Titelverteidiger David Storl meisterte souverän die Qualifikation

(Berlin/Krefeld, 07. August 2018) Pflicht erfüllt, die Kür kann kommen. Titelverteidiger David Storl entledigte sich gestern Abend vor stimmungsvoller Kulisse von dicht gedrängten 3.000 Zuschauern auf der ambulanten Anlage auf dem Breitscheidplatz in unmittelbarer Nähe der Gedächtniskirche souverän mit 20,63m als Primus der Qualifikation (20,40m) im Kugelstoßen dieser Aufgabe. Große optische Zufriedenheit strahlte die Geste des 28-jährigen Sachsen sofort danach allerdings nicht aus, bemängelte er im Interview auch selbstkritisch die nicht ganz saubere technische Ausführung seines einzig nötigen Versuchs. Aber vielleicht besser den „Goldenen Schuss“ für das Finale heute Abend im Berliner Olympiastadion noch im Köcher zu haben. Eine Binsenweisheit, dass da die Karten des Zwölferfeldes, wovon sich einige höher gehandelten Kolosse mit offenbar dünnem Nervenkostüm unter dem Trikot in der Ausscheidung sehr schwer taten, völlig neu gemischt werden.

Eine deutsche Ausfallquote von 37,5 Prozent am Q-Day

Ansonsten bekamen die allzu vollmundigen Ankündigungen von einem „sehr ambitionierten deutschen Team, das um jeden Zentimeter kämpfen wird“ (O-Ton Gonschinska) einen ersten Dämpfer. Ohne, dass sich unüberwindbare Hürden aufgetürmt hätten, mussten bereits drei der insgesamt acht am sogenannten „Q-Day“ (das Q steht für Qualifikation) auftretenden Germanen die Segel streichen: Der Deutsche 100-m-Meister Kevin Kranz als Vorlauf-Fünfter in 10,41 Sekunden sowie die beiden Weitspringer Julian Howard (19. mit 7,64m) und Maximilian Holzleitner (26. mit 7,46m). Allesamt fernab ihrer Saisonbestleistungen, die locker für ein Weiterkommen gereicht hätten. Keine Frage, dass darüber niemand enttäuschter ist, als sie selber. Als immer noch aktiver Kugelstoßer bei den Senioren kann ich das schmerzlich nachempfinden. Es gibt halt Tage, da ziehst du keinen Hering über den Teller. Allzu blöd, wenn es zum saisonalen Höhepunkt geschieht. Es ändert indes nix an der ernüchternden deutschen Ausfallquote von 37,5 Prozent.

Nerviges Hin- und Hergeschalte im TV und inkompetente Kommentatoren

Die europäischen Fernsehspiele gerieten zum gelebten Alptraum. Es allen sieben Sportarten (sechs davon in Glasgow) recht machen zu wollen, ist ein schier hoffnungsloses Unterfangen. Das ständige Hin- und Hergeschalte in der ARD zwischen Schwimmen, Bahnradrennen und Leichtathletik war selbst für vielseitig interessierte Sportanhänger höchst nervig. Die inkompetenten Kommentare von Ralf Scholt und Wilfried Hark bei der Leichtathletik ebenfalls. Die Kugel wog bei beiden 7,25 Kilo (7,26 kg sind's), Hark machte Storl mal wieder zum dreifachen Weltmeister (zwei WM-Titel waren es) und Scholt ließ ihn bei den Olympischen Spielen 2016 schon in der Qualifikation ausscheiden. Er wurde indes Siebter im Finale. Und so weiter und sofort. Warum plappern sie munter drauflos, statt sich ihrer umfangreichen, auf Knopfdruck abrufbaren Statistiken zu bedienen? Niemand kann ein wandelnder Leichtathletik-Almanach sein. Aber unumstößliche Fakten müssen einfach stimmen, so sie denn genannt werden!

Erster und hoffentlich nicht letzter Auftritt von Robert Harting

Heute bekommen wir dann vom ZDF ab 09.05Uhr mit Pausen dazwischen etwas auf die Augen und Ohren. Diskuswerfer Robert Harting aus Berlin geht in der Quali-Gruppe (ab 09.40 Uhr) bei seinem Abschiedsheimspiel zum hoffentlich erst vorletzten Mal in den Ring. Er und nicht Storl war es nämlich, der bei Olympia 2016 sein „Waterloo“ erlebte. Freilich angeschlagen durch eine Nervenblockade im Rücken.