Diese Katastrohpen-EM erlebte nunmehr einen noch größeren Eklat

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Kolumne

Moment mal

(Eraclea/Krefeld, 13. September 2019) Ein Blick aufs Datum verrät uns, dass heute der 13.September ist. Ein Freitag dazu. Das ist nix für zart besaitete, häufig gerade unter Sportlern anzutreffende abergläubische Gemüter. Bei dieser Katastrophen-EM der Pleiten, Pech, richtiger: Unvermögen (wobei der Fisch stets zuerst vom Kopf stinkt; siehe letzter Absatz), und Pannen an drei versprengten Orten an der norditalienischen Adriaküste haben sie den um zwei Tage vorgezogen. Ein Vergleich mit „Nine Eleven“ verbietet sich. Aber ein Super-GAU (Größter angenommener Unfall) war es allemal. Ein Eklat, eine Blamage und Schande sondergleichen, was sich da beim 10-Kilometer-Straßengehen in Eraclea zugetragen hat.

Vermeintlich sind drei neue Weltrekorde aufgestellt worden

Gleich – vermeintlich
drei neue Weltrekorde wurden bei den Senioren M55, 60 und 70 aufgestellt. Obendrein nationale Bestmarken und persönliche Bestleistungen en masse. Alle miteinander haben sie sich zunächst ein Loch in den Bauch gefreut. Doch April, April elf Tage vor Herbstanfang. Spätestens bei der um glatt vier Minuten verbesserten neuen Fabel-Weltrekordzeit von 49:32 Minuten (zuvor 53:32) durch den Briten Ian Richards (*1948) kam der leise Verdacht auf, dass es der Strecke wohl an der vor- und ausgeschriebenen Länge gefehlt haben könnte. In der später bereinigten Ergebnisliste wandelten sie 10km Road Race Walk kurzerhand in Short (steht für kurz) statt 10km um. Genial einfach, einfach genial. So wird Dilettantismus zu kaschieren versucht. Eine perfide Manipulation!

Ein schmucker Senioren-Rabatt von neun Prozent

Nach uns vorliegenden Insider-Informationen war sie nicht um einen, zehn sondern satte 900 Meter abgespeckt. Das sind neun Prozent. Klingt niedlicher, als es ist. Geradeso, als würden im klassischen Sprint nur 91 Meter gerannt, sich beim Einmessen im Hoch- und Stabhochsprung von zwei und vier Metern mal eben um 18 respektive 36 Zentimeter vertan. Oder im Kugelstoßen fänden die männlichen Aktiven zwischen 270 und 653 Gramm leichtere Veranstalter-Geräte vor. Da ließen sich alles in Allem trefflich Rekorde laufen, springen und stoßen. Werfen natürlich auch, wenn wir das noch ausdehnen würden. Obwohl dem im konkreten Falle nichts Humorvolles abzugewinnen ist, sprach ein uns bekannter, namentlich jedoch nicht genannter hochrangiger Amtsinhaber scherzhaft-sarkastisch von einem „Senioren-Rabatt“.

Daumenpeilung statt amtliches Vermessungsprotokoll und -zertifikat

Es bleibt festzuhalten, dass eine im Wettkampf angebotene Strecke
in freier Wildbahn" penibel genau, möglichst von amtlich-behördlicher Stelle, zu vermessen ist (mit modernen Mitteln kein Hexenwerk), davon ein Protokoll gefertigt und ein Zertifikat erstellt werden muss. Wer hat da bei den x-mal durchgeführten schicken Dienstreisen in Präsidiumsstärke auf Kosten des kontinentalen Dachverbandes European Masters Athletics (EMA) bei den Ortsbesichtigungen, technischen Besprechungen und Abnahmen eigentlich alles selig und süß durchgeschlafen? Hier kann es sich jedenfalls lediglich um eine grobe Daumenpeilung gehandelt haben, die beim opulenten Essen in fröhlicher Weinseligkeit für gut befunden worden ist. Dass womöglich auch Damen vom horizontalen Gewerbe anwesend waren, die den Blick getrübt haben könnten, wollen wir nicht böswillig unterstellen.

Verniedlichende Aussage von nicht rekordfähigen Zeiten
 
Wie auf einer anderen, nicht ernst zu nehmenden Senioren-Netzseite (der Betreiber hat auch bei der EMA als Kommunikationsbeauftragter seine unseligen Tastaturfinger im Spiel) geschehen, ist es lapidar damit abgetan worden, dass die Zeiten nicht rekordfähig seien (ach was?). So simpel ist die Chose mitnichten. Den hoch überlegenen, mit 2:22 Minuten bereits auf den Zweitplatzierten einkommenden Briten in der M70 mal ausgenommen, sind die Ausgänge durchweg irregulär. Wer sagt denn, dass bei der Gestaltung ihres Wettbewerbes nicht einige auf den letzten 900 Metern noch die letzten Kräfte mobilisieren oder umgekehrt überproportional abbauen?

Zweite große Verfehlung nach Schmierenkomödie im Sprint der M60

Und über all dem schwebt, dass der Umstand als solcher ein haarsträubendes, durch nichts zu entschuldigendes Armutszeugnis in höchster Potenz darstellt. Die zweite ganz große Verfehlung nach dieser Schmierenkomödie um den US-Sprinter Val Barnwell und die „nonchalante“ Ausbootung des Deutsch-Ungarn Laszlo Müller (wir berichteten). Dem leuchtenden Beispiel der abgeschmetterten WM-Bewerbung der World Masters Athletics (WMA) folgend, hätte die Europameisterschaft nie und nimmer in den Großraum Venetien vergeben werden dürfen. Bei aller von dritter Seite attestierten Fantasiebegabung fällt mir gerade keine Steigerung von Super-GAU ein.

Wann nimmt „Kuddel-Muddel“-Präsident Kaschke endlich seinen Hut?

Doch noch das:Wann nimmt der in letzter Konsequenz für das schon zuvor ausufernde Missmanagement, dass sich allein bei dieser EM längst nicht in diesen beiden Punkten erschöpft, in letzter Konsequenz verantwortliche EMA-Präsident Kurt Horst „Kuddel-Muddel“ Kaschke (*1955; im Bild) endlich seinen Hut und verabschiedet sich in den Funktionärsruhestand? Es ist schon weit mehr als überfällig.