Versuche), Hochspringerin Christina Honsel (SBL 1,92m) schied mit 1,80m sang- und klanglos als 27. von 29 Teilnehmerinnen aus. Mit den und noch folgenden „Touristen-Tickets“ haben die unfähigen Macher des Verbandes ihren Schutzbefohlenen nun wahrlich keinen Gefallen getan. Rein sportlich betrachtet.

…und drei „Lady-Kracher“

Das Attribut „optimal vorbereit" verdienten sich hingegen die beiden anderen deutschen Disziplin-Vertreterinnen Imke Onnen (1,94m) und an ihrem Geburtstag Lisa Ryzih (4,60m), die jeweils ihre Jahresbestleistungen egalisierten und ins Finale einzogen. Und natürlich Hindernisläuferin Gesa Felicitas Krause als Dritte ihres Vorlaufes und auch insgesamt Drittschnellste über 3.000 m Hindernis in 9:18,82 Minuten. Da hätte es auch nichts ausgemacht, dass sie bei ein bisschen zu viel Tempo rausnehmen und neuerlichem Antreten relativ kurz vor dem Ziel noch von der bis zuletzt kämpfenden, Landesrekord laufenden Dänin Anna Emilie Moller (9:18,92) eingefangen worden wäre.
Unter dem Strich sehen wir unsere Befürchtung in der Kolumne sehr frühzeitig bestätigt. Keineswegs mit Häme und Schadenfreude mit Sicht auf die mehr oder weniger kläglich Gescheiterten. Die eigentlichen Versager haben wir zumindest pauschal schon genannt. Doch wie stets zuvor werden wohl auch diesmal keine Konsequenzen daraus gezogen. Da wird lustig weitergewurschtelt und andere Leute Geld verplempert.
Alle weiteren Details mit interessanten zusätzlichen Informationen auf der Netzseite des Weltverbandes IAAF unter diesem Link.