Stabhochspringer Wolfgang Ritte abermals zum Ritter geschlagen

Kolumne

Moment mal

(Ludwigshafen/Krefeld, 03. Februar 2018) 
Selbst auf den Mikrokosmos Senioren-Leichtathletik heruntergebrochen ist es schier unmöglich alles in den Weiten und Untiefen des Internets entdecken zu wollen. Mitunter weigere ich mich auch stand- und boshaft, mich durch jeden feuchten Humus mit Brechreizgarantie zu wühlen. Beispielsweise durch die Meldeliste des Senioren-Hallensportfestes des LV Pfalz heute in Ludwigshafen, die mehr einem Suchspiel gleichkommt. Das muss ich auch gar nicht. Denn es gibt kein besseres Regulativ als den aufmerksamen Leser, der uns in purer Absicht einer Veröffentlichung von Missständen und Ungereimtheiten etwas Berichtenswertes zuträgt.
Da taucht im Stabhochsprung der M65 ein „Ritter“ auf. Dabei hat der gemeinte Vielfach-Weltrekordler Wolfgang Ritte (*1953) vom SC Bayer 05 Uerdingen den Ritterschlag längst hinter sich. Der damals 55-jährige Regierungsbeamte des gehobenen Dienstes aus Moers am Niederrhein wurde am 23.November 2008 im „Salle de Etoiles“ (Sternensaal) des altehrwürdigen Monte Carlo Sporting Club bei der Welt-Leichtathletik-Gala der IAAF vor 730 geladenen Gästen zum „World Best Master oft he Year 2008“ ausgezeichnet. Damals titelte die Rheinische Post, für die ich von live vor Ort einen großen fünfspaltigen Bericht mit drei eingeblockten Farbfotos machen durfte: Rittes Ritterschlag. Nicht nur wegen dieser hohen ideellen Auszeichnung. Schließlich nahmen keine Geringeren als die Stabhochsprung-Legenden Jelena Isinbajewa und Sergej Bubka die Ehrung vor, und auch Fürst Albert von Monaco gratulierte ihm und den weiteren Preisträgern zuvor höflich-höfisch auf einem Empfang im Grimaldi-Palast. Mehr geht nicht. Aber nach zehn Jahren und seither 30 weiteren Senioren-Weltrekorden war das mal wieder (über-)fällig.

Namen sind Nachrichten und haben zu stimmen

Doch Spaß beiseite. Halten wir in dem anderen Zusammenhang fest, dass sich dieser Fehler bis in die Ergebnisliste hinein und auf die Urkunde fortsetzt, so nicht vorher jemand interveniert. Ob wir rechtzeitig gelesen werden, steht am Tage der Veranstaltung dahin? Namen zu verfälschen ist so ziemlich das Schlimmste, was bei Veröffentlichungen jedweder Art verbrochen werden kann. Namen sind Nachrichten, und die haben einfach zu stimmen. Basta! Sie sind zudem das höchste persönliche Gut und Identifikationsmerkmal des Menschen. Längst legen ihn Frauen bei Verheiratung nicht mehr wie selbstverständlich ab, meine eingeschlossen. Manche Männer schon ( zum Beispiel Ex-Speerwerfer Boris Henry). Aber Obergföll ist schließlich auch ein Name, wenngleich zum Zunge brechen.