Senioren abermals mit großer Lieblosig- und Geringschätzigkeit "bedacht"

Glosse

Neben der Spur

(Darmstadt/Krefeld, 09. Januar 2018)  
Eigentlich ist Kabarettist Rüdiger Hoffmann aus Paderborn in Ostwestfalen der legitime Interpret der (gewollten) Langsamkeit. Er pflegt sein Publikum in gefühlten fünf Minuten mit Hallo...erst...mal" zu begrüßen. Aber da gibt es ja noch ihn, den Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV) in Darmstadt, dessen imaginäre Mühlen der hauptamtlich 45 Direktoren, Vizedirektoren und Referatsleiter („Indianer“ für die Arbeit haben die gar keine) in Superzeitlupe mahlen. Der Laie staunt und der Fachmann wundert sich, was die da im Hessischen unter „in Kürze“ verstehen. Darüber gibt es im Duden eine eigene Abhandlung  als Seitenaufmacher im farbig unterlegten Kasten. Kommt vom Adjektiv kurz. Was uns zumindest schon einmal lehrt, dass es nicht lang sein kann. Auch nicht beliebig wie bei „später“, das sich auch mit irgendwann übersetzen ließe. Halt dehnbar wie ein Kaugummi – und länger.
Nun also geschlagene neun Tage nach „in Kürze“ bleibt dieser DLV bei Online-Stellung unseres Beitrages um 08.45 Uhr immer noch die Sieger und Platzierten bei der angeblichen Leserwahl zu den Senioren-Leichtathleten des Jahres 2017 schuldig. Die Auserwählten und deren Sympathisanten werden in einem garantiert nicht beabsichtigten Spannungsbogen hingehalten. Es ist die uralte Leier, dass die größte Fraktion im Verband mit einer schon sprichwörtlichen Geringschätzig- und Lieblosigkeit misshandelt wird. Dazu werden wir morgen mit einem anderen Thema nachlegen.
Dass es anders geht, beweisen unsere alpenländischen Nachbarn aus Österreich. Obwohl es bei denen um sechs Kategorien mit insgesamt 60 Nominierten ging und ein Puzzle aus 2.532 Online-Wählern sowie einer Experten-Jury (Trainer, Journalisten)  zusammen zu fügen war, kam der ÖLV bereits zwei Tage nach Teilnahmeschluss mit den Ergebnissen aller 60 Auserkorenen heraus (wir berichteten).
Da ist der Terminus „in Kürze“ angebracht. Ganz zu schweigen von der festlichen Proklamation im Februar 2018 an nobler Stätte in Wien. Armseliger DLV.