Manche Ü50-Leichtathleten müssten vor sich selber geschützt werden

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(Herzogenaurach/Hofgeismar/Vellmar/Krefeld, 11. Mai 2019) Wenn die eigene Vernunft nicht ausreicht, müssten manche Ü50-Leichtathleten vor sich selber geschützt werden. Notfalls unter Berufung der Fürsorgepflicht durch die Veranstalter. Auswüchse waren und sind bislang vorwiegend bei internationalen Senioren-Meisterschaften unter den Sporttouristen aus aller Herren Länder zu beklagen. Bevorzugt bei den älteren Semestern jenseits der Siebzig, die sich bisweilen ein schwindelerregendes Programm aufbürden. Gerne mal mit  bis zu acht Einzeldisziplinen, dazu ein Zehn- oder Siebenkampf und zum krönenden Abschluss noch den Wurf-Fünfkampf. Aber da wird nicht einmal verschämt drüber hinweg gesehen. Denn es klingelt ja ordentlich Startgeld in die jeweiligen Kassen. Hoch lebe der Kommerz zum Wohle der vielen VIP’s, die während der Titelkämpfe mit allen nur denkbaren Nebengeräuschen bei Laune gehalten werden wollen.

Ein Blick ins deutsche Kuriositäten- und Raritäten-Kabinett
  
Aber, siehe da, müssen wir für den Blick ins Kuriositäten- und Raritäten-Kabinett gar nicht in die Ferne schweifen. Das bekommen wir auch in Bayern und Hessen geboten. So ein Mann der vermeintlich alles kann war heute bei den Senioren-Landesmeisterschaften in Herzogenaurach avisiert. Die beiden Löwen im Landeswappen verpflichten schließlich zu außerordentlichen Herausforderungen. Reinhard Hofner (*1958) von MBB-SG Augsburg hat bei dieser Ein-Tages-Veranstaltung für sieben Wettbewerbe (100, 200, 400, 800 m, 100 m Hürden, Hoch, Weit) gemeldet. Mit 61 beileibe kein Jungspund mehr, der körperlich aus dem Vollen schöpfen kann.

Mitunter ist weniger einfach mehr

Das wurde freilich noch durch das angeblich schwache Geschlecht getoppt. Möglich macht es hier wie da die normenfreie Komfortzone. Die etwas jüngere Karin Reitemeier (*1965) vom SSC Vellmar halst sich laut Meldungen bei den „Hessischen“ neun, zwangsläufig noch unterschiedlichere Disziplinen (100, 200m, 80 m Hürden, Hoch, Weit, Kugel, Diskus, Hammer, Speer) in der W50 auf. Freilich hat sie zwei Tage Zeit dazu, diesen selbst gemixten Fast-Zehnkampf abzuarbeiten. Ein Vergleich mit den „Königen der Athleten“ verbietet sich indes. Das werden spätestens die Ergebnisse dieser beiden „Alleskönner“ lehren. Jede Wette! Mitunter ist weniger einfach mehr. Da kann einem schon der ketzerische Spruch Sport treiben oder gesund bleiben" in den Sinn kommen.