Beim "Klein-Götzis" im Senioren-Mehrkampf bleiben noch Wünsche offen

Kolumne

Moment mal

(Stendal/Krefeld, 28. Mai 2018)
Nunmehr ist auch die sechste Messe beim Stendaler Hanse-Cup in der Kathedrale mit dem scheußlichen, furchteinflößenden Namen Stadion „Am Galgenberg“ gelesen. Die Macher des Stendaler LV haben ihn sich nicht selber verliehen, lassen sich jedoch gerne mit dem Attribut „Klein-Götzis“ schmücken. Dieser Ruf wurde sehr schnell dadurch begründet, dass hier die Aktiven im Mittelpunkt stehen, in einer ausgesprochenen Wohlfühlatmosphäre von Veranstalterseite alle überhaupt denkbaren Anstrengungen unternommen werden, dass sie bei ihrem Zwei-Tage-Werk im Sieben- und Zehnkampf die bestmöglichen Leistungen abzurufen vermögen. Die Flut von aktuell neun Weltrekorden, Europarekorden und unzähligen nationalen Rekorden im Mehrkampf sowie innerhalb dessen noch in einzelnen Disziplinen belegen das auf eindrucksvolle Weise.

Es gibt auch die matte Kehrseite der Medaille

Aber Klein-Götzis? Beim Original im österreichischen Vorarlberg unweit des Bodensees öffnen sie auch nicht jedem Möchte-gern-Mehrkämpfer die Tür vom Möslestadion. Genau das ist in der Altmark von Sachsen-Anhalt die matte Kehrseite der Medaille: Sie freuen sich über „jede Leistung“, sehen sich nicht „als Rekord-Fabrik“, haben aber, welch ein Widerspruch (man könnte es auch verlogen nennen), „mit Bernd Rehpenning den Experten in Sachen Rekordlisten in unseren Reihen“. Allesamt Zitate auf der Netzseite des Klubs.

 
Insbesondere schlechte Köche verderben den Brei

Ob sie sich wirklich über „jede Leistung freuen“, darf füglich bezweifelt werden. Denn nicht nur viele, vor allem schlechte Köche verderben den Brei. Ohne hier jemanden unter Nennung von Ross und Reiter öffentlich vorführen zu wollen, reicht der Spruch „Dabei sein ist alles“ für ein Meeting mit dem Qualitätssiegel eben nicht aus.
Ein fortgeschrittenes Semester joggt die 400 Meter in 141,36 Sekunden oder 2:21,36 Minuten, tritt über 80m Hürden nur an, um Kleinholz zu vermeiden, und sieht wie selbstverständlich auch das Ziel im abschließenden 1.500-m-Lauf nicht, weil es für seine Zeit vermutlich keine Punkte mehr gegeben hätte. Die Ehrenrunde aller „Könige der Athleten“ hat er schön ausgeruht sicherlich noch mitgemacht.
Darüber sollte für die siebte Auflage einmal nachgedacht werden. Ferner über manche Dinge die Organisation (Org.) betreffend. Einiges kommt da beim „Mehrkampf
event der Seniorenleichtathletik“ (ohne ein bisschen Denglish-Misch-Masch geht’s eben nicht) sehr hemdsärmelig im Aküfi (= Abkürzungsfimmel) der ehemaligen DDR daher.