Sippenhaftung für russische Masters ist eine schreiende Ungerechtigkeit

Kolumne

Das Wort am Sonntag

(Turin/Monte Carlo/Krefeld, 28. Juli 2019) Machen wir uns alle miteinander nix vor: Es ist eine schreiende Ungerechtigkeit, die russischen Senioren-Leichtathleten für das flächendeckende Staatsdoping in Putin-Land in Sippenhaftung zu nehmen und bei internationalen Meisterschaften nicht starten zu lassen. Hinzu kommt, dass ihnen auch der Umweg versperrt bleibt, unter neutraler Flagge anzutreten. Denn sie gehören keinem offiziellen Anti-Doping-Kontrollsystem an, um den Beweis antreten zu können, „sauber“ zu sein. Da hätte schon längst in Absprache mit dem übergeordneten Leichtathletik-Weltverband IAAF mit Sitz in Monte Carlo für diesen Personenkreis eine „Lex specialis“, also eine Ausnahmeregelung, getroffen werden müssen.

Lediglich Lippenbekenntnisse von WMA-Präsidentin Margit Jungmann

So hat es auch schon vor Wochen und Monaten Margit Jungmann (im Bild) aus Rehlingen im Saarland als Präsidentin des Senioren-Dachverbandes World Masters Athletics (WMA) versprochen. Mittlerweile ist bekannt, dass es bei Lippenbekenntnissen geblieben ist (abgesehen davon, dass der europäische Präsidialherr Kurt Kaschke wenig Format hat, sind ihm hier tatsächlich die Hände gebunden). Folglich wird es auch bei der Senioren-EM im September 2019, wie erstrebenswert eine mit vielen Risiken und Nebenwirkungen versehene Teilnahme da auch immer sein mag, keine russischen Masters geben. Das ist vor allem aus deren Sicht höchst bedauerlich. Aber auch unter dem Aspekt, dass sich stets und überall die Besten auseinander setzen sollten. Allerdings ein sehr frommer, völlig illusorischer Wunsch (siehe unten).

Bei den EMG sind russischen Leichtathleten zugelassen

Das es auch anders geht, beweisen derzeit die European Masters Games (EMG) in Turin. Die Internationale Masters Games Association (IMGA) mit ihrem Präsidiumsmitglied und IAAF-Vizepräsidenten Sergej Bubka aus der Ukraine hat ihre Autonomität genutzt und Russen bei den Leichtathletik-Wettbewerben zugelassen. Von Akishev, Dimitriy bis Zhubra, Valerii werden 96 Aktive zu 310 Starts ab Heute diese Möglichkeit und Gelegenheit wahrnehmen. Das sind rund doppelt so viele wie aus Deutschland (47/159), wo diese Disziplinen-übergreifenden Titelkämpfe in 30 Sportarten selbst bei der nunmehr vierten Auflage noch nicht so richtig angekommen sind. Klar, der Stellenwert bei eigenen internationalen Meisterschaften kann, muss aber nicht zwingend höher sein. Die vielen Sporttouristen in der normenfreien Komfortzone geben davon immer und immer wieder beredtes Zeugnis. Es hat schon Senioren-Europa- und -Weltmeister gegeben, die davon vorher nicht einmal zu träumen wagten. Deutsche inbegriffen. Oftmals sind es an sehr fernen Schauplätzen halt nicht die Welt-, sondern die Geldmeisterschaften der Bepelzten und Betuchten. 
In diesem Sinne einen zauberhaften Sonntag bei angenehmeren Temperaturen und eine schaffens- oder für die älteren Semester abwechselungsreiche kommende 31. Kalenderwoche!