Schmerzmittel sollten als Prophylaxe oder Stimulanzien tabu sein

(Krefeld, 10. April 2018) Fast jeder Sportler hat so sein Ritual, sein vermeintliches Geheimrezept, wie er mit legalen Mittelchen, die auf keiner Dopingliste stehen, vor dem und für den Wettkampf die letzten Reserven herauskitzelt. Da nehme ich mich nicht aus. Mitunter ist es nüchtern und sachlich bei fachmännischer Expertise betrachtet nur Hokuspokus oder fauler Zauber, kann indes der Glaube daran sehr wohl hilfreich sein. So ein bisschen wie der berühmte Placebo-Effekt. Bedenklich wird es allerdings, wer da zur Prophylaxe und Stimulation (aufputschende Wirkung) regelmäßig irgendwelche Schmerzmittel wie Aspirin oder Ibuprofen einwirft. Selbst Powerdrinks, die angeblich Flügel oder sonst was verleihen, können zusammen mit Wettkampfstress und der Ausschüttung von Adrenalin speziell für ältere Modelle zum gefährlichen Cocktail werden. Kleine Kreislaufkollapse geben davon Zeugnis.
Nun wissen wir nicht was der erst 23-jährige belgische Radsportler Michael Goolaerts bevorzugte. Doch mag sein jüngst beim Frühjahrsklassiker Paris-Roubaix erlittener und letztlich tödlich endender Herzstillstand so oder so als Mahnung dienen. Ohne das ihm hier unterstellen zu können und wollen, kann es eben fatale Folgen haben, wenn der Körper Schmerzsignale nicht mehr wahrnimmt. Diese inhaltlichen Weisheiten, die Wortwahl schon, sind selbstverständlich nicht auf unserem Humus gewachsen. Was auch Scharlatanerie wäre.
Zufall oder Absicht, widmet die Westdeutsche Zeitung heute in ihrer Rubrik Service und Leben diesem Thema unter dem Titel „Vorsicht beim Einsatz von Schmerzmitteln“ einen großen sechsspaltigen Beitrag über mehr als eine halbe Seite, bei dem angesehene Mediziner und Wissenschaftler zitiert werden. Der Artikel richtet sich nicht nur, aber auch an Sportler. Zwei Leitsätze daraus: Schmerzmittel sollten in Eigentherapie ausschließlich bei wirklich auftretenden Schmerzen maximal drei Tage am Stück eingenommen werden. Danach ist ein Arzt zu konsultieren. Und: Nur weil sie rezeptfrei zu erhalten wären, teilweise schon beim Discounter, sind die Mittel keineswegs harmlos.
Also hat der Spruch „Bei etwaigen Risiken oder Nebenwirkungen fragen sie den Arzt oder Apotheker ihres Vertrauens“ durchaus seine Berechtigung.