Alles in allem ein sehr dünner Aufguss des DLV von der Senioren-EM

Kolumne

Moment mal

(Madrid/Krefeld, 29. März 2018)
Kommt da noch was oder war’s das schon? Gemeinhin beglückt uns Verbandsoberschwester Margit Jungmann aus Rehlingen nach internationalen Großereignissen der Ü35-Generation mit ihrer „Nachbetrachtung“. Diesen stereotypen Arbeitstitel hat sie bereits verwendet, als das Wort noch nicht im Duden stand. Beides kein Scherz! Diesmal jedoch kein nachbetrachtendes Wort und Bild von den 12.Hallen-Euroapmeisterschaften mit Winterwurf vom 19. bis 24.März 2018 in Madrid von der gesamten in Spanien weilenden siebenköpfigen Literatur-Abteilung für die Senioren-Spielecke auf der Verbandsnetzseite. Es muss zwangsläufig der Eindruck entstehen, dieser zum Heißluftballon aufgeblasene DLV-Betreuerstab war auf Betriebsausflug.
Dies umso mehr, da Vorruheständler Jörg Erdmann als einstiger Geschäftsführer des Bundesausschusses Senioren (BAS) dabei war, der angeblich seinen Nachfolger David Deister einarbeiten musste. Für was, bitte schön? Das blieb im Dunkel, wie vieles andere auch, was diese überbesetzte, streng genommen überflüssige Combo so den lieben langen Tag zum mutmaßlichen Wohle der deutschen Teilnehmer geleistet haben soll? Außer Medaillen zählen und bei Regen auf Schönwetter machen. Viele Athleten sind nach uns erreichenden Rückmeldungen regelrecht – nett formuliert – verärgert, dass sie für die zusätzliche Gebühr von 15 Euro an den DLV eine Null-Leistung erhalten, dafür im Grunde den Begleittross mitfinanzieren.

Was wollen eigentlich Flucke?

Bezeichnend, dass für die nicht einmal täglichen „Wasserstandsmeldungen“ von der EM (am 20.März gab es keinen Beitrag) weiterhin der ehemalige selbst ernannte Ästhet an Tastatur und Kamera, Karl-Heinz „Flunker“ Flucke (im Bild), weit überwiegend zuständig war. Der Mann hat im neuformierten BAS lediglich noch den Pseudo-Posten „Berater Non Stadia“ inne. Was heißt, dass er für Straßenläufe, Straßengehen und Cross in irgendeiner Form zuständig sein soll. Mehr als die typische 1:0-Berichterstattung „Wer bei was mit welcher Leistung“ darf von ihm nach einschlägigen jahrlangen Erfahrungen schlichtweg nicht verlangt werden. Nicht von ungefähr hat der Verband mit einer Dauer-Stellenanzeige monatelang nach einem engagierten ehrenamtlichen Mitarbeiter (durfte natürlich nix kosten) für die Senioren-Leichtathletik gesucht und ihn offenbar nicht gefunden.
Allerdings in der Werferin und ZDF-Sportredakteurin Bettina Schardt eine Flucke ablösende neue Öffentlichkeitsarbeiterin im BAS. Die durfte freilich erst später zusammen mit „Azubi“ Deister ran. Wer da wem die Hand geführt hat, ist uns nicht bekannt. Ein Ruhmesblatt war es jedoch nicht. Unser gelegentlicher Gastautor Dieter Krumm hat in dem Bericht vom Schlusstag mehrere sachliche und fachliche Fehler entdeckt bis hin zu zwei falschen Schreibweisen von Namen (oberpeinlich!) und krausem Satzaufbau. Dies hat er auch dem DLV, namentlich Deister, via Mail mitgeteilt. Die Antwort: „Vielen Dank für ihre Nachricht.
Und besonderen Dank für ihre Richtigstellungen und Korrekturhinweise, die wir baldmöglich auf der Homepage korrigieren wollen.“  Es wäre bei einem Online-Medium ein Klacks gewesen, das sofort zu erledigen. Ob’s inzwischen geschehen ist, haben wir nicht überprüft.

Es darf von einer Vor-Ort-Berichterstattung deutlich mehr erwartet werden

Vollkommen egal von wem, darf von der Berichterstattung einer EM, und seien es „nur“ die der Senioren/innen, deutlich mehr erwartet werden, als in Textform einen Abklatsch der  
Ergebnisliste zu liefern. Wortwitz, Bildsprache, mal ein Zitat eines Erfolgreichen oder Enttäuschten, ein Interview mit diesem und jener, ein bisschen was vom Hintergrundgeschehen sowie ganzen Drum und Dran gehören unabdingbar dazu. Obendrein das leidige Thema, dass an veröffentlichten Fotos das Copyright vor allem steht und offenbar wichtiger ist, als jene zwei, drei, vier Personen in einer Bildunterschrift zu benennen (Ausnahme das Aufmacher-Foto am Schlusstag, um Bettina Schardt ins Bild zu rücken). Namen sind Nachrichten. Denn nicht jeder kennt jeden. Selbst ich nicht bei Stoß und Wurf, obwohl ich mich ständig mit dieser Materie beschäftige. Aufwand und Ertrag stehen bei dieser gebotenen Art der Darstellung in einem krassen Missverhältnis. Dafür mussten nicht insgesamt sieben Ehrenamtsinhaber und Hauptamtliche als KdF-Maßnahme (= Kosten der Firma) entsendet werden, um eine solches Sendungsbewusstsein an den Tag oder Abend zu legen. Das wäre locker von zu Hause anhand der Online-Ergebnisliste zu leisten gewesen (wie Lampis bei aller gebotenen Bescheidenheit bezogen auf Stoß/Wurf bewiesen hat). Denn der persönliche, vor Ort gewonnene Eindruck spiegelt sich ja nicht wider. Natürlich ist das auch nicht möglich, wenn man(n)/frau überwiegend bei edler Bewirtung und Smalltalk im VIP-Bereich herumlungert.
Fazit: Die Senioren/innen als die bei Weitem stärkste Fraktion im Verband auch in der Außendarstellung sinnbildlich wieder einmal als fünftes Rad am Wagen, das lediglich unsichtbar unter der Kofferraumabdeckung mitläuft.