Intermezzo: Noch keine Wiederaufnahme der Berichterstattung

(Mönchengladbach/Krefeld, 05. November 2018) Kaum denkste an was Böses, hältst dich für kerngesund und puppenmunter, und anscheinend von jetzt auf gleich bis du sterbenskrank. Nicht etwa durch einen Unfall, sondern eine von und in dir vollkommen unbemerkt tickende gesundheitliche Zeitbombe. Dies nunmehr alles wissend, hätte ich das auf mich bezogen für absolut unmöglich gehalten. Seit Kindesbeinen treibe ich inzwischen 67 Jahre regelmäßig Sport in Vereinen mit den Stationen Fußball, Eishockey, Tennis und Leichtathletik. Aus Überzeugung bin ich militanter Nichtraucher, ernähre mich gesund und bewusst, trinke zu einem erlesenen Essen allenfalls mal einen „Roten“ und an Silvester zum Anstoßen das obligatorische Gläschen Sekt. Also in dieser Hinsicht eine Art Gesundheitsapostel und – aber auch nur darin – für manche eine Spaßbremse. Und zu dem Gesamtpaket gehört ferner, dass ich seit Vollendung meines 50. Lebensjahres brav und tapfer alle Vorsorgeuntersuchungen wahrnehme, zuletzt in diesem Frühjahr mit dem mutmaßlichen Rund-um-sorglos-Programm.

Heile Welt körperlicher Robustheit geriet restlos aus den Fugen

Das Fazit in Kurzfassung: Keinerlei Anzeichen für die Alt-Männekes-Krankheit Prostata, organisch alles im Soll und keine erkennbaren Risikofaktoren für Herz- oder Hirninfarkt. Und gerade mal ein paar Monate später, dazwischen wurde ich als jeweils „Stubenältester“ vom Jahrgang 1944 in Halle und Stadion Deutscher Meister im Kugelstoßen der M70, geriet meine vermeintlich heile Welt einer nahezu robusten, unerschütterlichen Gesundheit restlos aus den Fugen. Dabei kann ich bei allem Pech noch von Glück schreiben, das – stark komprimiert – auf meiner inzwischen eignen (sport-)journalistischen Spielwiese mitteilen zu können.

Kommissar Zufall verhinderte den absoluten Super-GAU

Dabei half Kommissar Zufall kräftig mit und nach. Obwohl ich mich von je her akribisch auf Training und Wettkampf vorbereitet habe, um meine für einen älteren Herrn gut austrainierten 97 Kilo bei 1,87 Meter Körpergröße auf Betriebstemperatur zu bringen, habe ich zu Verbesserung meiner Ausdauerwerte Ende Juli mein betagtes Peugeot-Rennrad mit der Typbezeichnung „Mont Ventoux“ vom Baujahr 1990 vom Haken an der Kellerwand geholt. Ein Klassiker, historisch, heute mit Nostalgieeffekt monetär mehr wert als seinerzeit. Aber für meine bescheidenen Zwecke völlig ausreichend.
Schnitt: Bei einer gemeinsamen Tour mit meinem elf Jahre jüngeren Sportfreund Ralf Radtke am 06.Oktober 2018 geriet mein mutmaßlicher Hochleistungsmotor gehörig ins Stocken. Nach gerade mal 1,5 Kilometer Strecke im zum Einrollen bei Puls 110 noch sehr moderatem Tempo (von meinem ehedem 33-Kilometer-Stundenmittel bei Distanzen bis 90 Kilometer am tellerflachen Niederrhein wagte ich ohnehin nicht einmal mehr zu träumen) trat urplötzlich ein mir bis dahin völlig unbekannter Druckschmerz am Herzen auf. Klar, sofort die Reißleine gezogen und angehalten. Nach gerade mal einer Minute in der Ruhe verflüchtigten sich die Beschwerden, als hätte es sie nie gegeben. Ein kleine Irritation, mehr wohl nicht, dachten und äußerten wir beide übereinstimmend. Neuer Versuch, nach weiteren vier Kilometern radelnd dasselbe Ergebnis. Abbruch! Schlussendlich wollte ich nicht mit einem Herzinfarkt auf dem Asphalt oder im nächsten Graben anschließend auf der Bahre (ja, nicht Trage!) landen.

