Senioren-DM für Teilnehmer als Ablenkung vom WM-Aus der Elitekicker

(Mönchengladbach/Krefeld, 28. Juni 2018) Tragen wir vielen Fußball-Anhänger unter den Leichtathleten das zu befürchtende frühzeitige WM-Aus der deutschen Nationalelf in Putin-Land mit Fassung. Sehen wir das kommende Mehr an Freizeit positiv, nicht ständig vor der Glotze zu sitzen, picken uns fortan die vermeintlichen Leckerbissen heraus und schauen dem Treiben auf dem Rasen emotionslos ganz entspannt vom Sessel aus zu. Sofern das beim Dauergesabbel der teil- und zeitweise marktschreierischen Dampfplauderer, insbesondere bei der ARD (Gerd Gottlob,Steffen Simon), möglich ist. Aber gegen latente Tinnitus-Gefahr lässt sich ja die Tonlautstärke minimieren.
Fein raus sind jene potenziellen 1.301 Teilnehmer/innen und ihre zahlungspflichtige mehr oder weniger große Begleitung (Eintritt 6 Euro), denen bei den morgen im Rheydter Grenzlandstadion in Mönchengladbach beginnenden dreitägigen Deutschen Meisterschaften der Ü35-Generation erst einmal Ablenkung verschafft wird.

Gleich ein Lady-Kracher zum Auftakt der Titelkämpfe

Durch die mit Swarowski-Steinen umrandete kostbare Werferbrille betrachtet, denn Leichtathletik ist weitaus mehr als (nur) laufen und springen, gibt es zum Auftakt um 10 Uhr gleich einen Lady-Kracher: Das Kugelstoßen (3kg) der W50 mit zwölf Gemeldeten. Die im letzten Jahr der Altersklasse stehende etablierte und renommierte Platzhalterin Jana Müller-Schmidt (*1964) von der SG Osterholz bekommt gehörige Konkurrenz in Aufrückerin Claudia Kodel (*1968) vom OSC Berlin. Die gute Jana scheint mit ihrer Meldeleistung von 14,57m von Anfang April in Delmenhorst mutmaßlich unschlagbar. Doch die aktuellere Form von den „Norddeutschen“ am 16. Juni in Büdelsdorf weist sie indes „lediglich“ mit 13,89m aus. Hingegen ist bei Kodel beim hinlänglich beschriebenen Melde-Bingo diesmal täuschen und tarnen andersherum angesagt. Sie taucht mit 12,09m aus dem Vorjahr auf, die sie jedoch in der W45 zwangsläufig mit der 4-Kilo-Kugel erzielt hat.

Ein heißer Tanz um das „Goldene Kalb“ zu erwarten

Allerdings können wir vom Fach den Bluff enttarnen. Wie Wurf-Allrounder und Lampis-Gastautor Torsten Lange hautnah bei den Offenen Pfalzmeisterschaften Anfang Juni in Edenkoben miterlebte, hatte die großgewachsene, sehr austrainiert wirkende gastierende Berliner Neu-Fünfzigerin in der W50 folgende Serie: 12,97, 13,11, 13,19, 14,12m, -, - . Und nun wird es für Kenner richtig interessant: Die ersten drei Versuche absolvierte sie aus dem Stand, lediglich den vierten Durchgang mit Angleiten. Auf den Rest verzichtet sie, um womöglich vor der DM die eigenen Trauben nicht noch höher zu hängen. Die Karten werden also in Mönchengladbach völlig neu gemischt, und es kann ein verdammt heißer Tanz um das „Goldene Kalb“ werden. Für alle die Zeit haben, lohnt es sich mal hinter der Tribüne auf der Kugelstoß-Anlage reinzuschauen. Zumal es für die Aktiven
coram publico" weitaus mehr Spaß macht und die letzten Reserven herauskitztelt. Geht mir jedenfalls so.