Stilblüten schießen unabhängig von der Jahreszeit ständig ins Kraut

Glosse

Neben der Spur

(Madrid/Krefeld, 20. März 2018) Ein genauerer Blick in den Kalender lehrt uns, dass heute Frühlingsanfang ist. Allerdings, um ganz exakt zu sein, erst um 17.15 Uhr. Da sind die Astronomen sehr pingelig. Obwohl es zuletzt eher sehr winterlich zuging, sprießen bereits die Krokusse, die Schneeglöckchen sowieso, und selbst die Weidenkätzchen scheren sich offenbar einen Teufel um die doch jüngst zumeist eher frostigen Temperaturen. Was allerdings völlig losgelöst von irgendeiner Jahreszeit immer wild ins Kraut zu schießen pflegt sind die so genannten Stilblüten aller Art. Gerne auch schriftlich zu bestaunen oder bemitleiden.
Bereits gestern war ein solches Exemplar auf der weiterhin im alten Gewand erscheinenden (es war spätestens zur EM ein neuer Internet-Auftritt vorgesehen) Netzseite der European Masters Athletics (EMA). Da greift Präsident Kurt Kaschke aus Freudenstadt, der nach eigener Angabe des Englischen perfekt in Wort und Schrift mächtig ist, zu selber eingemachten Werken in die Tasten. Da schaudert‘s einen allerdings schon bei vergleichsweise bescheidenen Englisch-Kenntnissen bereits nach dem ersten Satz. Da heißt es auszugsweise „few athlets read the massage“ und „had the rush our“. Ohne uns generell seinen Kopf zerbrechen zu wollen, mit dem er bei der Gelegenheit mit Schmackes gegen die Pumpe gelaufen ist, helfen wir ausnahmsweise mal nach. Gemeint haben dürfte er message und hour. Sei noch angemerkt, dass der 62-jährige Narzisst aus dem Schwarzwald auf neuen Fotos einen verhärmten, stark gealterten Eindruck vermittelt. Das riecht verdächtig nach Überforderung und Selbstüberschätzung!

Frei nach Hermes mutiert ein Sprinter zum Auslandskorrespondenten

Da hätte der „
Kuddel-Muddel“ Kaschke besser seinen neu installierten Medien-Beauftragten Alfred Hermes gegenlesen lassen sollen. Das hätte dieses Multitalent von eigenen Gnaden vermutlich hinbekommen. Stil(blüten)sicher ist der allerdings auch nicht. Auf seiner Verharmlosungs- und Abkupferungsnetzseite, die mit Journalismus absolut nichts zu tun hat, erhebt der Hermes-Bote zur laufenden Senioren-EM Winfried Heckner zu seinem Auslandskorrespondenten. Begriffe sollten bekannt sein, bevor sie genannt werden. Heckner ist als Sprinter der M65 in Madrid. Er ist von seinem (einstigen) Berufsbild so wenig ein Auslandskorrespondent wie US-Präsident Donald Trump ein Diplomat. Der national für STV Hünxe sprintende Pensionär aus Rumeln-Kaldenhausen gleich hinter Krefeld-Uerdingen war in leitender Position bei der Steuerfahndung in Düsseldorf tätig. Er hat einen kleinen Beitrag für den „Göterboten“ verfasst und dazu womöglich ein paar Fotos beigesteuert. Das war’s.

Claus Kleber: Rettet die Wahrheit

Ein Auslandskorrespondent pflegt dagegen ständig in dem Land zu leben, über das er für Print, Funk oder Fernsehen für seine Heimatredaktion berichtet. Ein klassisches Beispiel dazu ist Claus Kleber vom ZDF, der wohl bekannteste, wahrscheinlich zudem beliebteste Nachrichtenmann des öffentlich-rechtlichen Fernsehens. Der promovierte Jurist  war von 1986 bis 2002 Hörfunk-/Fernseh-Korrespondent der ARD in den USA und in London. Seit 2003 moderiert er das 
heute-journal im Zweiten, mit dem wir alle angeblich besser sehen. Übrigens sehr lesenswert sein letztes, im Ullstein-Verlag erschienenes Buch „Rettet die Wahrheit“. Der Titel passt auch irgendwie zum Inhalt dieser Glosse.
Aber es gilt, jetzt wieder auf Hermes gemünzt, im Zweifelsfalle der Spruch aus Volkes Mund „Wer angibt hat deutlich mehr vom Leben.“ Und noch einen hinten drauf: Schuster, bleib bei deinem Leisten! Das ist bei ihm die Mittelstrecke.