Ungarin Erika Fändrich gewann für Deutschland Gold mit dem Hammer

(Madrid/Krefeld, 21. März 2018) Ein wenig mehr Vielfalt war gestern durch die Werferbrille betrachtet auf dem Speiseplan der 12.Hallen-Europameisterschaften mit Winterwurf in Madrid. Draußen die fortgeschrittenen Mädels beim Hammerwurf und drinnen die „schweren Jungs“ beim Kugelstoßen. Natürlich wurde hier wie dort die deutsche Erfolgsgeschichte fortgeschrieben, ohne dass wir dem vollkommen überflüssigen Medaillenspiegel, der Äpfel mit Birnen vergleicht, das Wort reden wollen. Den Schwachsinn überlassen wir gerne anderen, die dabei dann prompt ins Schleudern geraten. Die im Hammerwurf der W55 mit 44,98m siegreiche für Deutschland startende Ungarin Erika Fändrich, die es mithin ihrem Günther als Titelträger der M75 gleichtat, wird auf der Netzseite des Seniorensprechers nicht als Medaillengewinnerin aufgeführt. Ob sie von ihm jedoch bei den Goldenen mitgezählt wurde, haben wir in konsequenter Verfolgung unserer Linie (siehe oben) nicht überprüft.
Aber Dank an Erika, dass sie unsere Prognose erfüllte. Aufgrund ihrer Klasse hatten wir mal schlankweg behauptet, dass sie für ihre Wahl-Heimat schon Ehre einlegen wird. So schizophren das auch immer sein mag.

Favorit Andreas Deuschle hatte eine harte Nuss zu knacken

Jung-Fünfziger Andreas Deuschle (*1958) von der TG Nürtingen wurde der ihm nach der Meldeleistung (16,50, hätte eigentlich 15,60m lauten müssen) zugeschriebenen Favoritenrolle im Kugelstoßen der M50 gerecht. Und da war richtig was los, musste bei 25 Startern in zwei Gruppen gestoßen werden, ehe nach dem jeweiligen Vorkampf das Finalfeld der besten Acht zusammengefügt werden konnte. Deuschle übernahm im zweiten Versuch mit 15,24m die Führung, die er im finalen Durchgang auf 15,29m ausbaute. Er hatte jedoch in dem Polen Pawelski (15,15m) eine harte Nuss zu knacken.

Viel Dutzend- und Ramschware auf dem normenfreien Jahrmarkt

Das lässt sich längst nicht in allen Wettbewerben behaupten. Der Jahrmarkt der (Un-)Eitelkeiten einer normenfreien Zone hält sehr viel Dutzend- und Ramschware bereit. Nur ein Beispiel: Der in der M65 mit 12,16m erfolgreiche Franzose Cimala wäre bei der Hallen-DM in Erfurt mit dieser Leistung mal gerade Vierter geworden. Und da war längst nicht alles im Ring, was Rang und Namen hat. Um es mit einem Spruch meines langjährigen Kumpels Hans Josef „Kugel-Jupp“ Weitz auszudrücken: Wer nicht da ist, der hat frei. Soll heißen: Wer nicht antritt, kann auch nicht gewinnen. Dennoch taugt nicht jede „Goldene“ für die die Referenz auf dem Briefkopf.

„Stabi“ Wolfgang Ritte versüßte Titelgewinn mit neuem Weltrekord
 
Derlei Fragen stellen sich bei Stabhochsprung-Überflieger Wolfgang Ritte (*1953) vom SC Bayer 05 Uerdingen nicht. Der 65-Jährige versüßte seinen Titelgewinn in der M65 mit der Verbesserung seines eigenen Weltrekordes um einen Zentimeter auf 3,96m. Alle Höhen bis dahin meisterte er im ersten Versuch, scheiterte erst an seinem Traum als erster Athlet dieser Altersklasse die 4 Meter zu überspringen dreimal. Das muss er sich nun für die Freiluft-Saison aufheben. Da geteilte Freude bekanntlich doppelte Freude ist, gewann seine Frau Ute fast im Gleichklang den Weitsprung der W65 mit 3,77m.
Weitere deutsche Medaillengewinner: Kugel, M70 (8 Teilnehmer): 3. Georg Kinadeter 11,18m; M75 (11): 1. Roland Heiler 12,31m; M80 (5): 1. Lothar Huchthausen 12,14m.
Hammerwurf, W45 (6): 1. Bettina Schardt 40,95m; W 50 (14): 2. Margret Klein-Raber 42,28m; W65 (10): 1. Eva Nohl 33,48m, 2. Margarete Tomanek (Belgien, lebt in Bayern) 32,17m; W75 (4): 3. Elisabeth Leopold 19,04m. – Alle Resultate von gestern unter diesem Link.