Meine Pumpe lief nur noch auf ein Drittel der Leistung und drohte zu kollabieren

Normalerweise bin ich der Verdränger-Typ, reagiere nicht gleich auf jeden quersitzenden Pups. Mit dieser Kenntnis ausgestattet redete RR, der Rolls Royce unter den Fürsorglichen, auf mich ein wie ein Wanderprediger, nur ja am kommenden Montag (08.Oktober) den Kardiologen meines Vertrauens mit Namen Dr.med. Doian Recker aufzusuchen. Getan wie geheißen. Der „Doc“ fackelte nach Schilderung der Symptomatik und einer Ultraschall-Diagnose nicht lange, ordnete eine von ihm selber durchgeführte Herzkatheder-Untersuchung (15.Oktober) in der Krefelder Helios-Klinik an. Das durch die rechte Leiste noch ein Klacks, waren die Erkenntnisse daraus jedoch niederschmetternd. Die – laienhaft formuliert – drei Hauptgefäße zu meinem Herzen waren ziemlich dicht, Durchfluss in Summe 100 statt 300 Prozent. Gerade so, als liefe ein Drei-Zylinder-Motor lediglich noch auf einem „Pott“. Das kann nicht dauerhaft gut gehen, ist hier wie dort der „Kolbenfresser“ vorprogrammiert.

Beim chirurgischen Eingriff hing mein weiteres Dasein am seidenen Faden

Für mich bedeutete das eine dreifache Bypass-Operation (19. Oktober) unter geöffnetem Thorax (Brustkorb) am offenen Herzen unter Anschluss einer Herz-Lungen-Maschine. Mit allen denkbaren Risiken und Nebenwirkungen bis hin zum Tod. Das von einem Narkosearzt zu hören und anschließend via  Unterschrift schon mal rein vorsorglich den möglichen Super-GAU abzusegnen, war der blanke Horror. Auf gut Deutsch: Ich hatte ein Scheißangst, aber glücklicherweise nur noch einen Nachmittag, Abend und eine Nacht für ausgesprochen turbulentes Kopf-Kino. Erstaunlich, dass mein angeschlagenes Herz dem Stress überhaupt noch gewachsen war. Von der OP ganz zu schweigen, die bei aller Routine von rund 1.000 solcher oder ähnlicher Operationen pro anno für das hochgelobte Team der Herz-Chirurgie alles andere als Routine war. Es gab Komplikationen, ich drohte „zu explodieren“ (O-Ton eines Operateurs), mein Leben hing am vielzitierten seidenen Faden.

Hurra, ich lebe noch, es war keine „Never-Good-by-Pass-Operation“

Aber et ist ja noch mal jut jejange. Hurra, ich lebe noch, es war keine „Never Good-By-Pass-Operation“. Nach insgesamt 19-tägigem stationären Aufenthalt mit dem postoperativen Anhängseln Intensiv-, Überwachungs- und Normalstation befinde ich mich im nahtlosen Übergang seit Freitag in Anschlussheilbehandlung im Herzpark Hardterwald in Mönchengladbach. Erster Besucher war Samstag LAMPIS-Gründervater Peter Holthuijsen aus dem nahen Erkelenz, mein gleichermaßen langjähriger Sportfreund mit ausgeprägten beidseitigen zwischenmenschlichen Gefühlen füreinander.
Um jeglichen Missverständnissen vorzubeugen: Das war jetzt nicht der Einstand zur ganz normalen Aufnahme der täglichen Informationen an dieser Stelle. Ein Intermezzo lediglich. Vielmehr geht es zunächst vordringlich darum, peu a peu wieder einigermaßen fit und belastbar zu werden. Dazu galt es ins Kraut schießenden Latrinengerüchten Einhalt zu gebieten und den im Beitrag zuvor erwähnten „alles andere als ein Pappenstiel“ aufzuklären. Das sollte nunmehr nachvollziehbar sein.
Ergo weiterhin die Bitte um Geduld. Warten muss auch Faleisia an der Algarve in Portugal, für das schon ein nachsaisonaler Regenerationsurlaub mit Ehefrau Elke vom 07. bis 14. November 2018 gebucht war.
Ganz pauschal nochmals auf diesem Wege allen herzlichen Dank, die mir per Mail und WhatsApp Genesungswünsche gesendet haben! Das war sehr wohltuend und Balsam für die geschundene Seele. Den Körper muss nun die Reha wieder einigermaßen auf Vordermann bringen. Kugelstoßringe und sonstige Wettkampfstätten aus dem Wurf werden mich allerdings als Aktiven nicht wiedersehen. Was bleibt, ist die Freude an der Schreibe daran.