DLV nominierte einen pfauenartig aufgeplusterten Kader zur WM

Kommentar

Nebenbei bemerkt

(Doha/Krefeld, 27. September) Alles wie gehabt. Der DLV entsendet einmal mehr einen pfauenartig aufgeplusterten Kader zu internationalen Titelkämpfen. Für die heute in Doha im Wüsten-Emirat Katar beginnenden Leichtathletik-Weltmeisterschaften der Männer/Frauen sind es 71 Nominierte. Das einst ausgerufene Prinzip der Endlauf-/Endkampf-Chance wurde längst großzügig über Bord geworfen, die als Teilnehmer/innen akkreditierten deutschen Sporttouristen werden sich beim Verlassen und Betreten der Nobelherberge die Klinke in die Hand geben. Aber das wollen wir jetzt nicht alles nach Art des Rindvieches wiederkäuen. Dazu haben wir in unserer verlinkten Kolumne „Zwei Topleistungen haben beim DLV die Sicht auf die Realität verstellt“ nach der DM in Berlin ausführlich und hinlänglich Stellung genommen.

Wendehals-Entscheidung bei Diskuswerfer Christoph Harting

Doch die schlimmste Personalie muss dann schon noch beim Namen genannt werden und ruft allgemeines Kopfschütteln hervor. Der als sportlich Gescheiterter und verbal mal wieder entgleisende Diskuswurf-Olympiasieger Christoph Harting vom SCC Berlin wurde vom Verband folgerichtig (zunächst) nicht für die WM berufen (siehe Link). Aber die rückratlosen Verantwortlichen um den mit hochtrabender Bezeichnung versehenen  DLV-Generaldirektor Sport Cheik-Idriss Gonschinska knickten ein und nominierten den 29-jährigen tomatenblonden Berliner als 17. der Weltrangliste nach. Es ist nicht geboten, einem Athleten etwas Schlechtes zu wünschen. Selbst wenn er mittlerweile hausgemacht zur Karrikatur verkommen ist. Doch dem Verband müsste diese Wendehals-Entscheidung gehörig auf die Füße fallen. Davon wird es freilich – jede Wette! – noch mehr als genug geben.

DLV-Präsident Jürgen Kessing grandios gescheitert

Eine Niederlage gab es bereits vor den Wettbewerben beim IAAF-Kongress in Doha. Der in der Außenwahrnehmung kaum stattfindende blasse DLV-Präsident Jürgen Kessing (im Bild) aus Bietigheim-Bissingen ist grandios gescheitert, in das höchste Gremium (Council) des Weltverbandes gewählt zu werden. Die erhaltenen Stimmen ermutigen ihn jedoch, es in vier Jahren erneut zu versuchen. Das darf als „Drohung“ verstanden werden, dass er zuvor in 2021 wieder für den Vorsitz der nationalen Dachorganisation kandidiert. Wenigstens mangelnder Optimismus ist dem 62-jährigen Württemberger nicht vorzuwerfen.

IAAF benennt sich in World Athletics um

Nach der WM wird sich die IAAF von dem vollständigen Wortungetüm „International Association of Athletics Federations“ verabschieden und in „World Athletics“ umbenennen. Als Vollwaschgang wird dies allein nicht reichen, nach einer düsteren Vergangenheit und Gegenwart in eine bessere Zukunft durchzustarten. Erst vorigen Sonntag hob die ZDF-Sportreportage einen – schon lange vermuteten – Doping-Sumpf in Kenia aus. Und, so bedauerlich das sein mag, wird auch bei diesen Weltmeisterschaften der Generalverdacht leider stets mit laufen, springen und werfen. Wobei die schwarzen Schafe keineswegs nur in Russland und Ostafrika grasen. So steht beispielsweise der momentan weltweit schnellste Mann zu Fuß, der US-Amerikaner Christian Coleman, nach „Missed Tests“ (drei verpasste Kontrollen) unter massivem Doping-Verdacht.

ARD und ZDF übertragen live im täglichen Wechsel

Ein Publikumsmagnet verspricht diese in vielerlei Beziehung höchst umstrittene nachsaisonale WM nicht zu werden. Bei dem 50.000 Zuschauer fassenden klimatisierten Stadion wurden vorsorglich schon einmal etliche Ränge mit Planen abgedeckt. Der Katari an sich geht lieber zum Kamel-Rennen und zur Formel 1. Für uns daheimgebliebenen Interessierten an der einstigen olympischen Kernsportart berichten im täglichen Wechsel die Öffentlich-Rechtlichen von ARD (heute ab 16.10 Uhr) und ZDF. Da gibt es traditionsgemäß ordentlich was auf die Augen und Ohren. Diesmal versprechen sie uns, dass wir, je nach Neigung, die Wettbewerbe in Live-Streams im Internet auswählen dürfen, statt im Weltbild die fünfte Zeitlupen-Wiederholung beim Tribünensprint im sechsten 800-m-Vorlauf ertragen zu müssen.
Nehmen wir sie beim Wort und machen sie daran fest!