Verbotene Nazi-Strophe als gesungene Version bei WM eingespielt

Kolumne

Moment mal

(Málaga/Krefeld, 27. September 2018)
Es ist nichts so fein gesponnen, dass es nicht kommt ans Licht der Sonnen. Damit hört die Prosa allerdings schon auf. LAMPIS wurde gestern ein Video von der Siegerehrung im Zehnkampf der M50 vom zweiten Tag bei den Senioren-Weltmeisterschaften im spanischen Málaga zugespielt. Die bewegten Bilder sind nicht sonderlich scharf und ein wenig verwackelt. Aber es kommt ohnehin auf den Ton an, den die vom Band eingespielte Musik macht und über Lautsprecher wiedergegeben wird. Und das haut geschichtskundigen Bundesbürgern schlechterdings die Ohren weg. Da  fühlte ich mich in einem Déjà-vu-Erlebnis spornstreichs an den Artikel „Eindimensionale Mickey-Mouse-Beiträge in der DLV-Senioren-Spielecke“ vom 16.September 2018 erinnert. Da hatte ich geschrieben, dass für das literarische Terzett des Verbandes um Öffentlichkeitsarbeiterin Bettina Schardt wegen der einseitigen Berichterstattung das Prinzip der bereits nach dem 2.Weltkrieg verpönten und seit der Wiedervereinigung verbotenen ersten Strophe der Nationalhymne „Deutschland, Deutschland über alles, über alles in der Welt…“ gelte.

Zehnkampf-Weltmeister Thomas Stewens bereitete dem Spuk ein Ende

Aber schlimmer geht nicht nur beim DLV immer. Die spanischen Organisatoren spielten doch tatsächlich zumindest bis dahin (schon zuvor bei Silke Finkbeiner, Lothar Huchthausen, Roland Heiler und Jana Müller-Schmidt) in gesungener Version die Nazi-Strophe mit dem ominösen, lediglich in Auszügen oben genannten Text bei deutschen WM-Titelträgern ein. Erst Zehnkämpfer Thomas Stewens aus Bad Vilbel, dem es bereits hochnotpeinlich war mit einem Weltrekord angekündigt worden zu sein, den er nach seiner (richtigen) Kenntnis nicht erzielt hatte, bereitete dem Spuk ein Ende. Der untadelige Sportsmann sang, wie im Hintergrund über das Mikrofon der  Handy-Kamera vernehmbar, lauthals die dritte Strophe „Einigkeit und Recht und Freiheit für das deutsche Vaterland“ mit und beschwerte sich anschließend über den Affront dieser unzulässigen Fassung unserer nationalen Erkennungsmelodie, die fortan in der rein instrumentalen Interpretation eingespielt wurde. Da darf sarkastisch formuliert fast von Glück gesprochen werden, dass sie beim 83-jährigen Lothar Huchthausen (*1935) aus Arneberg in Sachsen-Anhalt, der bislang den größeren Teil seines Lebens im einstigen Arbeiter- und Bauernstaat zugebracht hat, nicht die DDR-Hymne „Auferstanden aus Ruinen" von Johannes R.Becher intoniert haben.

Subjekt der Schande vor allem zum Mithören verlinkt

Das Subjekt der Schande hat mein EDV-technisch versierterer Sportfreund Rolf Griesberg bei YouTube eingestellt. Es ist unter dieser Verlinkung zu sehen und vor allem zu hören. Damit darf es jedoch nicht sein Bewenden haben. Dieser Eklat, und das ist noch eine niedliche Umschreibung, und dass er zwei Tage bei Siegerehrungen mit „Germanen“ auf der obersten Stufe andauern konnte, wirft etliche Fragen auf. Angefangen bei den zuständigen unverantwortlich handelnden Personen des ehedem faschistischen Spanien, die sich auch ansonsten organisatorisch und mit der Aussperrung von Gibraltar nicht mit Ruhm bekleckerten. Und wo haben die unter anderem für die so genannte Victory Ceremony zuständige seinerzeitige WMA-Vizepräsidentin Margit Jungmann aus Rehlingen und der DLV-Delegationsleiter Matthias Reick (beide im Bild) aus Achim bei Bremen hin- respektive weggehört? Kennen sie die jüngere deutsche Nachkriegsgeschichte nicht?
Das muss ein Nachspiel haben. Ein Fall für die ehemalige DLV-Vizepräsidentin und Vorsitzende des Sportausschusses im Bundestag Dagmar Freitag aus Iserlohn mit Büro in Berlin. Könnte indes auch ein gefundenes Fressen für die Boulevardblätter BILD und Express sein.