Heike Drechsler verlieh der Senioren-DM höchst prominenten Glanz


(Erfurt/Krefeld, 13. März 2018)
Mitunter sieht man(n) vor lauter Bäumen den Wald nicht. Bei einer Presse-Nachlese zu den Deutschen Senioren-Hallenmeisterschaften mit Winterwurf in Erfurt durch einen – freilich überschaubaren – Teil des bedruckten Blätterwaldes  in unserem unmittelbaren Umfeld am Niederrhein wurde das bisherige Versäumnis wieder hochgespült. Der Lokalsport der Rheinischen Post Moers veröffentlichte ein (Privat-)Foto von Thomas Ritte, Stammhalter der für den SC Bayer 05 Uerdingen startenden „Ritte-Air“, zusammen mit keiner Geringeren als Heike Drechsler. Ja, da war doch was? Genau! Die Weitsprung-Olympiasiegerin von 1992 und 2000 war in der thüringenschen Landeshauptstadt im wonnevollen, nimmermüden Einsatz an den reiferen Athleten/innen.

Einstige Koryphäen veredeln
bisweilen Siegerehrungen...


Das sich derartige Koryphäen von einst für Siegerehrungen zur Verfügung stellen, habe ich bei den 1.Senioren-Hallen-Europameisterschaften 1997 in Birmingham/GB am eigenen Leibe erleben dürfen. Bei meinem Titelgewinn im Kugelstoßen der M50 (gleich nebenan sprang Thomas Zacharias mit 2,00 Meter heute immer noch gültigen M-50-Weltrekord) wurde ich unter den Klängen des Poptitels  „Simply the Best“, ausgerechnet mein Lieblingslied von Tina Turner, von der damaligen polnischen Verbandspräsidentin Irena Szewinska geehrt. Das war praktisch das Sahnehäubchen auf dem Kuchen. Für die jüngere Generation: Die Polin vom Jahrgang 1946  ist gar dreifache Olympiasiegerin. Einmal im Kollektiv über 4x100m 1964 in Tokio, dazu gelang ihr neben Michael Johnson (USA) das außergewöhnliche Double auf den Einzelstrecken 200 Meter (1968 in Mexiko-Stadt) und 400 Meter (1976 in Montreal). Also zudem eine höchst erfolgreiche Dauerbrennerin über die Distanz von vier Olympischen Spielen.

...„uns Heike“ wählte dagegen den Knochenjob

Während Irena zu dem Trio auf dem Podest aufschaute, Hände schüttelte und gelegentlich Bussis verteilte, machte Heike Drechsler in Erfurt Knochenarbeit, musste ihre 1,82m Körpergröße gaaanz oft abbücken. Denn die 53-jährige Blondine steckte mit einer Engelsgeduld immer und immer wieder bei gültigen Versuchen den Stahlstift in die Weitsprunggrube, drechselte sich vermutlich ein Gewinde in die langen Beine. Einer dermaßen prominenten Kampfrichterhelferin angesichtig geworden, weckte das natürlich Begehrlichkeiten für gemeinsame Fotos. Das ließ die ehemalige Weitsprung-Lichtgestalt, stets freundlich in die jeweilige Kamera lächelnd, mit ähnlicher Engelsgeduld über sich ergehen.

Illustre Talkrunde mit Olympiasiegern

Noch am Freitagabend vor den Titelkämpfen war Drechsler in einer sehr sportlichen Runde mit dem frisch gebackenen Bob-Doppel-Olympiasieger Francesco Friedrich und Diskuswurf-Olympiasieger Robert Harting zu Gast in der aus dem MDR-Landesstudio Leipzig live ausgestrahlten Talk-Show „Riverboat“. Da erzählte sie bereits, dass sie sehr viel durch die Leichtathletik erhalten habe, dass sie ihr dafür etwas zurückgeben will. Und zwar direkt an der Basis. Deshalb mache sie eine Ausbildung zur Kampfrichterin und hoffe bei der Europameisterschaft der Männer/Frauen vom 7. bis 12.August 2018 in Berlin zum Einsatz zu kommen.
Die „Ochsentour“ hat sie schon mal hinter sich: An und in der Weitsprunggrube sowie beim Foto-Marathon mit der Jugend von gestern und vorgestern. Hinterher wurde kolportiert, dass ihretwegen erstmals Eintritt bei einer Senioren-DM erhoben worden ist.