Senioren-DM: Ging im Diskuswurf der M60 alles mit rechten Dingen zu?

Kolumne

Moment mal

(Halle an der Saale/Krefeld, 05. März 2019)
Machen wir aus gegebenem Anlass noch einen kleinen Nachklapp zu den Deutschen Hallen- und Winterwurf-Meisterschaften der Ü35-Generation in Halle an der Saale. Es herrschte beim und nach dem Diskuswurf der M60 bei Teilnehmern, Betreuern, Schaulustigen und womöglich auch Kampfrichtern eingedenk der sich darstellenden Gemengelage allgemeine Verunsicherung, ob denn hier alles mit regelgerechten Dingen zugegangen sei. Die Fakten: Neun der ursprünglich elf Gemeldeten nahmen den Wettkampf auf. Klaus Lutter vom LAC Quelle Fürth meldete sich nach dem ersten ungültigen Versuch ab, da er noch als Startläufer des 4x200-m-Quartetts seines Klubs ran musste. Folgerichtig erscheint er ohne Platzierung mit dem Vermerk „o.g.V.“ = ohne gültigen Versuch in der Ergebnisliste.
Nun fügte es sich im weiteren Verlauf, dass mit Frank Hoffmann von der LG Plettenberg/Herscheid einer der erklärten Favoriten im Vorkampf drei ungültige Versuche fabrizierte. Durfte er am Finale der besten Acht, zu denen er bis dahin mangels Resultat genau genommen nicht gehörte, dennoch mit drei weiteren Versuchen teilnehmen? Erinnern wir uns an den Ursprung, dass es derer Neun gewesen sind. Nur bei acht oder weniger Teilnehmern haben ungeachtet der Vorzeichen automatisch alle sechs Versuche.

Ein quasi Ausgeschiedener gewann letztlich Bronze

Der Schiedsrichter Wurf oder wer auch immer beließ Hoffmann im Wettbewerb. War das Regelkonform? Da streiten sich nach unseren Recherchen die Gelehrten! Und in diesem eher seltenen Fall, der in der Deutschen Leichtathletik-Ordnung (DLO) nicht explizit erwähnt ist, läuft es wohl auf eine Auslegungssache hinaus. Wie dem auch sei: Der Sauerländer wusste die womöglich entartete Gunst zu nutzen, schaffte zumindest im vierten Durchgang mit 42,93m einen gültigen Versuch und schnappte dem bis dahin drittplatzierten Norbert Hasselberg (42,78m) von Union Schönebeck um 15 Zentimeter die Bronzemedaille weg.
Was bleibt ist aus ganz neutraler Sicht, ohne dem einen etwas zu gönnen und dem anderen zu missgönnen, ein bitterer Beigeschmack. Oder kann jemand hieb- und stichfest Licht in diese diffuse Angelegenheit bringen?