Exemplarisch an Richard Rzehak aufgemacht ist Regeländerung vonnöten

Kolumne

Moment mal

(Erlangen/Halle/Krefeld, 17. Februar 2019)
Hoch lebe der Bürokratismus. Oder: Warum einfach, wenn es auch kompliziert geht. Wobei wir nicht der Regelbeugung das Wort reden wollen. Bestimmungen sind dazu gemacht worden, um eingehalten zu werden. Aber dieser konkrete Fall, vermutlich nicht der einzige dieser Art, wirft Fragen auf, über die einmal ernsthaft nachgedacht werden sollte, ob immer alles bis zum Exzess auf die Spitze getrieben werden muss. Mitunter sollte schlicht der Ermessensspielraum gelten. Und das nicht erst mit irgendwelchen Sondergenehmigungen, für die vorgeschriebene Formulare bis zu einer festgeschriebenen Frist eingereicht werden müssen und der Antragsteller dann dem Wohlwollen des Entscheiders ausgeliefert ist. Noch vernünftiger wäre es indes, ab einer bestimmten Altersklasse, in der schon rein biologisch bedingt nicht in überbordenden Feldern bereits vorab die Spreu vom Weizen zu trennen ist, Qualifikationsleistungen gänzlich zu kippen. Die Österreicher machen es uns ab M/W70 vor. Hier zu Lande könnte unseres Erachtens bei der M/W80 der Schnitt erfolgen.

Meldungen für Diskus und Hammer abgewiesen

Werfer-„König“ Richard Rzehak (*13.10.1929) vom SC Preußen Erlangen hatte über seinen zuständigen bayerischen Landesverband (BLV) für die Deutschen Senioren-Hallenmeisterschaften mit Winterwurf vom 01. bis 03.März 2019 in Halle an der Saale im Kugelstoßen, Diskus- und Hammerwurf gemeldet. Die wurden in den Würfen mangels fehlender Norm abgelehnt. Vergegenwärtigen wir uns, dass der gute Mann national bereits der Altersklasse M90 angehört. Auf wie viele direkte Konkurrenten würde er da denn wohl auf dem Wurfplatz Brandberge treffen? Einen oder eher doch keinen? Und wo, bitte schön, hätte er in 2019 bis zum frühen Meldeschluss (17.Februar) die „Quali“ unter freiem Himmel werfen sollen? Illusorisch! Die mit der Kugel (5,80m) übertraf er locker bei seinen 7,31m beim Senioren-Hallensportfest am 02.Feburar 2019 in Fürth (wir berichteten).

Gesundheitlich bedingt 2018 keine Wettkämpfe möglich

Was nicht nur, aber insbesondere bei fortgeschrittenen Semestern mal vorkommt, dass aus gesundheitlichen Gründen eine Saison komplett ausfällt, somit nicht auf das Vorjahr zurückgegriffen werden kann. Genau das war bei dem noch 89-jährigen Erlanger in 2018 der Fall. Er musste sich nacheinander an beiden Augen Operationen unterziehen, hatte demzufolge ärztliches Trainings- und Wettkampfverbot. Die für ihn lächerlichen Normen von 12,10m mit dem Diskus und 13,50m mit dem Hammer würde er nachts und im Dunkeln kurz nach dem Wecken werfen können. Es sei nur daran erinnert, dass R.R. aus E. bei den Stadion-Europameisterschaften im August 2017 in Aarhus (Dänemark) in einem sechsköpfigen Feld mit drei Landsleuten den Titel im Hammerwurf der M85 mit 28,06m und einem Vorsprung von 1,29 Meter vor dem ebenfalls international sehr bekannten Finnen Leo Saarinen gewonnen hat.

Normen gehören ab einer bestimmten Altersklasse abgeschafft
 
Als Ehrerbietung vor Rzehak sollte bei aller deutschen Gründlichkeit, die hier auch bei einem nun einmal existierenden Regelwerk nicht beanstandet wird, Gnade vor Recht walten. Garantiert hätte keiner etwas dagegen. Und danach sollte DLV-Seniorensprecher Heiko Wendorf (Eisenach) bei den zuständigen Gremien den Dringlichkeitsantrag stellen, und da wiederholen wir uns gerne, Normen ab einer bestimmten Altersklasse schlichtweg abzuschaffen!