Prahlen mit Zahlen: Präsident Kaschke hübschte die Meldezahlen auf

Kolumne

Das Wort am Sonntag

(
Jesolo, Eraclea, Caorle/Krefeld, 25. August 2015) Prahlen mit Zahlen. Das allseits beliebte Monopoly für Lokale Organisationskomitees (LOC) und der veranstaltenden Verbände bei internationalen Senioren-Meisterschaften. Die definieren sich über Masse statt Klasse. Es muss vor allem in der Kasse klingeln und zu allererst der Kommerz stimmen. Ein Eiertanz. Und dabei überbietet gerne jeder den anderen und sich die kontinentale Ü35-Dachorganisation European Masters Athletics (EMA) möglichst noch selber. Koste es was es wolle. Mit den Tatsachen wird es dann nicht immer so genau genommen. Aber ist der Ruf erst runiniert, lebt’s sich völlig ungeniert. Der in der Vergangenheit mehrmals durch seine Mauscheleien und Tricksereien aufgefallene, seither höchst umstrittene EMA-Präsident Kurt Kaschke (im Bild) aus Gütersloh in Westfalen zieht in Zusammenhang mit den 21.Senioren-Europameisterschaften an den drei oben genannten Orten an der norditalienischen Adriaküste (schon der Arbeitstitel Venedig ist/war Etikettenschwindel; immerhin das räumt er inzwischen nach missionarischer Dauerberieselung von LAMPIS ein) vom 05. bis 15.September eine weitere Lügengeschichte aus dem Ärmel.

Ein stark aufgehübschter neuer Melderekord

Er verkündete vermutlich mit stolz geschwellter Brust auf der Verbandsnetzseite mit 5.039 Startwilligen einen neuen Melderekord, Davon kämen 4.926 aus 43 europäischen Nationen und 113 Gaststarter aus 18 Ländern anderer Kontinente. Europa ist Kaschke einfach zu klein. Er hatte vor Jahren diese Lex specialis sehr zum Unwillen vieler “einheimischer” Athleten/innen eingeführt, da ihnen die “Außerirdischen" zwar keine Medaille, aber die Schau stehlen könn(t)en. Irgendwo hat die Globalisierung ihre Grenzen. Bei der vorjährigen EM der Männer/Frauen in Berlin ist ja auch nicht die US-amerikanische Nationalmannschaft zur Aufwertung der Wettkämpfe eingeladen worden.
Doch zurück zu den völlig ohne Not aufgehübschten Zahlen des westfälischen Lügenbarons. Nach einer mir/uns vorliegenden offiziellen und demzufolge authentischen Meldeliste nach Athleten und Nationen des eingesetzten Software-Dienstleisters Fidalservizi vom 21.August 2019, 11:52 Uhr, stellt sich die Gesamtstatistik wie folgt dar: 4.457 Gemeldete aus 43 europäischen Nationen und 35 aus 14 Ländern von Algerien (11) bis USA (7). Mit der Großmannssucht des Präsidialherrn Kaschke handelte man sich dem Vernehmen nach noch so ganz beiläufig zwei überführte einstige Dopingsünder aus den Vereinigten Staaten ein. Grandioser Schachzug. Die Geister die er rief, wird er nun nicht mehr los.

Diese fromme Lüge war vollkommen überflüssig

Bleiben wir jedoch in Europa und nähren uns redlich. Diese fromme Lüge wäre gar nicht nötig gewesen. Denn jene bereinigten 4.457 Gemeldeten reichen vollauf für einen neuen Melderekord. Den hielt bislang mit 4.385 die EM 2002 in Potsdam. Obendrein ist es ausgesprochen töricht mit aufgehübschten Werten zu operieren, wenn die schon erwähnte Liste irgendwann auf der LOC-Seite für jeden einsehbar ohnehin im Netz erscheint. Dazu vorab schon ein paar Details: Das Gastgeberland stellt, wie könnte es auch anders sein, mit 1.330 (976 M, 354 W) die meisten potenziellen Teilnehmer und mutiert damit vermeintlich zur europäischen Großmacht bei den Talenten von gestern und vorgestern.
Das ist natürlich ein veritabler Trugschluss. Die Realität wird indes so aussehen, dass sie den dicksten Batzen an Sporttouristen an die verschiedenen Abläufe und Orte dieser dezentralsten Meisterschaften der Historiie bringen werden. Davon sind alle anderen allerdings in der normenfreien Komfortzone dieser Titelkämpfe nicht ausgenommen. Die Germanen eingeschlossen, die mit 533 (347/186) vor Großbritannien & Nordirland 436 (287/149), Spanien 337 (223/114) und Frankreich 331 (230/101) das weit abgeschlagen nächstgrößte Kontingent aufbieten. Noch von Interesse sicherlich die alpenlänischen deutschen Nachbarn Österreich mit 113 (78/35) und Schweiz mit 50 (39/11) sowie tief im Westen die Niederlande mit 80 (54/26).

Es würde interessantere Werte als Werbebotschaft geben

Doch machen wir über diese handelsübliche Zahlenmania hinaus einen konstruktiven Vorschlag, wie eine Europameisterschaft im Vorfeld in das rechte Licht gestellt werden könnte. Nämlich die Namen der voraussichtlich an den Start gehenden Titelverteidiger, Europa- und Meeting-Rekordhalter zu nennen. Das ließe einen verlässlichen Rückschluss auf die Qualität der Titelkämpfe zu. Klar, ein geradezu tollkühner Wunsch, der bis zum Sankt Nimmerleinstag auf die Erfüllung dahin darben wird.
Nichtsdestotrotz oder gerade deswegen in diesem Sinne einen schönen Sonntag und eine entspannte oder für die Werktätigen schaffensreiche 35. Kalenderwoche!