Sportsch(l)au: Vorurteile über Zucker als Killer und süßes Gift, Teil 2

(Köln/Krefeld, 22. August 2018)  Es kursieren eine Menge Sportirrtümer, die so lange kolportiert und transportiert werden, dass sie irgendwann Mythenstatus erlangen, also für bare Münze genommen werden. Der Sportwissenschaftler Prof. Dr. Ingo Froböse (im Bild) von der Deutschen Sporthochschule Köln, früherer Klasse-Sprinter beim einstmals ruhmreichen ASV Köln, nimmt sich derartiger Vorurteile im WDR2-Hörfunk und ARD-Morgenmagazin unter der Rubrik „Sportsch(l)au“, anderen Publikationsmedien sowie seiner eigenen Netzseite an. Mit seiner freundlichen Genehmigung werden wir in loser Folge diese Beiträge veröffentlichen, wobei wir aus Platzgründen gelegentlich den Sinn wahrende Kürzungen vornehmen. Das ist nunmehr das 99. Kapitel zu diesem Themenkomplex, das wir wegen des Umfanges in drei Abschnitte aufteilen. Der folgende Beitrag ist der zweite Teil, der erste erschien unter diesem Link am 16.August. A.H.

Einfachzucker wie Glukose, stellen uns für einen kurzen Zeitraum viel Energie zur Verfügung. Sie sind der perfekte Energielieferant bei kurzen intensiven sportlichen Belastungen, können uns schnell zu Energie verhelfen. Mehrfachzucker brauchen länger bis sie in den Zellen ankommen, geben uns aber auch länger Energie. Sie sind der perfekte Begleiter für einen langen Arbeitstag. Somit versorgen sie uns fast über den kompletten Zeitraum mit Energie. Auch die Kombination spielt eine Rolle. In Kombination mit Fett, welches den Zucker bindet, steigt der Blutzucker nicht so stark an. Deshalb ist zum Beispiel das Stück Schokolade Gummibärchen und Co. vorzuziehen. 

Zucker – eine Droge?!

Die Gewöhnung an den Geschmack des Süßen beginnt in vielen Haushalten bereits im Kindesalter. So konsumieren, laut einer Studie des Robert Koch Instituts, 80 Prozent der Drei- bis Sechsjährigen deutlich mehr Süßigkeiten und zuckerhaltige Getränke als empfohlen. Und jeder erinnert sich allzu gern an die zuckersüßen „Ausnahmen“ bei Oma. Ein (junges) Leben ohne etwas Süßes? Für die meisten kaum vorzustellen!
Dies scheint auf den ersten Blick durchaus nachvollziehbar, schließlich setzt Zucker Dopamin im Gehirn frei. Das Glückshormon entspannt und macht uns für den Moment leistungsfähiger. Ein Gefühl, an das wir uns schnell gewöhnen. Nur reichen geringe Mengen oft nicht mehr aus, und nur eine höhere Dosis Zucker sorgt dann noch für die positiven Gefühle. Auch die Lebensmittelindustrie hat diesen Effekt längst erkannt. So nutzen die Konzerne Zucker als günstigen Rohstoff, Geschmacksträger, Füllstoff und Konsistenzverbesser, meist zum Nachteil der Verbraucher. Getarnt als Glukosesirup, Dextrose, Maltodextrin oder Süßmolkepulver werden Tiefkühlprodukte, Backwaren und eine große Anzahl an Milchprodukten wie Joghurt et cetera mit Zucker angereichert. So ist vor allem der Verzehr von zuckerhaltigen Fertigprodukten seit Beginn der Jahrtausendwende deutlich von 32,8  auf heute 46,3 Kilogramm pro Jahr gestiegen.

Was passiert bei Zuckerentzug?

Durch den daraus resultierenden hohen Zuckerkonsum, hat sich das Gehirn an eine Dauerverfügbarkeit des Glücklichmachers gewöhnt. Wer seinen Organismus bereits auf ein gewisses Maß konditioniert hat, der fällt bei „Entzug“ tief: schlechte Laune, Kopfschmerzen und Unkonzentriertheit sind die häufigsten Folgen. Eine Studie der Universität Princeton konnte nachweisen, dass Zuckerentzug ähnlich wie der von Drogen, Entzugserscheinungen hervorruft. An einem Versuch mit Ratten zeigten diese, bei ausbleiben der Zuckerration, Unruhe- und Angsterscheinungen. Auch bei uns Menschen sind solche Erscheinungen vereinzelt bekannt. Ein wissenschaftlicher Beleg fehlt aber noch, Forschungsarbeit ist hier gefragt.
Doch Zucker macht nicht nur abhängig, zusätzlich ist er auch Mitverursacher für Diabetes Typ2. Führen wir dem Körper zu lange zu viel Zucker zu, bleibt der Blutzuckerspiegel dauerhaft erhöht. Unsere Zellen reagieren nun nicht mehr auf das Insulin, welches eigentlich den Zucker in die Zellen transportieren soll, die Zellen wehren sich und bilden eine Insulinresistenz. Diabetes entsteht. Zudem führt ein erhöhter Zuckerkonsum nachweislich zu Übergewicht, welches wiederum das Diabetes Risiko drastisch ansteigen lässt. Rund 80 Prozent der an Diabetes Typ 2 Erkrankten sind Übergewichtig. Muskeln können uns hier helfen das Problem zu beheben, denn Muskeln lieben Zucker! (Wird in den nächsten Tagen mit dem dritten und letzten Teil fortgesetzt.)