Internationale Meisterschaften sind stets auch ein Raritätenkabinett

Kolumne

Das Wort am Sonntag

(Madrid/Krefeld, 18. März 2018)
Internationale Meisterschaften der Ü35-Generation in der Leichtathletik sind stets auch ein Raritätenkabinett aus Absurdistan. Die Sporttouristen aus aller Herren Länder versammeln sich, da  – aus erforderlichen monetären Gründen – keine Normen verlangt werden. Allerdings werden sie diesmal schon vorher enttarnt, da bei der Eingabemaske eine Meldeleistung abverlangt worden ist. Und die Großmannssucht des EMA-Präsidenten Kurt Kaschke aus Freudenstadt im Schwarzwald, dem Europa viel zu klein ist, macht es möglich, dass bei den morgen beginnenden kontinentalen 12.Hallen-Titelkämpfen im spanischen Madrid auch Sportler/innen aus sieben außereuropäischen Nationen an den Start gehen dürfen. Freilich außer Konkurrenz. Mithin als restlos überflüssige „Schattenboxer“. Die können ungestraft im Hawaihemd und in Bermudashorts über den Laufsteg lustwandeln. Selbstdarstellung bis zum Exzess.

Schaulaufen der WMA-Präsidentschaftskandidaten

Da kennt Kaschke ja allerhand von. Er rief jedoch einen „Geist“, den er vermutlich im Interesse seiner (Verbandsober-)Schwester im Geiste Margit Jungmann (Rehlingen) nicht unbedingt gerne dabei gehabt hätte: Den sprintenden US-Amerikaner Gary Snyder. Der ehemalige Masterspräsident der USA wird bekanntlich für die Nachfolge des scheidenden WMA-Bosses Stan Perkins (Australien) kandidieren (wir berichteten) und hat bereits für den Fall seiner Wahl auf der Internet-Plattform masterstrack.com seine Visionen für eine Erneuerung und Modernisierung des vermieften Welt-Seniorenverbandes ausgebreitet. So kommt es also in „Eviva
España“ zu einem Schaulaufen mit WMA-Vizepräsidentin Jungmann, die symbolisch ebenfalls ihren Hut in den Ring geworfen hat, um ihrerseits die höchste Stufe zu erklimmen. Als Visionärin ist sie bisher allerdings nicht in Erscheinung getreten. Jedenfalls nicht in der Außendarstellung.

Betriebsausflug des Bundesausschusses Senioren

Wären wir gleich beim nächsten Stichwort zu den genannten Absurditäten. Die Saarländerin wird in ihrer Eigenschaft als Vor
sitzende des Bundesausschusses Senioren zu einer Art Betriebsausflug mit großen Teilen dieses Gremiums vor Ort in der fußballverrückten Millionen-Metropole sein. Das gipfelt darin, dass auch Vorruheständler Jörg  Erdmann (im Bild) diesem wasserkopfähnlichen Gebilde als KdF-Maßnahme (= Kosten der Firma oder der zusätzlichen 15-Euro-Gebühr der deutschen Gemeldeten) angehört. Da schlag einer lang hin. Angeblich ist Erdmann für die Einarbeitung von David Deister dabei, der ihn beim DLV beerbt hat und intern den logischen Schritt vom Ressort der KiLa (Kinder-Leichtathletik) zu den Senioren vollzog. Das erschließt sich dem „Normalo“ nicht, dass jemand fürs Nichtstun in einem aufgeblähten siebenköpfigen Begleittross plus Seniorensprecher eingearbeitet werden muss. Vielleicht für das angemessene Auftreten und Verhalten im VIP-Bereich bei Smalltalk, Schampus und mit regionalen Köstlichkeiten belegten Canapés (Schnittchen).

Seniorensprecher steht Aktiven nur bedingt zur Verfügung

Der (un-)heimliche Verbandssprecher Alfred „Alf“ Hermes aus der einstigen Reaktor-Gemeinde Jülich im Rheinland verbreitete auf seiner Verharmlosungs- und Abkupferungsnetzseite bereits vorsorglich, dass er nur bedingt für die etwaig aufkeimenden Interessen seiner eigentlichen Schutzbefohlenen in seinem eigentlichen Ehrenamt eintreten könne. Vorrang hätten seine eigenen aus 1.500-Meter- und Cross-Lauf bestehenden sportlichen Aktivitäten, was nachvollziehbar ist, und seine sicherlich honorierte Aufgabe als EMA-Medienkoordinator oder so ähnlich. Obwohl beides praktisch keine Bedeutung hat, hört hier theoretisch und wirklich das Verständnis auf.

Ungarin Erika Fändrich geht für GER auf Medaillenjagd

Kommen wir zu schlechter Letzt auf das leidige Thema „Ausländer-Startrecht“ sowie die in diesem Zusammenhang höhere Mathematik des nationalen Dach- und Fachverbandes, worüber wir in der Vergangenheit rauf und runter berichtet haben. Insbesondere über Erika Fändrich, die für den TV Heppenheim startende und zusammen mit ihrem Ehemann Günther Fändrich in Gorxheimertal bei Heidelberg lebende Wahl-Hessin aus Liebe. Die gute Erika ist von Geblüt und Geburt eine lupenreine Ungarin, besitzt allein die Staatsangehörigkeit ihres Ursprungslandes. Die 56-Jährige darf aber Kraft ihres deutschen Startpasses nach Lesart des DLV in Madrid zu Ehren von Deutschland und entsprechend gewandet in einer der vier möglichen Kollektionen in der W55 auf Medaillenjagd gehen. Das wird ihr eingedenk ihrer Klasse vermutlich auch gelingen. Es sei ihr ganz persönlich auch von Herzen gegönnt. Aber zu verstehen ist das mit halbwegs gesundem Menschenvorstand nicht. Denn, und das ist zwar schade, jedoch irgendwie logisch, ist sie bei Deutschen Meisterschaften seit der Änderung ab 01.Januar 2017 nicht mehr startberechtigt. Möglich, dass es noch andere derartige Fälle gibt.

13 Germanen mit streng geheimem Auftrag

Unter Garantie gibt's immer noch jene, deren Auftrag so geheim ist, dass sie selber nicht wissen was sie tun.      
Darf den gemeinhin eher vagen Zahlen-Angaben in der Senioren-Spielecke auf der Verbandsnetzseite Glauben geschenkt werden, haben 312 Germanen (194 Männer, 118 Frauen) ihre Willenserklärungen für einen beabsichtigen EM-Start abgegeben. Die vom DLV ins Netz gestellte Meldeliste nach Namen, Altersklassen und Disziplinen weist dagegen lediglich 299 aus. Ergo sind 13 als „Tarnkappenbomber“ unterwegs. Wer’s braucht, diese sehr befristete Anonymität des gewährten Datenschutzes.
In diesem Sinne einen schönen Sonntag und eine spannungsgeladene EM-Woche als Teilnehmer oder Kiebitz daheim!